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Schattentänzer von Paul Kane

Rezension von Carsten Kuhr

 

Eloy Edictions in Augsburg hat sich in den letzten Jahren zu einer guten Adresse für die Freunde gehobener Phantastik gemausert. Die in Italien gedruckten Bücher sind sehr sorgfältig redigiert, die Texte mit Sachverstand und Engagement ausgewählt. Anthologien und Collections stehen im Mittelpunkt des Verlagsprogramms.

Diesmal haben die Herausgeber zu ersten Mal eine Sammlung von Kurzgeschichten eines ausländischen Autors ausgewählt. Der Engländer Paul Kane gilt in seinem Heimatland als einer der vielversprechendsten neuen Horrorautoren. Die 18 Geschichten in vorliegendem Band beschäftigen sich fast alle mit einem gemeinsamen Thema - der Angst.

 

Sei es, dass ein Mann grausam gefoltert wird, ohne zunächst zu wissen warum, oder ein junger Arzt seit dem Tod seines Vaters eine Obsession für den Moment des Exodus' hat, immer steht das hilflose Gefühl der Ohnmacht ob der Geschehnisse im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Es gibt die unvermeidlichen Hommagen an H.P. Lovecraft, etwa als ein Mann der seinen fleischlichen Leib verlassen kann erkennen muss, dass grausame, fremde Wesen für das Missgeschick, das Unglück und oftmals den Tod der Menschen verantwortlich sind. Auch die Geschichte über einen Literaturkritiker der sein Idol auf einer einsamen Insel besucht - nur um als dessen Nachfolger auserkoren zu werden zeigt starke Lovecraft'sche Einflüsse. Lustig dagegen die Hommage an die Blues Brothers – hier natürlich »Bone Brothers« genannt – eher etwas zum Lachen als zum gruseln, aber eben gerade deswegen lockert die Geschichte den Band ein wenig auf. »Opas Sessel« benutzt ein altes Motiv für eine atmosphärisch sehr intensive Gespenstergeschichte einer etwas anderen Art. Den krönenden Abschluss bildet dann »Im Auge des Betrachters« in der uns der Autor in kurzen trockenen fast zu emotionslosen Sätzen das Leben einer Frau erzählt. Eben wegen des betont nüchternen Stils wirkt die Geschichte »nach«, packt einen, und transportiert die zugrundeliegende Hilflosigkeit unterschwellig aber nichtsdestotrotz merkbar. Vielleicht die beste, weil überzeugendste Geschichte des Bandes ist »Besuchszeit«. Chloe Jameson besucht ihre Mutter im Pflegeheim, um sich mit ihr, aber auch mit sich selbst auszusöhnen. Die Angst vor dem eigenen Alter, der Abschiebung in eine Pflegeheim ist sehr ergreifend geschildert.

 

 

Kane schreibt sehr plakativ und bildhaft. Ich kam mir so manches mal vor, als sitze ich im Kino, und auf der Leinwand läuft ein Horror-Streifen ab. Meist nicht unbedingt ein teurer Hollywood- Blockbuster, eher ein billig, aber effektvoll in Szene gesetztes B-Movie. Kanes Beschreibungen sind sehr auf visuelle Effekte ausgelegt, er arbeitet gerne mit Bildern, beschreibt detailreich die Umgebungen in denen seine Protagonisten ihre furchtbaren Erfahrungen machen. Dabei gelingt es ihm nicht immer seinen Lesern die Furcht, die Panik seiner Gestalten nachvollziehbar und überzeugend zu schildern. Wie in jeder Sammlung gibt es hier Geschichten die die Emotionen besser vermitteln, die ihren Leser direkter packen als andere. Insgesamt aber erhebt hier ein junger Autor seine Stimme, der neben den unausweichlichen Hommagen an Vorbilder immer wieder auch eigene Wege einschlägt, und dabei zu überzeugen weiss.

 

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Buch:

Schattentänzer

Horrorerzählungen

Autor: Paul Kane

ISBN: 3-938411-03-1

13x20, 229 Seiten, 14 Euro

Verlag: Eloy Edictions

Erhältlich bei Eloy Edictions

weitere Infos:


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Erstellt: 19.01.2006, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18