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Schwarze Dame von Adreas Gruber

Rezension von Carina Schöning

 

„Schwarze Dame“ ist erst der zweite Roman des Wiener Autors Andreas Gruber. Sein Debütroman „Der Judas-Schrein“ wurde 2006 und die Anthologie „Die letzte Fahrt der Enora Time“ 2002 mit dem „Deutschen Phantastik Preis“ ausgezeichnet. Die Fortsetzung „Die Engelsmühle“ rund um den zynischen Privatdetektiv Peter Hogart und seine eher unorthodoxe Ermittlungsweise ist auch schon beim Verlag angekündigt.

 

Peter Hogart ist seines Zeichens Freelancer und Privatdetektiv. Im Auftrag der verschiedensten Versicherungen stellt er Nachforschungen an und überprüft die Klienten auf möglichen Versicherungsbetrug. Nun hat ihn die renommierte Versicherungsgesellschaft Medeen & Lloyd gebeten einen kruden Fall von Kunstraub genauer zu untersuchen. Anlässlich des 365. Todestags des tschechischen Malers Octavian sollten 13 Bilder seiner „Antwerpener Periode“ in Prag ausgestellt werden. Allerdings kam es plötzlich in dem Museum zu einem Brand und ausgerechnet diese Werke wurden angeblich völlig zerstört. Die Brandexpertin Alexandra Schelling hat auch Vorort den dreisten Betrug aufgedeckt, allerdings ist sie danach zusammen mit den Beweisen spurlos verschwunden. Peter soll nun nach Prag reisen und selber in dem Fall ermitteln.

 

In Prag macht Peter auch schnell Bekanntschaft mit dem örtlichen Chef der Unterwelt. Vladimir Greco ist selber Kunstliebhaber. Da er aber seine Finger in den verschiedensten „Geschäften“ mit drin hat, wird er den dilettantischen Diebstahl nicht selber organisiert haben. Die örtliche Polizei ist nicht kooperationsbereit und zusätzlich muss Peter erfahren, dass sein Auftraggeber ihm nicht alle Details in dem Fall mitgeteilt hat. Mehr oder weniger zufällig lernt er die Privatdetektivin Ivona Markovic kennen und wird in einem ganz anderen Fall mit rein gezogen. Seit geraumer Zeit sind zwei Serienmörder in der Stadt unterwegs, die abwechselnd zum Ersten des Monats entweder einen Mann oder eine Frau enthaupten und in schwarze oder weiße Samttücher wickeln. Langsam dämmert es ihm, dass Alexandra Schelling, aus welchen Gründen auch immer, selbst eines der Opfer geworden ist. Als dann plötzlich Ivonas Haus in Brand gesetzt wird und Schüsse fallen, müssen die beiden schmerzlich erkennen in was für ein Wespennest sie da wirklich hineingeraten sind…

 

„Schwarze Dame“ ist ein äußerst spannender Thriller rund um zwei Serienmörder. Eine zentrale Rolle in dem Roman spielt die tschechische Legende von dem Prager Golem, der vom Rabbi Löw aus Lehm geschaffen wurde und dem damals herrschenden Kaiser das Leben rettete. Einer der Serienmörder identifiziert sich mit dem Sinnbild für künstliches Leben und Intelligenz. Wie der Titel vermuten lässt, spielt auch Schach eine große Rolle. Mit Hilfe des tschechischen Schachmeister Vesely finden die beiden Privatdetektive heraus, dass hier eine ganz bestimmte Schachpartie aus der Vergangenheit förmlich „nachgespielt“ wird. Dabei fungiert die Stadt selbst als Schachbrett und die geschlagenen Spielfiguren oder eher Leichen (schwarz/ weiß) werden dementsprechend „positioniert“. Selbstverständlich ist jedoch nichts so wie es scheint und das Wespennest entpuppt sich größer als geglaubt…

Gut durchdacht und gespickt mit kleinen Überraschungen und Wendungen gelingt es dem Autor wirklich zu fesseln. Gelungene Figuren, die vielschichtig und realistisch gestaltet sind, interessante und detaillierte Schauplätze in der goldenen Stadt und eine abwechslungsreiche Handlung sogen für konstante Spannung in dem Roman. Eine lockere Erzählweise sowie die einfache Sprache tun ihr übriges. Besonders positiv sticht der Antiheld Peter mit seiner originellen Ermittlungsweise heraus und auch das gut konstruierte Ende kann voll überzeugen. Bis zum Schluss des verschlungenen Plots bleibt offen, wer wirklich Täter ist und die Auflösung bietet wieder mal eine interessante Wendung. Letztendlich bleibt es aber dem Leser selbst überlassen zu entscheiden wer hier unschuldig ist und wer nicht?

 

Insgesamt hat „Schwarze Dame“ alles was einen guten Thriller ausmacht: interessante Schauplätze und vielschichtige Charaktere, dazu die eine oder andere überraschende Wendung und zu guter Letzt eine logische Auflösung. Spannend und mitreißend geschrieben, kann man den atmosphärischen Roman daher uneingeschränkt allen Thriller oder Krimi Fans empfehlen.

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Schwarze Dame

Originalausgabe 11/2007

Festa Verlag

Paperback, 272 Seiten

ISBN 978-3-86552-072-2

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 12.01.2008, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18