Seelen in der großen Maschine (Autor: Sean McMullen; Greatwinter Bd. 1)
 
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Seelen in der großen Maschine von Sean McMullen

Reihe: Greatwinter Bd.1

Rezension von Carmen Huber

 

Sean McMullen, der für seine Romane bereits mit den beiden renommiertesten australischen Science-Fiction-Preisen ausgezeichnet wurde (den „Ditmar Award“ und den „Aurealis Award“), legt mit „Seelen in der großen Maschine“ den Auftakt zu seiner Trilogie „Greatwinter“ vor. Die beiden Fortsetzungen sind im Original unter den Titeln „The Miocene Arrow“ und „Eyes of the Calculor“ bereits erschienen, trotzdem dürfte es wohl noch eine Weile dauern, bis die beiden Bände auch im Deutschen erhältlich sind.

 

3931 n. Chr., Australien: 1699 Jahre sind vergangen, seit ein gewaltiger „Großer Winter“ die Erde heimgesucht und das Leben ihrer Bewohner völlig verändert hat. Elektrizität existiert nicht mehr, und fast alle technischen Errungenschaften gingen verloren – Züge werden mit Windmotoren oder menschlicher Arbeitsleistung angetrieben, und die schnellste Möglichkeit, Nachrichten zu senden, besteht mithilfe von Signalfeuer-Leuchttürmen. Zugleich brandet immer wieder ein mysteriöser „Ruf“ über das Land, der alle Säugetiere, die größer als eine Katze sind – also auch Menschen – mit sich fortreißt und der meistens für seine Opfer den Tod bedeutet.

 

In dieser Zeit hat sich die brillante, aber auch völlig skrupellose Zarvora bis in eine der höchsten Machtpositionen ihrer Gesellschaft empor gearbeitet: Als Hoheliber ist sie oberste Drachenbibliothekarin von Rochester und befehligt damit die größte Bibliothek der Welt und das Zentrum des Wissens. Und sofort mit ihrem Amtsantritt beginnt sie mit radikalen Veränderungen, mit denen nicht jedermann einverstanden ist. Doch wer sich ihr in den Weg stellt, wird schnell beseitigt – sie duldet keinen Widerstand und kämpft ihre Ziele rücksichtslos durch. Ihre größte Errungenschaft ist die Entwicklung des Kalkulors, einer Rechenmaschine, die aus Menschen besteht – meist Sträflinge und Gefangene, allerdings auch verschleppte Mathematiker oder unliebsame Gegner – und die im Vergleich zu einem einzelnen Menschen Unglaubliches leisten kann. Und die beeindruckenden Fähigkeiten des Kalkulors hat Zarvora bitter nötig, denn nur sie allein weiß von der Gefahr, die der ganzen Welt erneut droht: Ein zweiter großer Winter steht bevor ...

 

Auch die junge und ehrgeizige Jungbibliothekarin Lemorel tritt in den Dienst der Hoheliber und beginnt in Rochester ein neues Leben, wo sie auch schnell zu einer bedeutenden Stellung aufsteigt. Doch als sie sich in Johnny Glasken, einen ewigen Studenten und Frauenheld verliebt, verändert sie dadurch ihrer beider Leben – wenn auch in einer ganz anderen Hinsicht als die beiden ahnen könnten ...

 

 

Wie von Klett-Cotta gewohnt, beeindruckt auch „Seelen in der großen Maschine“ wieder durch eine sehr gelungenen Aufmachung: Der erste Band von „Greatwinter“ ist ein schönes Taschenbuch mit einem edlen und modernen Cover, dass vom Stil her sehr gut auch zum Inhalt der Geschichte passt. Als kleine Unterstützung findet man im Inneren auch noch eine Karte der Gleitbahn- und Signalfeuerlinien, mit deren Hilfe man sich ein bisschen an der Umgebung orientieren kann.

 

Sean McMullen schafft in seinem Roman eine interessante Zukunftsversion: Nach einem „Großen Winter“, über den kaum etwas bekannt ist bzw. seit dem auch kaum noch Wissen über die Zeit davor existiert, gibt es keine Elektrizität mehr, die meisten technischen Errungenschaften gingen verloren und die entdeckten Überresten der einstigen Zivilisation geben nur Rätsel auf. Der Autor schafft damit eine sicher ungewöhnliche Umgebung, die aber sehr glaubwürdig und realistisch beschrieben ist und mit der es ihm gelingt, das Gefühl zu erwecken, als ob alles stimmt und es durchaus so sein könnte. Das Bild, das McMullen vom Alltag der Menschen erzählt, wirkt sehr realistisch – ihre Leben, ihr Umgang mit dem Ruf, ihre Gesellschaft – und passt wirklich gut zusammen. Alles in allem gelingt es dem Autor, eine wirklich gelungene Umgebung für seine Geschichte zu beschreiben, die einfach passt. Zwar dauert es eine Weile, bis man Genaueres über den großen Winter oder die neue Bedrohung erfährt, oder auch darüber, was es mit dem gefährlichen Ruf auf sich hat, doch auch diese Begründungen können überzeugen. Nichtsdestotrotz bleibt aber auch für die Fortsetzung noch vieles im Dunkeln, und in den nächsten Bänden erwarten den Leser sicher noch einige interessante Entdeckungen, sodass man auf „Greatwinter 2“ bereits gespannt sein darf.

 

Ein Manko waren für mich allerdings teilweise die Personen. Zwar sind die meisten durchaus ungewöhnlich und keineswegs nach altbekanntem Schema gestaltet, sie sind interessant und haben sowohl ihre guten als auch ihre schlechten Seiten, jedoch können sie zwischendurch nicht ganz überzeugen. Sie agieren nicht immer ganz glaubwürdig und machen manchmal völlig radikale und plötzliche Veränderungen durch, die einfach nicht ganz erklärbar sind und auch nicht wirklich zu der Geschichte passen. Aber diese Unstimmigkeiten kommen zum Glück nicht oft vor, sodass „Greatwinter“ trotzdem eine interessante Lektüre ist.

 

Fazit:

Mit „Seelen in der großen Maschine“ hat Sean McMullen eine interessante Zukunftsversion voll ungewöhnlicher Einzelheiten und einen durchaus gelungenen Roman geschaffen.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230531215512bf04921e
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Seelen in der großen Maschine

Reihe: Greatwinter Bd.1

Autor: Sean McMullen

Broschiert: 629 Seiten

Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (Juli 2006)

ISBN: 360893779X

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 21.09.2006, zuletzt aktualisiert: 10.05.2023 09:55