Seelenhüter von Laura Whitcomb

Rezension von Christel Scheja

 

Schon mit „Silberlicht“ bewies Laura Whitcomb, dass sie übernatürlichen Themen eine besondere Note abgewinnen konnte, die weit über das Maß hinaus geht, das in heutigen Romantic Fantasy - Geschichten üblich ist. Auch wenn Liebe bei ihr oft eine Triebfeder der Helden ist, so spielt sie doch nicht die erste Geige. Das ist auch in ihrem zweiten Roman „Seelenhüter“ nicht anders.

 

Seit seinem Tod gegen Ende des 16. Jahrhunderts dient Calder als Seelenhüter. Er ist zur Stelle, wenn eine Seele ihren Körper verlässt und in den Himmel eingehen soll, der Geleitschutz, damit sie den Weg auch sicher findet und nicht verloren geht.

Bisher hat er seine Aufgabe erfüllt ohne darüber nachzudenken, was er tut. Doch das ändert sich, als er im Jahr 1904 am Bett eines todkranken Jungen eine junge Frau sieht, die sein Herz zum Klingen bringt. Obwohl das Kind sich noch einmal dazu entscheidet, weiter zu leben, kann er sie nicht vergessen.

Es soll nicht die einzige Begegnung bleiben, denn sein Weg führt ihn noch ein oder zwei Mal in die Nähe des Jungen und seiner Familie. Dabei nimmt er gar nicht wahr, dass ihn eigentlich jemand ganz anderer mehr beschäftigen sollte, denn ein kleines Mädchen kann ihn im Gegensatz zu den anderen wahrnehmen.

Erst im Jahr 1916 begreift er, an wen er geraten ist. Allerdings schlägt Alexandra, die Zarin von Russland, seine Bitte aus. Calder will jedoch nicht aufgeben und schlüpft in den Leib eines Ermordeten - Grigori Rasputin, Damit bricht er nicht nur alle Regeln, denen er als Seelenhüter unterworfen ist sondern verleitet auch die Seele des Toten umher zu wandern und weitere Dämme einzureißen.

Und das ist nur der Anfang einer dramatischen und gefahrvollen Odyssee, die Calder mit zwei unerwarteten Schutzbefohlenen um die Welt führen wird...

 

„Seelenhüter“ spielt in dem gleichen Universum wie „Silberlicht“, greift aber einen ganz anderen Aspekt des Ganzen auf und stellt die Liebesgeschichte in den Hintergrund. Denn die Person, in die der Held sich vernarrt, erwidert seine Gefühle nicht.

Weil er das nicht wahr haben will, löst er letztendlich eine Kette von Ereignissen aus, die das Gefüge des Himmels erschüttert, obwohl die Hüter das im Moment gar nicht gebrauchen können, bringen doch Krieg und Revolutionen viel zu viele Seelen in die Schattenwelt und zum Himmelslicht.

Der Stil der Autorin ist wieder sehr poetisch und distanziert, so dass man in eine unwirkliche Atmosphäre gehüllt wird, auch wenn die Themen eher ernster Natur sind. Dabei wagt sie viel, denn sie ist nicht die erste, die sich der russischen Zarenfamilie und ihres tragischen Schicksals annimmt.

Allerdings wird am Ende nicht so ganz klar, warum Calder trotz der Regelbrüche nicht bestraft sondern sogar noch belohnt wird. Hier ist der Verdienst, den er geleistet hat, nicht herausgearbeitet, auch das Lesen zwischen den Zeilen fällt schwer.

Die Geschichte konzentriert sich in erster Linie auf das Ambiente. Auch wenn man viel über die Figuren erfährt, so bleiben sie doch lange blass und eindimensional. Die Handlung ist sehr gemächlich und ruhig, so dass es immer wieder Längen gibt.

 

Alles in allem wendet sich „Seelenhüter“ wie auch schon „Silberlicht“ an eher die Fans ruhiger und poetischer Geschichten, die nicht unbedingt immer nur Romantik oder sogar Action brauchen. Allerdings bleiben diesmal auch die Figuren flach, so dass das Buch gegenüber ihrem Debüt leider abfällt.

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Buch:

Seelenhüter

Autorin: Laura Whitcomb

Gebunden, Flexeinband, 361 Seiten

Pan/Knaur, erschienen Mai 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Sabine Thiele

Titelbild von Charlotte Nation

ISBN-10: 3426283328

ISBN-13: 978-3426283325

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 21.05.2019 18:01 | Users Online
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