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Seelentrinker von Ben Counter

Rezension von Christian Endres

 

William King, Dan Abnett, Graham McNeill – und jetzt auch noch Ben Counter. Heyne mag vor einigen Jahren unter bekannten Umständen einen Großteil der Warhammer-Fantasy-Lizenzen verloren haben – die Science-Fiction-lastige Warhammer 40.000-Reihe indes wächst und gedeiht davon unbeeindruckt prächtig vor sich hin. Ein Trend, der 2007 fortgesetzt werden wird und schon im Januar erste Früchte mit dem Adler des Imperiums und dem Geruch von Mutation und Chaos trägt: Dieses Mal sind es aber weder Kings Spacewolfs um Ragnar, noch Abnetts Geister um Gaunt, die von der Black Library und Heyne ins Rennen geschickt werden. Stattdessen folgen wir Ben Counters Space Marines vom Orden der Seelentrinker und ihrem neuen Hauptmann Sarpedon in einen gnadenlosen, brutalen Kampf zwischen ehedem Verbündeten unter dem Adlerbanner des Imperiums – hinein in einen Kampf um eines der mächtigsten Artefakte des Weltalls ...

 

Die Space Marines vom Orden der Seelentrinker sind ein in purpurfarbene Servorüstungen gehüllter Haufen tödlicher Kampfmaschinen, im Einzelnen so gefährlich wie im Kollektiv – so gut wie unbesiegbar, von ihrer Ehre und ihrem Streben nach Ruhm auf dem Schlachtfeld angetrieben, die Speerspitze der imperialen Armee. Doch in jedem der tapferen Seelentrinker-Marines wohnt auch ein Fanatiker. Als es während einer truppenübergreifenden Zusammenarbeit beim Kampf um ein Sternenfort im All zu einem Streit zwischen den Einheiten des Imperiums kommt, werden die Seelentrinker von ihren eigenen Vorstellungen und ihrem teilweise fast schon krankhaftem Streben nach Ehre und Ruhm korrumpiert und sehen sich plötzlich im Kampf gegen ihre einstigen Verbündeten, die ihnen ein prestigeträchtig-mächtiges Artefakt aus dem Gründungstagen des Seelentrinker-Ordens einfach frech unter der Nase weggeschnappt haben und es nun nicht mehr herausrücken wollen. Der fähige Seelentrinker Sarpedon, der nach den Geschehnissen im Sternenfort der neue Anführer der wackren Space Marines ist, führt seine lila gepanzerten, tödlichen Fanatiker in einen Kampf gegen Freund wie Feind, in dem nur die Ehre des Ordens und die damit verbundene Wiedererlangung des Soul Spears zu zählen scheint ...

 

Es schießt, es raucht, es blutet, es knallt, es metzelt, es explodiert, es stirbt, es kämpft und es krachboom!rummst an jeder Ecke. Das ist stilistisch oder inhaltlich meistens weder besonders anspruchsvoll, noch besonders schön oder ästhetisch und erst recht nicht moralisch oder pädagogisch wertvoll, sicher, und es wird wohl auch keine Revolution des SF-Genres herbeiführen oder unsere Sichtweise von Zukunftsliteratur auf immer verändern – aber was soll’s? Es macht einfach diebisch Spaß, wenn die Space Marines sich in ihren klobigen Rüstungen und mit einer Unmenge an archaischer Feuerkraft und Kampfeswillen ins Getümmel stürzen und ihre Feinde einen nach dem anderen (oder gleich zu Dutzenden ...) niedermachen.

 

Manchmal braucht eine Lektüre eben keinen gehobenen Anspruch und darf sogar einige Kapitel lang seicht und klischeebeladen durch den Warp-Raum vor sich hinplätschern, wenn sie dabei nur entspannend und leicht zu lesen ist und wie ein Action-Film unterhält, den man auch mit müden Augen und nach einem harten Arbeitstag noch genießen kann. Unterhaltung ohne Stimulation, dafür aber mit einem großen Spaß- und Action-Faktor. Und das sind die Warhammer 40K-Romane in der Regel immer – wobei Counters Erstling hierbei keine Ausnahme ist. Auch solche Bücher muss es eben auf dem Lesestapel ab und an geben – warum dann also nicht gleich in die Vollen gehen und sich mit bestem Military-SF-Trash verlustieren, der immerhin zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Tabletop-Games aller Zeiten gehört und sich dort fleißig am Background des Spiels bedient?

 

Das 365 Seiten starke Taschenbuch kommt in der gewohnten Heyne-Qualität des Weges daher, weiß (im Falle der Warhammer-Bücher leider keine Selbstverständlichkeit und deshalb erwähnenswert) aber durch ein sehr eindrucksvolles Covermotiv zu begeistern, das vor Heroismus und Männlichkeit, aber auch vor Dynamik nur so strotzt und direkt aus den ersten Kapiteln des Buches herausgemeißelt worden zu sein scheint. Ein kraftvolles, dynamisches, lebendiges Titelbild, das auch während der Lektüre ab und an einfach angeschaut werden möchte. Eindrucksvoll!

 

Fazit: Wie immer, wenn ein Roman das Warhammer-Signet trägt, wird der Titel das Medium Buch als solches oder die Science Fiction im Besonderen nicht neu erfunden. Doch ganz unabhängig davon wird der Leser trotzdem in gewohnter Weltraum-Materialschlachten-Manier bestens unterhalten.

 

Wer sich also damit begnügt und vor allem auch weiß, worauf er sich mit einem solchen Werk einlässt, kann bei Counters erstem Roman aus der Welt von Warhammer 40K und dem Debüt seiner Seelentrinker beherzt zugreifen und nicht viel falsch machen, wenngleich dem ersten Band der Soul Drinker-Reihe auch noch ein wenig die Verbundenheit zu den Figuren fehlt, wie man sie mittlerweile beispielsweise schon bei Dan Abnett und seinen Tanithern gewohnt ist. Doch spätestens mit dem zweiten Band, »Der blutende Kelch«, der im August erscheinen wird, dürfte sich auch dies ändern ...

 

Seicht-triviale, ja wahrscheinlich sogar etwas trashige Entspannungs-Lektüre mit brummenden Servorüstungen, krachenden Boltpistolen und heulenden Energiekettenschwertern at its best.

 

 

 

 

 

Eure Meinung:


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Seelentrinker

Autor: Ben Counter

Taschenbuch, 365 Seiten

Heyne, Januar 2007

ISBN: 3453522374

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 23.01.2007, zuletzt aktualisiert: 23.04.2019 14:56