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Seide und Schwert von Kai Meyer

Reihe: Das Wolkenvolk Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Seit einiger Zeit schon ist Kai Meyer eines der prägenden Gesichter phantastischer (Jugend-)Literatur aus Deutschland, und mittlerweile feiert der Autor aus Lübeck auch international beachtliche Erfolge und schart eine immer größere Fangemeine um sich. Wen wundert es da, dass es ihn mit seiner neuen Trilogie ins ferne Reich der Mitte zur Zeit der Quing-Dynastie (um das Jahr 1760 also) führt, wo es neben Drachen und mutigen Schwertkämpfern auch ein Völkchen aus dem Süden Europas gibt, dessen Heimat langsam aber sicher der Saft (in diesem Fall der Aether) ausgeht und die sich gefährlich schnell chinesischem Grund – und damit den dort lauernden Dämonen – nähert ...

 

Der große Leonardo da Vinci hat 250 Jahre vor der eigentlichen Handlung von »Seide und Schwert« die so genannten Aetherpumpen entworfen, mit deren Hilfe man eine riesige Wolkeninsel konstant in der Luft halten und durch die Lüfte schweben lassen kann. Doch der Aether – nicht umsonst der Stoff der Götter und über alle anderen Dinge unserer Sphäre erhaben – entwickelt sich plötzlich zu einem launischen, im wahrsten Sinne des Wortes eigensinnigen Treibstoff, und bald schon verliert die Wolkeninsel an Höhe und verfängt sich zwischen den Gipfeln einer Gebirgskette Chinas. Der junge Niccolo, der aufgrund der verruchten Gelehrsamkeit seines verstorbenen Vaters als einziger Abkömmling des Wolkenvolkes, das nicht viel von den Bewohnern der Erde hält und jeden Kontakt durch die Priesterschaft verbietet, die Sprache des Reichs der Mitte beherrscht, wird ausgesandt, um die Drachen zu finden, die in China leben sollen – und die mit ihrem feurigem Atem angeblich den Aether produzieren. Das Problem an der Sache: Die Drachen sind seit Kurzem allesamt verschwunden ...

 

Kai Meyer zeichnet mit dem ersten Band seiner Wolkenvolk-Trilogie ein scharfes, teils humorvolles, teils äußerst actionreiches und durchwegs packendes Bild des chinesischen Großreichs zur Zeit, da die Mongolen gehörig Einfluss auf den Kaiserthron in der Hauptstadt des Landes nahmen, der Glaube an alles Übernatürliche wie zum Beispiel die Drachen oder die Unsterblichen und starke Magie ebenfalls noch stark im chinesischen Volk verbreitet war. Das schöne an Meyers Geschichte ist dabei vor allem die Vielseitigkeit, mit der er seinen Leser verzaubert, und natürlich die Fülle an Figuren und Charakteren, die ein breites Spektrum zwischen heimeligen Klischees und innovativen Schöpfungen abdecken und somit genau die richtige Mischung ergeben. Hinzu kommen Momente, die an einen historischen Roman erinnern, ohne dass sich die erarbeiteten Informationen nun in den Vordergrund drängen. Dann gibt es neben packender Action, ein paar Szenen zum Schmunzeln und viel Phantastischem noch eine zarte Romanze und eine unerfüllte Liebe, mächtige Magie und sogar göttliche Wesen, von den Drachen, den Lavatürmen und anderen phantastischen Komponenten ganz zu schweigen – unterm Strich also genau den Stoff, aus dem packende Geschichten gemacht sind, die jung und alt einfach begeistern und mitreißen, ob man nun will oder nicht.

 

Auch äußerlich ist es ein sehr schöner Band geworden, den der Loewe Verlag hier präsentiert: Ein gut verarbeitetes, stabiles Hardcover, das dank eines angenehmen Schriftgrads auch für jüngere Leser geeignet sein dürfte, sich aber auch für altgediente Leseratten angenehm handhaben lässt, ohne dass man sich (wie bei manch anderem jugendtauglichen Buch) gleich an die Lettern der ersten Lesversuche als ABC-Schütze erinnert fühlt. Des weiteren machen ein wunderschönes Cover, in das ich mich schon beim ersten Kontakt auf der Homepage des Autors regelrecht verliebt habe, ein an den richtigen Stellen leicht geprägter Schutzumschlag sowie ein Lesebändchen und eine kleine, immer wiederkehrende Illustration an den Kapitelanfängen einiges her und verhelfen dem Buch zur Höchstnote in Punkto Aufmachung, Verarbeitung und Design.

 

Fazit: Ein inhaltlich wie äußerlich durchwegs gelungener Auftakt, zu dem man allen Mitwirkenden gratulieren muss. Geschickt bringt Kai Meyer seine zum Teil äußerst liebenswerten, jedoch nie idealisierten Figuren für die beiden Folgebände in Position, doch funktioniert der erste Band der Trilogie auch als eigenständige Geschichte, die am Ende aber natürlich Lust auf mehr macht und auch genügend Spielraum (und selbstverständlich auch Fragen) offen lässt, um die Fortsetzungen mehr als nur lohnend erscheinen zu lassen.

 

Eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits für Freunde phantastischer Unterhaltung jeden Alters – und die Hoffnung, dass die Wartezeit bis zum Folgeband nicht gar so schwer fallen wird.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 3 von 3.

lilli
Freitag, 11. Dezember 2009 13:52 Uhr
Das ist echt ein tolles Buch. Auch die 2 anderen Bände kann ich nur empfehlen. Diese Buchreihe ist eine meiner liebsten!

Thomas
Freitag, 02. Februar 2007 15:06 Uhr
Hallo Leute, auch ich hatte das Vergnügen Seide und Scwwert lesen zu dürfen und bin nun seit kurzem in Besitz des 2. Bandes "Lanze und Licht" welches ich euch nur empfehlen kann. Kai Meyer schuf mit diesen Büchern eine so fantastische Welt, aus welcher man nur schweren Herzens wieder auftaucht.

Ina Zugang
Freitag, 25. August 2006 19:41 Uhr
Hallo Leute!
Ich hatte auch schon die Gelegenheit das Buch von Kai Meyer "Seide und Schwert" zulesen, es ist einfach wunderbar und schön zu lesen. Bin auch schon total neugierig auf die 2 anderen Bände, ich kann nur sagen weiter so. Hoffentlich sind die beiden Bände auch so schön spannend. Tschüß

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Seide und Schwert

Reihe: Das Wolkenvolk Bd. 1

Autor: Kai Meyer

Gebundene Ausgabe - 408 Seiten - Loewe

Erscheinungsdatum: Juni 2006

ISBN: 3785557418

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.06.2006, zuletzt aktualisiert: 14.07.2019 14:18