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Selection von Kiera Cass

Rezension von Christel Scheja

 

Kiera Cass studierte Geschichte an der Radford University, lebt aber heute mit ihrer Familie in Blacksburg, Virginia. „Selection“ ist nicht nur ihr Debüt, sondern auch der Auftakt zu einer Trilogie und schaffte es sehr schnell auf die Bestsellerlisten zu kommen. Auch eine Umsetzung in eine Fernsehserie wird ins Auge gefasst.

 

Amerika in einer nicht genauer definierten Zukunft. Die Welt wie wir sie kennen ist zerfallen, auch die vereinigten Staaten von Amerika sind nach der Eroberung der Chinesen nicht mehr das, was sie einmal waren. Nach der Befreiung ist unter anderem das Königreich von Illeá entstanden. Neben der Monarchie bestimmt zudem auch noch ein strenges Kastensystem das Leben.

America Singer ist eine Fünf. Das bedeutet, dass sie und ihre Familie zu der Kaste der eher armen Künstler gehören, die als Handwerker aber ohne Anerkennung das Leben für die höheren Kasten schöner machen. Aber sie hätten es auch schlechter treffen können – so etwa wie ihr Freund Aspen, der nicht viel mehr als eine Bedienstetenstelle erwarten kann.

Dann aber ändert sich ihr Leben mit einem Schlag. America ist eine der fünfunddreißig jungen Frauen, die an den königlichen Hof kommen sollen, da der Thronfolger Prinz Maxon nun in das heiratsfähige Alter gekommen ist. Eine aus dieser Auswahl soll in gut einem Monat seine zukünftige Frau und damit einmal Königin werden.

Das Mädchen ist weniger begeistert von dieser Aussicht, hängt ihr Herz doch immer noch an Aspen, auch wenn ihr dieser kurz vor ihrer Abreise sehr weh getan hat. Sie ist festentschlossen, nicht um Maxon zu kämpfen.

Doch es kommt anders als sie denkt, denn genau ihre natürliche Offenheit ist das, was dem Prinzen besonders gut gefällt und ihn anzieht wie die Motte das Licht...

 

Der Erfolg von „Die Tribute von Panem“ und anderer romantischer Dystopien hat viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Mehr und mehr zeigt sich aber auch, dass der düstere gesellschaftliche Hintergrund zum reinen Setting verkommt und in der Geschichte nur eine geringe Rolle spielt. Das ist auch bei „Selection“ der Fall. Zwar nimmt sich die Autorin die Zeit, das System anzureißen und die Klassenunterschiede anzudeuten, aber sie klärt weder, wer eigentlich die Rebellen sind, noch kommt wirklich Gesellschaftskritik auf.

Tatsächlich dreht sich alles mehr um die Gefühle der selbstbewussten jungen Frau, die eigentlich zunächst genau weiß, was sie will und was nicht, dann aber auch in eine emotionale Krise gerät, als sich neben ihrer alten Liebe auch noch eine gewisse Zuneigung zu Maxon entwickelt. Dazu kommen die üblichen Streitereien und Freundschaften zwischen Mädchen, wie man sie aus jedem Highschool-Roman kennt, auch die gängigen Archetypen sind zu finden – die warmherzige beste Freundin, die in wichtigen Momenten zur Stütze der Heldin wird, aber auch gelegentlich getröstet werden muss und niemals eine Rivalin ist, die arrogante Gegenspielerin, die vor Standesdünkel nur so trieft.

Dennoch ist der Roman flott geschrieben, weiß den Leser anzusprechen und über all zu deutliche Klischees hinweg zu kommen. Er kann trotzdem nicht verhehlen, dass die Geschichte eher ein Märchen ist, das mit uralten Wünschen und Träumen vieler Mädchen spielt. Genrefans werden daher eher enttäuscht sein, da die Punkte, die ihnen wichtig sind, nur nebensächlich behandelt werden.

Alles in allem bleibt daher abzuwarten, ob in den kommenden Bänden neben den Angriffen der Rebellen, auch einmal deren Gesichter und Motive ins Spiel kommen und für zusätzliche Spannung durch unerwartete Konflikte sorgen.

 

„Selection“ ist ein unterhaltsamer Zukunftsroman, der allerdings darauf verzichtet die Gesellschaftskritik in den Vordergrund zu stellen und das zugrundelegende System auszuarbeiten. Wer in erster Linie das Spiel mit märchenhaften Motiven sucht und ein romantisches Herz besitzt, wird jedoch sehr viel Spaß an dem Roman haben und neugierig auf die Fortsetzung sein.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Selection

Original: The Selection, USA 2012

Autorin: Kiera Cass

Sauerländer, erschienen Februar 2013

Gebunden, 366 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Angela Stein

Titelbildgestaltung wurde der Originalausgabe nachempfunden

ISBN-10: 3411811250

ISBN-13: 978-3411811250

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 03.02.2013, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59