Serge (Das Nest Bd. 2)
 
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Serge

Reihe: Das Nest Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Weihnachten steht vor der Tür, die Landschaft Kanadas liegt unter einer dicken Schneedecke begraben. So auch Notre-Dame - jenes kleine, verträumte Örtchen in der kanadischen Beschaulichkeit fernab großer Städte und des Fortschritts, in dem wir uns im ersten Band von Régis Loisels und Jean-Louis Tripps Das Nest bereits so heimisch gefühlt und so viele prächtige Charaktere und Einwohner des Ortes am See kennen gelernt haben.

 

Im zweiten Band nun kommt mit Serge aus Paris (der zu allem Überfluss auch noch bei der Witwe Marie unterkommt) ein Fremder aus der Stadt in die kleine Ortschaft im französischen Teil Kanadas - und damit ein Fremdkörper in die ländliche Gemeinschaft. Für genügend Gesprächsstoff in den kalten Monaten von Herbst und Winter ist also wieder einmal gesorgt. Doch das Schlachten eines Schweins, ein fürstliches Weihnachtsessen und eine noch etwas sperrig anmutende Geschäftsidee von Neuankömmling und Hobbykoch Serge helfen schnell dabei, dass der schlanke, ruhige Mann mit dem freundlichen Gemüt alsbald in der verschworenen Gemeinschaft von Notre-Dame aufgenommen wird und nun auch offiziell bleiben darf.

 

Leider ist die Geschichte hinter »Serge« in der Quintessenz dann längst nicht so gut, abwechslungsreich, pointiert oder letztlich zwingend wie die Story hinter und um »Marie«. Die dort noch allgegenwärtige Magie sowie die ganz besondere Atmosphäre von Notre-Dame verfliegen im Folgeband um den neuen Mann im Dorf viel zu schnell, das phantastische Ambiente samt der Lebendigkeit des kleinen Dorfes am See blitzt viel zu selten unter der Schneedecke hervor. Da hilft dann auch der vorsichtige Beginn einer zarten Liebesbeziehung zunächst nichts.

 

Bis knapp zur Hälfte des Albums ist zwar auch diese Fortsetzung des ersten Bandes noch interessant und hat ihre bezaubernden Momente und liebenswerten Szenen. Danach allerdings wird das Ganze etwas zäh, eintönig und viel zu harmonisch, als Loisel und Tripp das Weitwinkelobjektiv aus dem Vorgänger abschrauben und sich an den Weihnachtsfesttagen ein wenig zu stark auf Serge und die friedliche Festtagsstimmung im Dorf konzentrieren.

 

Doch die letzte Seite macht Hoffnung, dass im dritten Band wieder etwas Leben in die Bude kommt. Denn dann werden die Männer, die nun in den Wäldern beim Holzschlagen sind, wieder ins Dorf kommen. Und unversehens mit dem Neuling in der Gemeinschaft konfrontiert werden.

 

Immerhin wissen die einmal mehr prächtigen Panel-Portraits des verschneiten Kanadas zu überzeugen, sodass der optische Eindruck von Das Nest wie schon der erste Band bedingungslos begeistert und eine wahre Augenweide für den Comicfreund ist.

 

Dennoch hat »Serge« nach dem brillanten Auftakt eine leicht ernüchternde Wirkung. Hoffen wir, dass diesem Album im Frühjahr - und damit sprichwörtlich mit dem Frühling - wieder eine Steigerung mit etwas mehr Spritzigkeit und Leben folgt.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240228001423c83a53b9
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Comic:

Serge

Reihe: Das Nest Bd. 2

von Loisel & Tripp

Hardcover, 80 Seiten

Carlsen, August 2007

ISBN-Code: 3551760527

Erhältlich bei Amazon

 


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Erstellt: 25.09.2007, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 4951