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Sherlock – eine Legende kehrt zurück, Staffel 2

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Sherlock Holmes scheint als Figur so fest im viktorianischen Zeitalter verhaftet zu sein, dass es schwer fällt, ihn in unsere Zeit zu versetzen und nicht wie ein Fossil wirken zu lassen. Doch Stephen Moffat und Mark Gatiss ist 2010 das Unmögliche gelungen. Ihre Serie spielt nicht nur im 21. Jahrhundert, auch Sherlock Holmes ist ein Mensch unserer Zeit, der zwar seine persönlichen Eigenheiten bewahrt hat, aber dennoch die Technik aktiv nutzt.

Nach der ersten Staffel, deren erste Folgen dazu dienten, die Figuren erst einmal einzuführen und Beziehungsgefüge zu schaffen, wagen die Autoren sich nun an die großen und bekannten Stoffe heran, die schon viele andere Filmemacher vor ihnen fasziniert haben. Zudem spinnen sie offene Fäden aus der ersten Staffel weiter. Dort traf Sherlock auch zum ersten Mal auf einen ebenbürtigen Widersacher - James Moriarty.

 

„Ein Skandal in Belgravia“ beginnt dort, wo die erste Staffel aufhört. Das Duell zwischen Sherlock und dem Meisterverbrecher findet ein jähes Ende, als Moriarty überraschend angerufen wird und dann einfach verschwindet. Holmes und Watson verstehen nicht warum und kehren erst einmal nach Hause zurück.

In der nächsten Zeit scheint kein Fall Holmes wirklich zufrieden zu stellen und er stößt mehr als einmal Klienten vor den Kopf. Dann bietet man ihnen einen rätselhaften Mordfall auf dem Land an, doch noch ehe sich die beiden damit beschäftigen können, wird Sherlock mehr oder weniger unsanft in den Buckingham Palace geholt. Sein älterer Bruder Mycroft hat eine pikante Aufgabe für ihn. Er soll so schnell wie möglich kompromittierende Fotos aus den Händen einer illustren Dame beschaffen. Irene Adler ist eine Edel-Domina, die kein Hehl aus ihrem Leben macht, aber auch nicht nur nach dem Geld aus ist.

Sherlock glaubt leichtes Spiel mit Irene Adler zu haben – wird aber eiskalt überrascht, denn die Dame ist nicht nur äußerst reizvoll, sie hat auch einen messerscharfen Verstand, der seinem gleichkommt. Kein Wunder, dass er sich tiefer in den Fall verwickeln lässt, als ihm gut tut.

Ein junger Mann aus Devon bittet Sherlock im nächsten Fall um Hilfe, denn „Die Hunde von Baskerville“ verfolgen ihn schon seit vielen Jahren. Bisher will ihm niemand glauben und auch Sherlock ist erst äußerst skeptisch, bis er genauer hinhört. Dann gibt es kein Halten mehr – und sie werden in einen äußerst diffizilen Fall verwickelt, der rund um ein geheimes Forschungslabor der Regierung spielt, in dem seltsame Dinge getrieben werden. Und was hat es mit „Blue Bell“ auf sich?

„Der Reichenbachfall“ ist der Name eines Gemäldes, durch dessen Wiederbeschaffung Sherlock die Aufmerksamkeit der Medien auf sich lenkt. In der Folgezeit gerät er immer wieder in die Presse und scheint es nach anfänglichen Schwierigkeiten sogar zu genießen ... auch wenn John ihn warnt, dass nach dem Aufstieg auch jäh der Fall erfolgen kann. Die Presse wird ihn nach nicht mehr bejubeln sondern verreißen.

Als dann auch noch James Moriarty dummdreist in die Schatzkammer der Queen im Tower eindringt und sich an den Kronjuwelen vergreift, scheint den Privatdetektiv nichts und niemand mehr aufhalten zu können, denn sein Feind scheint verloren zu haben. Oder aber ist das alles nur Teil einer großangelegten Intrige des Meisterverbrechers hinter der mehr steckt, als selbst Sherlock erahnen kann?

 

Schon die erste Staffel begeisterte Publikum und Kritiker gleichermaßen. Denn „Sherlock“ gelingt, was anderen Fernsehserien schwer fällt. Die einzelnen Folgen in Spielfilmlänge sind extrem unterhaltend und haben zudem einen gewissen Anspruch an die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Denn hier sind es wie in der Buchvorlage die Details die zählen, die kleinen versteckten Hinweise, die am Ende zur logischen Auflösung führen.

Vielleicht kennt der ein oder andere die Fälle schon in ihrer Originalversion – aber die Umsetzung in die moderne Fassung ist keine Kopie des Werks von Sir Arthur Conan Doyle, sondern eine eigenwillige Neuinterpretation, bei der man aber auch nichts voraussagen kann. Das zeigt sich besonders bei „Die Hunde von Baskerville“, die Mythos und Moderne geschickt ineinander fügt und für mehr als eine Überraschung gut ist.

James Moriarty ist in allen drei Folgen präsent, auch wenn man es nicht immer merkt. Aber er führt das in der erste Staffel begonnene Spiel weiter, begeistert über den Intellekt seines Gegenspielers. Sherlock lässt sich von ihm einfangen, nur um am Ende zu erkennen, dass Moriarty seine Nemesis ist.

Die Figuren tragen zudem die Serie. Die Chemie zwischen den lebendig agierenden Darstellern stimmt – gerade der Zusammenhalt zwischen Holmes und Watson ist faszinierend. Auch wenn der Meisterdetektiv seinen Partner oft genug vor den Kopf stößt und ihn einmal sogar benutzt – der ehemalige Armeearzt weiß, was er an ihm hat, wie die Leere zeigt, die den Beginn der dritten Staffel auszeichnet.

Neben James Moriarty, der in seinem Wahnsinn zur Höchstform aufläuft ragt auch noch Irene Adler aus der Masse der Figuren heraus. Gerade sie weckt in dem ansonsten auf Logik fixierten Soziopathen Holmes Gefühle, die diesen ordentlich durcheinander bringen. Das Zusammenspiel und die Dialoge der beiden sprühen geradezu vor hemmungsloser Erotik und zeigen, wie diese beiden auf ganz besondere Art und Weise miteinander flirten.

Gut gelaunte Darsteller, markante Figuren, intelligente Drehbücher und eine sehr eigenwillige Erzählweise sind die Zutaten, die „Sherlock“ aus der Masse heutiger Krimis hervor heben und zeigen, dass Unterhaltung auch auf hohem Niveau stattfinden kann. Denn Action und Drama gibt es in den Folgen reichlich, ebenso wie eine gehörige Portion von schwarzem Humor, so dass die Episoden von Anfang bis Ende spannend bleiben.

Man mag es zudem als bedauerlich ansehen, dass eine Staffel der Serie nur so wenige Folgen aufweist – aber gerade das sorgt auch dafür, dass keine Ermüdungserscheinungen auftreten und man sich um so mehr auf die Fortsetzung freut.

Die Übersetzung ist sehr gut, auch wenn natürlich nicht jede Feinheit der Muttersprache wiedergegeben werden kann. In den Extras – sowohl auf den Silberscheiben als auch im Booklet - erfährt man ein wenig mehr über die Hintergründe der Serie und die Ideen der Macher zur Neugestaltung der Charaktere. Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, so dass keine Wünsche offen bleiben.

 

 

Fazit:

„Sherlock“ ist eine der spannendsten und unterhaltsamsten Krimiserien des Jahres und sollte in keiner DVD-Sammlung fehlen, denn der Serie gelingt nicht nur die Neuinterpretation eines Klassikers, sie garantiert auch spannende Unterhaltung, die man nicht so schnell vergisst, weil sich einem Figuren und Dialoge regelrecht einprägen und man seinen Blick während der Folgen kaum vom Bildschirm lösen kann, damit man ja auch kein noch so feines Detail verpasst. Wer jetzt noch behauptet, dass britische Krimis durchweg beschaulich sind, der wird hier eines besseren belehrt.

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Eure Meinung:

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DVD:

Sherlock – eine Legende kehrt zurück, Staffel 2

GB 2011/12

Regisseure: Paul McGuigan und Toby Haynes

Drehbücher: Stephen Moffat, Mark Gatiss und Stephen Thompson

Komponist: David Arnold, Michael Price

Format: Dolby, PAL, Region 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1

Umfang: 2 DVDs

FSK: 12

Polyband & Toppic Video/WVG, 29. Mai 2012

Spieldauer: 270 Minuten

Extras:

Audiokommentar zu Folge 1 und 2

Sherlock Uncovered

Booklet

 

ASIN: B006ZRILD0

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Benedict Cumberbatch

Martin Freeman

Una Stubbs

Rupert Graves

Marc Gatiss

Andrew Scott

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Erstellt: 28.05.2012, zuletzt aktualisiert: 02.08.2020 16:26