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Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes von Christian Endres

Rezension von Christel Scheja

 

Schon viele Autoren – namhaft und unbekannt - haben sich der Figur und des Mythos Sherlock Holmes angenommen. Während die einen ganz klassisch erzählten und bisher „unbekannte“ Fälle des Meisterdetektivs erfanden, gab es aber auch genügend Werke, die ihn mit übernatürlichen Phänomenen konfrontierten, die sich nicht einfach wissenschaftlich erklären ließen. So ist Holmes heute nicht nur im Krimi- sondern auch im Horror- und Dark Fantasy-Genre zu Hause.

Christian Endres schließt sich mit seiner Anthologie „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“ der letzten Fraktion an – aber verzichtet darauf, all zu sehr auf klassischen Pfaden zu wandeln.

 

Der Band versammelt insgesamt 22 Geschichten aus der Feder des Autors. Dazu kommt noch eine Einleitung von Win Scott Eckert und ein Anhang mit „Entfallenen Szenen“, die der Autor zu schade fand, um sie in der Schublade verstauben zu lassen.

 

Als „Londons verlorene Kinder“ gelten die Jugendlichen, die schon eine ganze Weile verschwunden sind, nachdem sie ein abbruchreifes Theater aufgesucht haben. Um Hilfe gebeten macht sich Sherlock Holmes daran, heraus zu finden, was los ist und schleicht sich als Pirat verkleidet an diesen geheimnisvollen Ort, um demjenigen zu begegnen, der alles zu verantworten hat – einem Vampir. Damit legt er ohne zu ahnen den Grundstein für ein heute noch bekanntes Kinderbuch.

Mit einem ebenfalls sehr ungewöhnlichen Fall bekommt es der Meisterdetektiv in „Rigor Mortis“ zu tun, als ihn Gesandte des Königs von Oz bitten, den Mord an dem Blechmann aufzuklären. Keine so einfache Aufgabe für einen Mann, der sich eigentlich dem pragmatischen Realismus verschworen hat und nun unglaubliche Dinge sieht.

„Ratten im Gemäuer“ sind die unfreiwilligen Gehilfen eines perfiden Erpressers. Allerdings kennt auch Holmes die Geschichte um den „Rattenfänger von Hameln“ und weiß diesen Trick mittels einer ganz besonderen Fiedel gegen den Verbrecher zu wenden.

Holmes kommt mit dem Zauberreich von Oberon und Titania in Berührung, als er in „Pelz und Kokain“ heraus finden soll, wer eigentlich den kostbaren Traumstein aus der Anders- in die Menschenwelt schmuggelt. Auch das ist nicht so einfach für jemanden, der selbst von Kokain abhängig ist.

In „Schatten aus dem Meer“ vertraut sich ein geheimnisvoller Mann Holmes und Watson mit der Bitte an, den Diebstahl gewisser Unterlagen zu verhindert. Als sie seinen Namen und mehr über den Inhalt der Dokumente erfahren, verstehen sie warum, denn die Erkenntnisse und Forschungen Kapitän Nemos sollen besser nicht in die Hände der Regierungen des ausgehenden viktorianischen Zeitalters gelangen.

Einmal nicht in London, sondern in Rom geht der Meisterdetektiv seinem nächsten Fall nach und versucht heraus zu finden, warum schon so viele Leute an einem Brunnen ermordet worden sind. Schon bald ahnt er, dass er es mit einem mythischen Schrecken aus der Zeit der Antike zu tun hat.

 

Anders als viele seiner Kollegen, die der Phantastik nahe stehen, versetzt Christian Endres seinen Holmes nicht ständig in Horror-Szenarien. Viel mehr verbeugt er sich vor vielen Klassikern, die in der Lebenszeit von Holmes und Watson entstanden, seien es nun Klassiker der Jugendliteratur wie die „Oz“-Romane „Peter Pan“, „Der Wind in den Weiden“ und „Alice im Wunderland“ oder der Phantastik wie „Die Zeitmaschine“ und „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“.

Er zollt Mythen wie dem „Rattenfänger von Hameln Respekt und scheut sich doch auch nicht, Verbindungen zu andere Figuren aus dem Holmes-Universum zu knüpfen und diese einzubringen, um die Geschehnisse authentischer zu machen. Dabei zieht er die Szenarien niemals ins Lächerliche. Zum Schmunzeln sind eher die kurzen Vignetten, in denen nicht viel passiert, man aber mehr über Holmes und seine Seelenlage erfährt, wie zum Beispiel in “Muse mit sieben Prozent“ oder „Watson im Wunderland“.

Insgesamt ist der phantastische Anteil zwar nicht gerade gering, aber er wirkt nicht aufdringlich und störend. Auch wenn man sonst nicht viel mit Fantasy anfangen kann – die Einbindung der Klassiker ist sehr glaubwürdig und nachvollziehbar, die Konfrontation von Magie und Technik entstellt weder die Vorlagen noch die in der Geschichte verwendeten Figuren.

Stilistisch lehnt er sich ein wenig an den behäbigen Stil von Doyle an, auch wenn die Wortwahl natürlich dem modernen Geschmack angepasst ist. So wird es nicht immer actionreich und dramatisch, die ein oder andere längere Geschichte plätschert auch nur so dahin.

 

Alles in allem gelingt „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“ der Spagat zwischen Phantastik und Krimi, dem Meisterdetektiv wie Doyle ihn schuf und heutige Leser ihn gerne mögen – so dass nicht nur Genrefans sondern auch reine Sherlock Holmes Liebhaber ihren Spaß haben werden.

 

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Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes

Autor: Christian Endres

Atlantis Verlag, erschienen Dezember 2009

A5 Paperback, 246 Seiten

Titelbild: Timo Kümmel

ISBN-10: 3941258168

ISBN-13: 978-3941258167

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.06.2010, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18