Sie kamen nach Masada (Preacher Bd. 3)
 
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Sie kamen nach Masada

Reihe: Preacher Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Bevor Garth Ennis und Steve Dillon uns mit nach Französisch-Mesada nehmen, warten der verrückte Ire mit der messerscharfen Feder und sein britischer Kollege am Zeichenbrett mit einem grandiosen Einstieg auf: Am Flughaften trifft Jesse Custer einen ehemaligen Kriegskameraden seines Vaters, der mit diesem in Vietnam war. Eine schöne Rückschau mit einem ganz besonderen Besuch für die Truppen im Dschungel, garniert mit dem üblichen Ennis’schen Wahnsinn. Danach begeben wir uns aber auch schon nach Mesada, wo Jesse seinen Kumpel Cassidy aus den Klauen des Grals befreien möchte - also aus den nicht ganz so frommen Fängen jener pseudoheiligen Organisation, die seit Jahrhunderten das »Blut des Lammes« hütet, um der Welt nach der Apokalypse einen echten Nachfahren Jesu Christi präsentieren zu können. Von diesem Nachfahren in bester Moorcock-Tradition reichlich unbeeindruckt, legt sich unser Priester aus Texas mit der Macht der Stimme Gottes nicht nur mit dem Gral, dessen Hauptmann Starr oder dem gewichtigen Allvater an, sondern auch einmal mehr mit dem Heiligen der Killer und Gott höchstpersönlich. Den Abschluss des Bandes bietet ein zweiteiliges Gespräch unter Freunden - Garth Ennis’ Preacher-Version seines späteren Heartlands, aber auch eine Abrechnung mit dem Krieg in Irland und eine Liebeserklärung an New York City, Amerika und das Leben.

 

Freundschaft ist allerdings das Leitmotiv dieses dritten HC-Sammelbands. Und auch wenn seit Ersterscheinen dieser Hefte im Original inzwischen über zehn Jahre vergangen sind - Story und Artwork sind nach wie vor unverschämt gut, genauso wie die Geschichte auch heute noch höllisch Spaß macht. Das liegt nicht nur daran, dass sich Ennis und Dillon damals so ziemlich auf der Höhe ihres Schaffens befanden. Vor allem hat es auch damit zu tun, dass die Chemie zwischen den Figuren stimmt und Ennis es natürlich auch versteht, seinen Leser bei der Stange zu halten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass John Wayne, Umschnalldildos, der vertrottelte Nachfahre von Jesus, Action, Sex und melancholische Rückschau auf dem Empire State Building von der Zusammenstellung her schlichtweg und ergreifend so unkonventionell und bei Zeiten ruchlos sind, dass man einfach weiterblättern muss.

 

Erneut vereinen der Ire und sein britischer Kumpan also am laufenden Band Respekt- und Geschmacklosigkeit zu einem abgefahrenen Comic-Trip erster Güte, der derbe Zoten und blutige Action wie eine Maschinenpistole ausspuckt. Doch Ennis kann bzw. konnte einst mehr. Das beweist der große, erzählende Dialog, dem die letzten beiden Hefte dieses phantastischen Comics gehören - und dem man noch weitere 100 Seiten hätte lauschen können.

 

Wer die ersten beiden Teile der Preacher-Neuauflage mochte, wird für diesen dritten Band jede Sünde begehen. Notfalls auch zwei oder drei...

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240526171435b13844c4
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Sie kamen nach Masada

Reihe: Preacher Bd. 3

Autor: Garth Ennis

Zeichner: Steve Dillon

Hardcover, 264 Seiten

Panini, März 2008

ISBN: 3866075979

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 11.03.2008, zuletzt aktualisiert: 11.04.2024 08:09, 6016