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Sindbad, Staffel 1, Teil 1

Rezension von Christel Scheja

 

Das britische Fernsehen hat sich offensichtlich in den letzten Jahren darauf verlegt, bekannte Sagenstoffe familiengerecht aufzubereiten, um sie als leichte Fantasy-Kost im frühen Abendprogramm präsentieren zu können. Nach „Robin Hood“ und „Merlin“ von der BBC ist nun „Sindbad“ für den Bezahlsender Sky 1 an der Reihe.

Die erste Staffel umfasst 12 Episoden, von denen die ersten sechs nun auf zwei DVDs in einem Amaray Case im Schuber präsentiert werden. Produziert wird die Serie von der gleichen Firma, die sich auch schon für „Primeval“ verantwortlich zeigte.

 

Sindbad und sein Bruder Jamil leben unbeschwert in der Stadt Basra. Sie sind zwei Tagediebe, die nichts besseres zu tun haben, als sich mit anderen jungen Burschen im waffenlosen Kampf zu messen. Bei einem solchen Gefecht kommt der Kontrahent des jungen Mannes durch einen tragischen Unfall ums Leben.

Zu Sindbads Pech handelt es sich dabei ausgerechnet um den Sohn von Lord Akbari, der über die Stadt herrscht. So werden die Brüder verhaftet und vor den mächtigen Mann geschleppt. Er lässt umgehend Jamil hinrichten und droht auch Sindbad zu töten, doch der kann entkommen.

Allerdings währt seine Erleichterung nicht von Dauer, denn Sindbad wird von seiner Großmutter verflucht. Sie legt ihm ein Amulett um, dass von nun an verhindert, dass er länger als einen Tag oder eine Nacht an Land verweilen kann. Damit ist der junge Mann dazu verdammt von nun über die Meere zu streifen – ob nun zum Schutz oder zur Strafe, das weiß Sindbad nicht, der von nun an einen tiefen Schmerz mit sich herum trägt.

Das Schiff auf dem er reist wird schon bald von Seemonstern überfallen. Am leben bleiben nur der Nordmann Gunnar, die Diebin Rina, die schöne und reiche Edeldame Nala, und von der Mannschaft Anwar, der Schiffsheiler und der Koch. Sie bilden, ob sie es wollen oder nicht, schon bald eine Schicksalsgemeinschaft, die trotz aller Unterschiede mit der Zeit durch weitere Abenteuer zusammengeschweißt wird, denn sie müssen sich mit menschenfressenden Wasserdieben, schurkischen Kaufleuten, geheimnisvollen Sirenen und den Schatten der eigenen Vergangenheit herumschlagen.

Zudem fällt Sindbad der Zauberin Taryn ins Auge, die die enge Verbundenheit des jungen Mannes zum Reich der Toten spürt und als Schlüssel sieht, um ihre eigenen Pläne zu verwirklich. Um ihn in die Hände zu bekommen, ist sie auch dazu bereit, eine Zeitlang mit Lord Akbari zusammen zu arbeiten ...

 

Die Macher haben sich viel einfallen lassen, um eine zauberhafte orientalische Atmosphäre zu erzeigen. So fanden die Dreharbeiten auf Malta statt und die Schauspieler sind mit nur wenigen Ausnahmen eher vom mediterranen oder afrikanischen Typ. Die Crew ist mit einem Nordmann, einem Asiaten, Orientalen und Afrikanern multikulturell, auch die Frauen sind in größerer Zahl vertreten und wesentlich aktiver, als man erwarten könnte.

Auch wenn die Abenteuer klassisch sind, ihre Umsetzung ist eher modern. Das merkt man zum einen an der legeren Sprache der Helden, der freizügigen und nicht unbedingt einem Kulturkreis zuzuordnenden Kleidung und den Floskeln oder Wörtern, die eher in die heutige Jugend-Umgangssprache passen als in den nahen Osten der Vergangenheit.

Abgesehen davon sind die Abenteuer nicht gerade sehr erfindungsreich. Die ersten sechs Folgen vertrauen mehr oder weniger auf klassische Geschichten mit typischen Handlungsmustern – sei es nun die Königin, die ihr eigenes Kind nicht töten kann, auch wenn sie sonst keine Skrupel hat und dadurch alles verliert; der schurkische Kaufmann, der die Helden reinlegen will, aber am Ende selbst dumm dasteht; der geheimnisvolle Fremde, der den Tod mit sich bringt oder der Erzfeind, der auf Blutrache sind.

Auch die Helden entsprechen gängigen Archetypen, Sindbad ist der junge Held, der auf der Reise ist, um seine Blutschuld zu sühnen und seine wahre Bestimmung zu erkennen, Rina die schnippische Diebin, die sich dann doch irgendwie in den jungen Mann verliebt, der ihr so ähnlich ist, auch wenn sie eigentlich unabhängig sein wollte, Anwar der junge schüchterne Gelehrte, der zwar nicht kämpfen kann, aber dennoch unverzichtbar für seine Freunde wird, Gunnar, der Mann fürs Grobe und der weise Cook, der zum väterlichen Freund des Helden wird. Gleiches trifft auf die Gegenspieler zu, die den Helden Sieg oder Flucht meistens durch die eigene Dummheit ermöglichen.

Die Serie erweist sich als leichte und unbeschwerte Unterhaltung für die ganze Familie, für die Fantasy allein durch Setting und Ausstattung entsteht, garniert mit ein paar netten Tricks von Monstern auf zwei oder vier Beinen und ein wenig Beziehungsclinch zwischen den jungen und gutaussehenden Helden.

Viele Genrefans werden vermutlich eher Schwierigkeiten damit haben, die Serie zu mögen, sind die Geschichten viel zu durchschaubar, sind damit vorhersehbar und langweilig, da nicht wirklich etwas Überraschendes passiert und meistens nur pathetische Plattitüden gedroschen werden, wenn es um die Moral geht.

Zudem wirken die Helden und ihre Umgebung viel zu künstlich und oberflächlich, was nicht nur an der übermäßig verwendeten Schminke liegt, sondern auch an ihrem Charakter. Es fällt schwer, sich an die Figuren zu gewöhnen, da sie nur sehr langsam an Profil gewinnen und auch in der sechsten Folge nur auf wenige Facetten ihres Wesens reduziert sind.

Man mag zwar Details aus ihrer Vergangenheit erfahren, aber diese spielen später keine besondere Rolle mehr. Auch wirkt das Bemühen, gleichzeitig modern und archaisch zu wirken, manchmal ein wenig seltsam – so ist Sindbad zwar einerseits ein einfühlsamer Softie, gelegentlich auch ein ziemlich egoistischer Twen, aber im nächsten Moment gleich wieder der entschlossene, aufopferungsvolle Held. Die CGI-Monster sind Standard, allerdings hat man auch schon besseres von Impossible Pictures gesehen.

Neben den Folgen gibt es auch noch zwei Making-ofs, die sich mit der „Magie von Sindbad“ und „Magie von Malta“ beschäftigen. Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, wenn man die Serie mit anderen TV-Produktionen vergleicht.

 

 

Fazit:

 

Alles in allem ist „Sindbad“ eine Serie, die vielleicht die Ansprüche des durchschnittlichen Zuschauers zufrieden stellen kann, der vielleicht einmal Lust auf eine exotische Abenteuerserie vor hübscher, bunter Kulisse hat, der Genrefan wird vermutlich eher seine Schwierigkeiten mit den altbekannten Klischees und Archetypen haben, die so gut wie gar nicht von der klassischen Norm abweichen und stellenweise eher seltsam als originell wirken.

 

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Eure Meinung:

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DVD:

Sindbad, Staffel 1, Teil 1

Regisseur(e): Andy Wilson, Brian Grant, Colin Teague

Format: Dolby, PAL, RC2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 2

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 7. Dezember 2012

Produktionsjahr: 2012

Spieldauer: 270 Minuten

ASIN: B0095OK8JA

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

  • Darsteller:
  • Elliot Knight
  • Naveen Andrews
  • Dimitri Leonidas
  • Marama Corlett
  • Elliot Cowan
  • Estella Daniels
  • Junix Inocian
  • Tuppence Middleton
  • Orla Brady
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Erstellt: 10.01.2013, zuletzt aktualisiert: 02.08.2020 16:26