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Sobek (Brettspiel)

Rezension von Bine Endruteit

 

In Ägypten gibt es derzeit nur ein Thema: den Bau des Sobek-Tempels. Jeder Händler, der etwas auf sich hält, will natürlich die meisten und besten Waren anliefern und dafür einen schönen Batzen Geld erhalten. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Konkurrenz ist groß und versucht ihrerseits, für sich das beste Schnäppchen zu machen, wenn die Waren am Ufer des Nils ankommen. Da muss man manchmal schon recht skrupellos sein und das eine oder andere Mal bestechen, wenn man unbedingt das Gesuchte haben will.

 

"Sobek" ist ein Kartenspiel, das man mit zwei, drei oder vier Personen spielen kann. Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Händlers, der am Ende so viel Geld, also Punkte, wie möglich haben möchte. Allerdings wird nicht nur einmal am Ende ausgezählt, sondern es gibt einerseits drei Runden und andererseits zahlreiche Möglichkeiten, wie man den Punktestand auch während des Spielens beeinflussen kann. Damit man den Überblick nicht verliert, befindet sich in der Mitte der Spielfläche ein Spielbrett, das als Punkteanzeiger fungiert. Gleichzeitig zeigt es symbolisch den Nil mit insgesamt neun Anlegestellen. Hier werden neun Karten angelegt, die die Spieler nach und nach auf ihre Hand aufnehmen. Sind sie aufgebraucht, folgt die nächste Neunerreihe.

 

Zu Beginn hat jeder Spieler bereits zwei zufällig ausgeteilte Warenkarten auf der Hand. Davon gibt es insgesamt sechs verschiedene Sorten, die unterschiedlich wertvoll sind, nämlich Elfenbein, Ebenholz, Marmor, Vieh, Fisch und Weizen. Das Ziel eines jeden Spielers ist es, Kartenreihen auszulegen, die möglichst viele Karten mit einer Ware enthalten, es müssen aber immer mindestens drei Karten ausgespielt werden. Zum auf die Hand nehmen stehen immer vier Karten zur Verfügung, nämlich die, die ganz links ausliegen. Möchte man allerdings die haben, die nicht ganz außen liegt, muss man die anderen trotzdem nehmen. Sie kommen allerdings nicht auf die Hand, sondern in den eigenen Bestechungstopf, von dem jeder Spieler einen besitzt. Es gilt allerdings, den nicht zu voll werden zu lassen, da der Spieler, der am Ende einer Runde die meisten Bestechungs-Karten hat, einen fetten Abzug seiner Punkte in Kauf nehmen muss, nämlich ungefähr die Hälfte.

 

Einige Bonuskarten und -chips sorgen zusätzlich dafür, dass das Spiel nicht statisch abläuft. Zwischen den Warenkarten gibt es natürlich Joker (in Form von "Amuletten"), außerdem kann man hier immer wieder Personenkarten finden. Diese lassen sich entweder als eine Ware auslegen oder man kann die entsprechende Sonderfunktion nutzen. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, eine Karte des Gegners zu ziehen, seine Handkarten auf sechs zu reduzieren oder aus dem eigenen Bestechungsstapel alle Karten von einer Ware zu entfernen. Des Weiteren gibt es in jeder Spielrunde fünf ausliegende Ereignischips. Immer wenn man eine Warenreihe ausgelegt hat, aktiviert man zusätzlich ein Ereignis. Das geschieht so lange, bis keine Ereignischips mehr ausliegen. Sie bieten die Möglichkeit, den Punktestand zu ändern, seine Bestechungskarten auf die Hand zu nehmen, noch einen kompletten Spielzug machen zu dürfen u.v.m.

 

Ausgewertet wird, sobald die letzte Warenkarte von einem Spieler aufgenommen wurde. Die Warenkarten sind zwischen einem und drei Punkten wert. Elfenbein ist mit drei Punkten besonders wertvoll, Weizen mit nur einem eher wenig wert. Gezählt wird die Anzahl der in einer Reihe ausliegenden Karten mal der Warenpunkte. Die Startkarten oder Personenkarten zeigen grundsätzlich keine Werte, sondern sind lediglich für die Multiplikation interessant. Hat man zum Beispiel in einer Reihe eine Elfenbeinkarte mit drei Punkten, einen Joker, eine Personenkarte und eine Start-Elfenbein-Karte ohne Punkte ausliegen, denn ergibt das drei (Warenpunkte) mal vier (Anzahl der Karten) Punkte insgesamt. Man hat sich sich 12 Punkte erarbeitet.

 

Umso öfter man "Sobek" spielt, desto deutlicher wird, dass das Verhältnis zwischen Strategie und Glück nicht ganz ausgeglichen ist. Das Spiel bietet viele Möglichkeiten zu planen: Man kann genau schauen, welche Karten man selbst braucht, aber auch darauf achten, was der Gegner sammelt und dementsprechend Karten für ihn unzugänglich machen. Allerdings kann immer alles durch eine Personenkarte oder einen Ereignischip durcheinander gebracht werden. Außerdem kann man, wenn die neun Karten am Nil immer weniger werden, oft nicht entscheiden, was man tun möchte, sondern ist dann gezwungen, eine bestimmte Karte zu nehmen, die man gar nicht haben will. Dazu kommt, dass gerade bei den Ereignissen einige dabei sind, die extreme Vorteile bieten. Das derjenige, der am Ende die meisten Bestechungskarten hat, außerdem ungefähr die Hälfte (!) der gewonnen Punkte verliert, kann außerdem nicht nur frustrierend sein, sondern auch sehr schnell für einen nicht mehr auszugleichenden und extrem hohen Punkteunterschied sorgen. Das ist aber lediglich ein Problem der Wertung, denn das Spiel an sich ist absolut flüssig und macht jede Menge Spaß! Wer mag, kann natürlich Hausregeln entwerfen, um die besonders hohen Punkteunterschiede auszugleichen. In der Testrunde ist es sehr schnell dazu gekommen.

 

Das Zusammensuchen der Karten macht unglaublich viel Spaß. Wenn man zu zweit spielt, kann man natürlich sehr genau darauf achten, was sich der Gegner nimmt und seinen eigenen nächsten Zug anhand der noch ausliegenden Karten planen. Das funktioniert nicht immer, aber häufig. Dieser Aspekt geht bei drei oder vier Spielern verloren, da kann man nicht weit vorplanen, weil bis zu dem eigenen nächsten Zug zu viel passiert. Mit dem möglichst geschickten Sammeln der eigene Karten hat man aber immer noch genug Mühe.

 

Die eigentliche Grundidee des Spiels ist im Ansatz mit Rommé zu vergleichen, wobei hier durch die vielen Zusatzfunktionen und das Spielen über mehrere Runden nicht mehr viel vom Original übrig geblieben ist.

 

Das Material ist extrem gelungen gestaltet. Die Illustrationen lockern das Spiel auf und machen wegen der vielen Details auch noch richtig Spaß. Die schöne Gestaltung geht aber sogar hin bis zur Schachtel, denn innen sieht man eingeprägte Skarabäen. Außerdem ist sie klein und gut durchdacht, so dass man auf geringem Raum alles unterkriegt. Die handliche Schachtel lässt sich auch ohne Weiteres in der Handtasche verstauen und zu Freunden mitnehmen. Die Figuren für den Punkteanzeiger sind aus Holz, die Karten haben eine hochwertige Qualität und die Chips sind aus stabilem Karton. Dadurch, dass das Spielmaterial selbst komplett ohne Schrift auskommt und nur mit Symbolen arbeitet, ist es außerdem möglich das Spiel durch drei verschiedensprachige Anleitungen (Deutsch, Englisch und Französisch) international zu halten.

 

Insgesamt ist hier ein stimmiges Spiel entstanden, dass sich prima für Zwischendurch eignet und das zu immer wieder neuen Runden einlädt. Etwas störend sind lediglich das etwas unausgeglichene Verhältnis zwischen Strategie und Glück sowie die extremen Punkteunterschiede, die entstehen können. Letzteres kann man aber durch eigene Modifikationen schnell in den Griff bekommen.

Eure Meinung:


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MEDIUM:

Sobek

von Asmodee

Anzahl Spieler: 2 bis 4 Spieler

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 30.11.2010, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50