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Soldierboy von Joe Haldeman

Rezension von Thomas Jeenicke

 

Rezension:

Auch im Jahre 2043 führt die Erste Welt ihre Kriege am liebsten noch per Fernsteuerung. Mittel der Wahl sind indes nicht mehr schlichte Drohnen, sondern die »Soldierboys«: humanoide Kampfroboter, die von ihren Operatoren direkt über eine neuronale Schnittstelle gelenkt werden. Zugleich sind die Mitglieder einer Einheit Soldierboys ebenfalls untereinander verbunden, sodass sie stets auf die Bewusstseinsinhalte ihrer Kameraden zurückgreifen können. Auch wenn die Operatoren dabei zumindest physisch weit entfernt vom eigentlichen Schlachtfeld sind, birgt ihr Einsatz durchaus ernste Gefahren; die Unmittelbarkeit der Eindrücke kann in Extremsituationen zu Herzinfarkt oder Gehirnschlag führen.

 

Julian Class, Physik-Dozent an einer US-amerikanischen Universität (die besondere Art der Kriegsführung ermöglicht ein Nebenher von Militärdienst und zivilen Leben), ist Operator eines solchen Soldierboys. Dem jungen Mann gelingt es aber kaum noch, Sinn zu sehen in einem Krieg, der ohne absehbares Ende global und asymmetrisch gegen technologisch unterlegene Guerilla-Kämpfer geführt wird; zudem machen Julian die psychischen Belastungen seiner Einsätze immer mehr zu schaffen. Als er zusammen mit seiner Geliebten (einer älteren Uni-Kollegin) von einer Verschwörung innerhalb des militärisch-politischen Komplexes erfährt, die das Fortbestehen der Menschheit selbst in Frage stellt, schließen sich die beiden einer kleinen Gruppe Wissenschaftler an, die einen kühnen Plan hegt: mithilfe der Technologie, auf der die Soldierboys beruhen, will sie Krieg ein für alle Mal aus der Welt schaffen und einen »ewigen Frieden« herbeiführen.

 

Forever Peace (»Ewiger Friede«) - so lautet auch der Originaltitel von Joe Haldemans Roman, der 1997 veröffentlicht und mit einigen wichtigen Preisen ausgezeichnet wurde. Eine deutsche Übersetzung erschien bereits im Jahr 2000 bei Heyne; 2014 nun hat der Mantikore-Verlag eine Neuübersetzung herausgebracht. Dabei ist die Wahl eines neuen Titels (Soldierboy) insofern gerechtfertigt, als der alte (Der ewige Friede) nahelegte, dass es sich um eine Art Fortsetzung des Klassikers Der ewige Krieg (The Forever War, 1974) handle. In einer kurzen Vorbemerkung entkräftet Haldeman selbst diese Vermutung und weist auf eine lediglich thematische Verwandtschaft hin.

 

Anknüpfungspunkte für einen Vergleich der beiden Bücher gäbe es reichlich, allerdings soll das hier nicht geschehen, würde doch »Soldierboy«, als das deutlich weniger komplexe Werk, im Kontrast schwächer erscheinen, als es wirklich ist. Festgehalten sei lediglich, dass zumindest der nüchtern-einfache Stil der Erwartung entspricht, die man an ein Haldeman-Buch herantragen mag, die Gesamtstruktur dagegen in ihrer Simplizität überrascht (zumindest wenn man von »Der ewige Krieg« her kommt). Erzählt wird überwiegend aus Julians Sicht, ab und an jedoch wechselt Haldeman in eine auktoriale Perspektive, um Informationen zu geben, die Julian nicht haben kann, und die Handlung ist insgesamt durchaus nicht als verwickelt zu charakterisieren. Immerhin lässt sich so das Buch leicht »herunterlesen«, wozu auch die kräftige Dosis an Action- und Thriller-Elementen das ihre beiträgt.

 

Allerdings ist »Soldierboy« nicht bloß eine Abenteuergeschichte, denn Haldeman räumt der Schilderung sowohl Julians persönlicher Lage als auch der gesamtgesellschaftlichen Umstände ebenfalls viel Platz ein. Seine »Lösung« des Kriegsproblems vermag zwar nicht wirklich zu überzeugen - sie wirkt etwas utopistisch-naiv und es gibt auch keinen Versuch, sie irgendwie (neuro-)wissenschaftlich plausibel zu machen – und natürlich bietet der Roman, der ja immerhin über fünfzehn Jahre alt ist, kein Spiegelbild unserer Gegenwart. Aber es finden sich doch einige Themen, die ebenso verblüffend wie beklemmend aktuell erscheinen, bspw. ein globaler asymmetrischer Krieg ohne sichtbares Endziel, fragwürdige Drohneneinsätze oder religiös-motivierte Apokalyptiker.

 

Fazit:

Mit »Soldierboy« hat Joe Haldeman gewiss keinen neuen Klassiker geschaffen, doch es ist gleichwohl ein spannendes und anregendes Buch.

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Buch:

Soldierboy von Joe Haldeman

Soldierboy

Original: Forever Peace, 1997

Autor: Joe Haldeman

Übersetzerin: Verena Hacker

Mantikore-Verlag, 2014

Taschenbuch, 564 Seiten

 

ISBN-10: 3939212571

ISBN-13: 978-3939212577

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00PRZF5VM

 

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Erstellt: 08.05.2015, zuletzt aktualisiert: 10.11.2021 20:04