Brian K. Vaughan ist ein, bereits mit dem Eisner-Award ausgezeichneter Autor, der auch in Deutschland bereits durch Serien wie Saga und Y-The Last Man bekannt wurde. Seine charakterzentrierten Geschichten drehen sich oft um Liebe und Leidenschaft, so wie auch mit Niko Henrichon zusammen erstellte Graphic-Novel Spectators.
Eigentlich ist Val tot, erschossen durch ihren letzten Lover, der auf seinem Amoklauf in das Kino eingedrungen ist, in dem sie sich nach der Trennung aufgehalten hat. Aber sie lebt als Geist weiter und tut das, was sie schon als Lebende gerne tat: Andere beim Sex beobachten.
Sie ist normalerweise eine Einzelgängerin, die sich ziellos durch die Zeit gleiten lässt, bis sie Sam begegnet, einem Mann aus einer noch weiter entfernten Vergangenheit, Gemeinsam reisen sie nun durch eine zukünftige Welt, in der die Gesellschaft nicht nur mehr zerfällt, sondern auch dem Untergang entgegen driftet.
Brian K. Vaughan macht es auch in dieser Geschichte seinen Lesern nicht einfach, denn die Handlung wirkt auf den ersten Blick recht zusammenhanglos, begleiten die Leser Val doch erst einmal nur auf ihrer Reise, und werden damit selbst zu Voyeuren, die so einiges mitansehen dürfen, was nicht ganz jugendfrei ist, denn der Künstler bietet explizite Einblicke in intime Momente, die es in sich haben.
Zwischendrin gibt es zwar Begegnungen und Gespräche, aber nichts geht über oberflächliches Geplänkel hinaus. Das ändert sich erst durch Sam, dem sie in einem Haus begegnet, in dem er früher gewohnt hat. Dadurch entwickelt sich tiefgründigere Gespräche, die sich auch fortsetzen, als sie eine ganze Weile gemeinsam durch Raum und Zeit driften und dabei feststellen, dass die Menschheit immer mehr vor die Hunde gehen.
Dadurch kommt ein wenig mehr Spannung in das Geschehen, denn natürlich haben die beiden erst einmal recht kontroverse Meinungen, gleichen sich aber nach und nach immer mehr an, so dass sich tatsächlich eine Art Beziehung entwickelt.
Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken bringt Vaughan die Leser ab und an sogar uzum Nachdenken, auch wenn man sich den Äußerungen der Hauptfiguren und dem, was dahinter steckt, durchaus öffnen sollte.
Das Artwork von Henrichon ist ansprechen, realistisch und detailreich, es beschönigt auf der anderen Seite aber auch gar nichts, weder in den brutalen noch in den leidenschaftlichen Szenen, auch die Farbgebung ist sehr interessant – arbeitet mit Schwarz-Weiß-Trennungen, die deutlich machen, was und wer welcher Welt angehört.