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Asterix red’ scho widder uff Meefränggisch

– (bald) eine Comic-Komödie in drei Teilen ...

Redakteur: Christian Endres

 

Asterix ist, obschon körperlich nicht gerade eine Riese, schon immer ein ganz Großer in der Comicbranche gewesen. In den letzten zwanzig Jahren war er sogar ein wahrer Gigant, was Auflagenstärke und Verkaufskraft seiner neuen Abenteuer anging – selbst wenn pogonesque Außerirdische und fragwürdige Superman-Klone mit Ähnlichkeit zu gewissen österreichischen Politschauspielern darin vorkamen. Überdies ist Asterix auch eine Figur, die in atemberaubend kurzer Zeit eine gewaltige Fangemeinde um sich geschart hat und fast genauso schnell Mittelpunkt eines ganz eigenen, aber dennoch stets sympathischen Kults geworden ist; eines Kults, der im Übrigen schon immer beispielhaft für die europäische Comic-Szene – oder, um es auf den Punkt zu bringen, Comic-Kultur – war und wohl auch immer sein wird.

 

Ein Kult, hat Fantasy-Altmeister Michael Moorcock einmal geschrieben und damit den Kern der Sache ziemlich genau getroffen, als er zwischen Tolkiens Herrn der Ringe und Leibers Fafhrd und der Graue Mausling Bilanz zog, kann etwas Ungesundes sein, und seine »Qualität« ist stark von der Form abhängig, wie er sich ausdrückt und zuweilen durch seine Anhänger präsentiert. Im Falle von Asterix nun, der immerhin schon fast seit seinem ersten Auftritt in der französischen Comiczeitschrift »Pilote« im Jahre 1959 Kultstatus genießt, hat besagter Kult eine besonders außergewöhnliche Form angenommen, die definitiv eine Betrachtung wert ist.

 

Verlag und diverse Lizenzpartner decken Fans und Leser nur allzu bereitwillig mit allerhand Merchandise-Produkten ein, während diverse Werkausgaben und unzählige Varianten der originalen Comics im Laufe der Jahre fast schon zum Standard-Repertoire unserer gallischen Freunde wurden. Darüber hinaus beschäftigt sich der Asterix-Fan gerade seit dem Siegeszug des Internets viel mit seinen Helden zur Zeit des römischen Beinahe-Weltreichs, diskutiert in Foren und auf Messageboards eifrig und gerne über die klassischen Bände und deren Inhalt oder, recht aktuell, über Uderzos dreiunddreißigsten und äußerst umstrittenen Geniestreich (»Gallien in Gefahr«), die aktuelle Verfilmung (Asterix und die Wikinger), welche bekanntlich in den Startlöchern steht und am 11. Mai in den Kinos anlaufen wird, und natürlich die neuesten Meldungen und Veröffentlichungen zum Thema Asterix, was Sekundärliteratur, PC-Spiele, Mundart-Bände und vieles, vieles mehr mit einschließt. Doch auch abseits dieses Sammelsuriums eingefleischter Fans gibt es Menschen, die sich mit Asterix beschäftigen – was man ihnen auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht und ihr Lebenslauf auch nicht unbedingt vermuten lässt, und was diesen Asterix-Kult damit letztlich eben zu etwas ganz Besonderem macht ...

 

Genau hier unterscheidet sich dieser nämlich von den vielen anderen Kulten aus Literatur, Film und Musik: Eingeschworene Fans, die gemeinsam auf einer wie auch immer gearteten Plattform über ihre Leidenschaft diskutieren, gibt es wahrlich genug, und gerade die Welt der phantastischen Unterhaltungsliteratur oder der Comics ist nicht gerade arm an solchen »Kulten«, bestehend aus Hardcore-Sammlern, militanten Komplettisten und fanatischen Jägern sammelwürdiger Ausgaben. Dass aber auch Außenstehende sich über den Umweg ihres Fachgebiets dahingehend anstecken lassen, sich plötzlich intensiv mit Asterix und dessen Faszination oder den Inhalten der Comics von René Goscinny und Albert Uderzo zu beschäftigen, das ist – gelinde gesagt – schon eine kleine Sensation, hinter der sogar der Eifer renommierter Donaldisten zurückstecken muss. Der Kult um den kleinen gallischen Helden mit Flügeln am Helm, wie ihn sein großer Bruder Umpah Pah einst nannte, geht immerhin einen ganzen Schritt weiter und überwindet den Status, da Gleichgesinnte sich ihre mehr oder minder abgeschiedenen Refugien schaffen: Asterix fasziniert sogar Wissenschaftler und Fachleute und schart diese um sich, auf dass sie sich auf vielseitige Art mit ihm und seinen Abenteuern beschäftigen und den Kult damit um eine äußerst interessante Facette bereichern ...

 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich beispielsweise ansonsten bierernste Historiker mit Asterix beschäftigen und sich beinahe liebevoll und zaghaft an den Kontext der Comics heranwagen, ihn analysieren und vergleichen oder einfach nur nutzen, um anderen Menschen über den Weg der Asterix-Comics Geschichte näher zu bringen, oftmals sogar nur allzu bildhaft dargestellt mit Original-Szenen und -Fragmenten aus den klassischen Asterix-Abenteuern. Ja und selbst die Sprachwissenschaftler und -forscher hat der kleine Gallier in den letzten Jahren für sich erobern können. Menschen, denen der Mix aus irrwitziger deutscher Muttersprache und »römischen Piratenlatein« noch nicht genug gewesen ist und die sich nicht scheuten, einzelnen Bestandteilen des heiligen Asterix-Kults ein völlig neues Gewand zu geben und verschiedene Geschichten neu zu übersetzen oder dadurch sogar neu zu adaptieren und interpretieren.

 

Dr. Gunther Schunk beispielsweise zeichnet sich gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Kai Fraass und Hans-Dieter Wolf für die ersten beiden Mundart-Bände in meinem Heimatdialekt, dem Mainfränkischen, aus und arbeitet derzeit am dritten Band. Im Herbst wird dieser Abschlussband der »Meefränggischen Trilogie« erscheinen, und dank des neuen Kinofilms ist momentan alles, was mit Asterix zu tun hat, ja eh wieder einmal in aller Munde und das gallische Dörflein samt seiner Helden nahezu omnipräsent. Grund genug also, sich mit dem Dialektologen und fleißigen Asterix-Übersetzer über gallisch-fränkische Mundarten und Eigenheiten, den Autorenkreis Würzburg sowie die wahre Frage der Ehre zu unterhalten - was nicht zuletzt darin endet, dass der Öffentlichkeit an dieser Stelle zum ersten Mal überhaupt enthüllt wird, welcher Original-Band dem dritten Streich des mainfränkischen Übersetzer-Trios zu Grunde liegen wird ...

 

 

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Erstellt: 25.04.2006, zuletzt aktualisiert: 25.02.2015 10:13