Interview mit Christine Guthann
 
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Das Christine Guthann Spezial - "Autorin von "Von Rittern und Einhörnern"

Christine Guthann hat mit ihrem tiefgründigen und fesselnden Roman "Von Rittern und Einhörnern" ihre Leser weit über die Grenzen von Österreich gefunden. Doch nicht nur mit tiefsinniger Fantasy weiß Christina Guthann zu überzeugen, in ihrem kommenden Roman "Emilys Tagebuch" wird sie uns ein weiteres Gesicht ihrer Vielseitigkeit zeigen und stellt uns damit fabelhafte Gespenstergeschichten voller Emotionen vor.

 

Hier nun ein paar Antworten von Christine Guthann auf unsere Fragen:

 

Chris Weidler: Christine, mit deinem Roman "Von Rittern und Einhörnern" hast du einen wunderschönen aber auch sehr tiefsinnigen Fantasyroman geschrieben, der auch aus meiner Sicht eine interessante Botschaft vermittelt. Was war dir persönlich wichtig mit diesem Roman deinen Lesern zu vermitteln?

 

Christine Guthann: "Von Rittern und Einhörnern" war ein Buch, das, wie die Umstände aus denen es entstand, sehr plötzlich über mich gekommen ist. Von einer Sekunde auf die andere war es einfach da und hat mich vollkommen in Anspruch genommen. Ich habe beim Schreiben eigentlich nie an einen Leser gedacht. Ich habe dieses Buch einfach 'erlebt'. Aber natürlich wollte ich damit auch etwas vermitteln. Ich wünschte mir damals es gäbe eine Möglichkeit Missverständnisse zwischen den Menschen einfach aus dem Weg zu räumen. Deshalb gab ich Kiansika die Gabe mittels Blickkontakt in anderen Wesen das Gute berühren zu können. Aber da man nicht einfach so aus heiterem Himmel für immer gut sein kann, musste Kiansika eine sehr starke Wandlung durchleben. Das kann nur über das Leid geschehen. Niemand ändert sich weil es ihm ständig nur gut geht. Man muss sehr viel hergeben um sich selbst erkennen zu können. Ich wollte also mit "Von Rittern und Einhörnern" vermitteln, wie es möglich ist, trotz großer Trauer nicht zu verbittern, sondern sich zu ändern, sich selbst zu verzeihen und zu begreifen, dass man Gutes schaffen kann, wenn man nur will.

 

 

Chris Weidler: Dein Protagonist "Kianskia" in deinem Roman "Von Rittern und Einhörnern" durchlebt eine interessante Wandlung von dem gehorsamen "ersten Ritter" des Königreiches zum skeptischen Individuum, welches den Sinn der "natürlichen" gesellschaftlichen Hierarchie des Königtums und dessen Entscheidungen hinterfragt. Stand diese Entwicklung von "Kianskia" für dich schon von Anfang an fest, oder hat es sich im Laufe des Romane's so entwickelt.

 

Christine Guthann: Für mich stand natürlich von anfang an fest, dass Kiansika eine starke Wandlung durchleben würde müssen. Ich wählte Kiansikas Charakter bewusst am Anfang so aus, dass er eher als Ritter wirkt, der kommentarlos Befehle des Königs ausführt und mit dem tieferen Sinn des Lebens nicht behelligt werden will. Schließlich macht es ja auch mehr Spaß einen groben Holzklotz in eine Schnitzerei zu verwandeln, als etwas das ohnehin von Anfang an blitzschön ist. Ich wollte einfach zeigen, dass niemand von anfang an perfekt ist und dass das auch gar nicht nötig ist. Die Wandlung Kiansikas kam durch das Erlebte, das, was ihm geschah. Wie seine Wandlung tatsächlich vollzogen werden würde, wusste ich allerdings zu anfangs auch nicht, dass geschah während des Schreibens.

 

 

Chris Weidler: Welcher deiner Protagonisten in deinem Roman "Von Rittern und Einhörnern" ist dir persönlich am meisten ans Herz gewachsen, und warum?

 

Christine Guthann: Sich da zu entscheiden ist recht schwierig, weil ich alle Charaktere aus diesem Buch sehr liebe. Natürlich stehen an erster Stelle Kiansika und Cerenata/Littel Star. Kiansika, weil er sozusagen mein eigenes Leiden durchleben musste und Littel Star, weil sie der Grund für den Schmerz ist. Dadurch, dass Cerenata in Littel Star wiedergeboren wird, ist Littel Star eine Figur, der man sozusagen immer irgendwie hinterherjagt. Etwas, das man wahnsinnig gerne im wirklichen Leben zu Gesicht bekäme. Und dann ist da noch diese schreckliche Trauer, die diese Figur umgibt. Man kann sie einfach nicht vergessen. Aber auch Email und Mitaki sind für mich sehr wichtig. Zum Beispiel splitte ich zwischen Kiansika und Email zwei Aspekte der wahren Liebe auf- zwischen Mann(Kiansika) und Frau(Cerenata) und zwischen Vater(Email) und Kind(Littel Star). Auch Valerian ist wichtig, weil er die andere Möglichkeit der Wandlung repräsentiert.Aber wie in allen meinen Büchern wird der 'Böse' nicht einfach vernichtet, sondern bekommt eine neue Chance.

 

 

Chris Weidler: Wird es weitere Romane aus der Welt von "Von Rittern und Einhörnern" geben?

 

Christine Guthann: Vor einem halben Jahr hätte ich nein sagen müssen, aber da mich "Von Rittern und Einhörnern" nie ganz losgelassen hat, habe ich mich schließlich an eine Fortsetzung gewagt. Der erste Teil ist bereits fertig, es werden aber noch zwei weitere Teile dazukommen, weil es sich um eine ziemlich große Sache handelt, die noch mit zwei weiteren Büchern zusammenhängt, die ich bereits geschrieben habe und mit der Geschichte eigentlich gar nichts zu tun hatten. Dazu kommt noch dass jedes der Bücher fast so dick ist wie "Von Rittern und Einhörnern"...tja, was soll ich sagen, ich kann eben nicht mehr aufhören zu schreiben :-) . Jedenfalls werden wir Littel Star und auch Kiansika wiedersehen. Und Valereian, der seine zweite Chance weit besser nutzen wird. Allerdings spielt die Geschichte nicht mehr in Achtalan und die Hauptcharaktere sind völlig neu und stammen aus den anderen beiden Büchern.Ich habe mich lange nicht über diese Fortsetzung getraut, weil ich "Von Rittern und Einhörnern" nicht zerstören wollte, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

 

 

Chris Weidler: Im Januar 2003 wird dein neues Buch "Emilys Tagebuch" erscheinen, welches wir hier in diesem Spezial auch mit vorstellen. Was war für dich der Auslöser, nach dem Erscheinen von "Von Rittern und Einhörnern", nun ein Buch über Geistergeschichten zu schreiben?

 

Christine Guthann: Also da muss ich wieder etwas weiter ausgreifen, fürchte ich. "Von Rittern und Einhörnern" war das dritte Buch, das ich schrieb. Danach schrieb ich ein Buch namens 'Winternacht' und ein weiteres namens 'Minamikis Welten'. Diese beiden Bücher sind ebenfalls sehr umfangreich. Die 'Winternacht' war bereits vom Novum Verlag angenommen worden, ich entschied mich aber dann kurzfristig für 'Emilys Tagebuch', weil dies ein wesentlich dünneres und kostengünstigeres Buch ist um den Verkaufspreis niedriger zu halten. Langer Rede kurzer Sinn: Für einen unbekannten Autor ist es besser mit dünneren Büchern anzufangen, als jedes Jahr eine Schwarte von über 500 Seiten auf den Markt zu werfen. 'Emilys Tagebuch' ist also mein sechstes Buch und entstand aus einer in der Kindheit verwurzelten Sehnsucht nach Gespenstergeschichten heraus. Ich schrieb es in knapp zwei Monaten, weil es so spannend war. Wie jedes meiner Bücher ist es etwas ganz Besonderes für mich.

 

 

Chris Weidler: Um was geht es inhaltlich bei deinem Buch "Emilys Tagebuch"?

 

Christine Guthann: 'Emilys Tagebuch' handelt von einem jungen Mann, der in einem alten Haus das Tagebuch eines verstorbenen Mädchen findet, das an geistiger Verwirrung gelitten haben soll. Er hat keinen Namen, denn das Buch ist aus seiner Sicht in der ich-Form geschrieben, was den Reiz erhöht. Von Tagebucheintrag zu Tagebucheintrag wird die Geschichte immer spannender. Sie ist ein wenig thrillerartig, weil es dabei auch um Emilys Mörder geht, der ebenfalls in dem alten Haus umgeht.(siehe Leseprobe) Es kommen viele Gespenstererscheinungen vor und ein Wald in dem nichts ist wie es scheint. Es ist sehr dicht geschrieben, ich denke es ist wirklich spannend geworden und beinhaltet natürlich auch wieder psychologische Aspekte.

 

 

Chris Weidler: Du schreibst Erzählungen, Geschichten und Bücher in sehr unterschiedlichen Genre und bist von Fantasy über ScienceFiction bis Mystery überall zuhause. Bevorzugst du für dich als Autorin eines dieser Genre, oder liebst du die Abwechslung?

 

Christine Guthann: Ja, ich denke ich liebe die Abwechslung. Wenn jemand alle meine Bücher lesen würde, würde er sicher feststellen, dass jedes komplett anders ist als das vorhergegangene. Das kann auch Stil und Erzählweise betreffen. Jede Geschichte erfordert von mir eine Anpassung an die Umwelt und die Charaktere. Es sind immer ganz neue Szenerien und ich bin manchmal selbst von dem ganz Neuen und ganz anderen überrascht. Ich mag es mich selbst und mein Können herauszufordern und mich mit Themen zu beschäftigen, die sonst noch nicht beleuchtet wurden.

 

 

Chris Weidler: Was fasziniert dich persönlich an dem Genre Fantasy, ScienceFiction und Mystery?

 

Christine Guthann: Also wenn ich etwas nicht leiden kann, dann sind es Grenzen. In der üblichen Literatur muss alles dem realen Alltag entsprechen. Das ist mir zu begrenzt. Warum sollte man, bei etwas, das man selbst erfunden hat, nicht diese Grenzen durchbrechen können? Wenn ich fliegen will, dann fliege ich und wenn ich zaubern will, dann tue ich das. Und wenn ich ein Einhorn sehen will, dann ist es da und es gibt keine Grenzen für die Phantasie. Diese Art von Freiheit ist für mich immer ganz selbstverständlich gewesen, deshalb könnte ich mir nicht vorstellen etwas anderes zu schreiben als phantastische Literatur.

 

 

Chris Weidler: Wie ist die Resonanz deiner Familie und Freunde auf die Tatsache, dass du Fantasyromane schreibst?

 

Christine Guthann: Meine Familie sah sich ja schon immer bis zu einem gewissen Grad damit konfrontiert, dass ich Fantasy schreibe. In meiner Teenagerzeit hat das noch niemand sehr ernst genommen, ich selber auch nicht. Als ich mit achtzehn dann meinen ersten Roman verfasste war meine Familie dann doch alarmiert. Meinen Freunden habe ich lange nichts davon erzählt, weil ich in der Schule immer eine schwache Schülerin gewesen bin und man mir sagte ich sei völlig untalentiert. Deshalb bildete ich eine Art Hemmschwelle aus. So richtig herausgerückt mit der Wahrheit bin ich erst als ich "Von Rittern und Einhörnern" veröffentlichte. Meine Familie, besonders meine Mutter, die sozusagen meine Managerin ist, hat mich immer sehr unterstützt und ist auch stolz auf mich. Meine Mutter hat immer an mich geglaubt, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

 

 

Chris Weidler: Bist du eher eine spontane Autorin, welche sich wenn sie eine Idee setzt an ihr Manuskript setzt oder hast du für dich festgelegte Arbeitszeiten?

 

Christine Guthann: Ich schreibe ziemlich spontan. Ich bin leider ein unruhiger Mensch und der Computer, den man extra hochfahren muss, schränkt mich manchmal etwas ein. Deshalb muss ich oft mit der Hand Geschriebenes abtippen, da ich manchmal im Zug, auf der Uni und das meiste vor dem Fernseher schreibe. Das erhöht den Zeitaufwand. Aber im allgemeinen schreibe ich schon am Computer, man kann sich bis zu einem gewissen Grad darauf 'programmieren' zu einer gewissen Tageszeit zu schreiben.

 

 

Chris Weidler: Was "treibt" dich zum Schreiben und woher nimmst du die Ideen und Anregungen zu deinen Romanen und Geschichten?

 

Christine Guthann: Zum Schreiben 'treiben' mich zumeist eigene Erfahrungen, Dinge, die ich erlebt habe, die mich beschäftigen, die Fragen aufwerfen und einer eingehenden Beleuchtung bedürfen. Schreiben ist für mich nicht nur die Erfindung eines Abenteuers, sondern auch Aufarbeitung eigener Probleme und Bewältigung psychologischer Aspekte.Sehr inspiriert bin ich auch durch die Natur, wenn ich mit meinen Pferden ausreite. Oder einfach durch andere Menschen, durch Dinge, die ich im Fernsehen oder Kino sehe. Auch durch Musik oder Gespräche. Auch sehr wichtig sind Eindrücke und Erinnerungen aus meiner Kindheit.

 

 

Chris Weidler: Wie entspannst du vom Schreiben und findest neue Energie und Kraft?

 

Christine Guthann: Meist bedeutet für mich das Schreiben schon Entspannung vom Alltag. Was mich außerdem noch entspannt ist die Arbeit mit den Pferden im Gelände oder auf dem Platz. Oder wenn ich einfach nur im Zimmer sitze und außer Musik hören gar nichts tue. Die Energie und Kraft, die ich brauche um den Alltag zu bewältigen, ziehe ich aber fast ausschließlich aus meinen Geschichten.

 

 

Chris Weidler: Stand für dich eigentlich immer fest, dass du irgendwann einmal Bücher schreiben wirst oder gab es ein Schlüsselmoment in deinem Leben welcher dich zu diesem Weg geführt hat?

 

Christine Guthann: Als ich begann meine Geschichten niederzuschreiben, habe ich das nicht sehr ernst genommen. Als Teenager hat man ja meist ganz anderes im Kopf. Ich dachte auch nicht, dass ich Romane schreiben könnte, ich habe es mir nicht zugetraut. Ich weiß eigentlich nicht, wie es dann zum ersten Roman kam. Es war jedenfalls eine überraschende Erfahrung, weil mir da langsam klar wurde, dass ich womöglich doch Talent habe. Den Wunsch Schriftstellerin zu werden hatte ich aber nie. Ich wollte immer Tierärztin werden. Tja, so kann man sich irren.

 

 

Chris Weidler: Gibt es Autoren und Bücher, welche dich zum Schreiben inspiriert haben?

 

Christine Guthann: Sehr zum Schreiben inspiriert hat mich der Umstand, dass ich im Alter von zehn Jahren die Unendliche Geschichte von Michael Ende gelesen habe. Dieses Buch hat meine Phantasie unglaublich beflügelt und mich sehr inspiriert. Ich bewundere auch die anderen Bücher, die Michael Ende verfasst hat und ich bedauere es zu tiefst, dass sein Leben ein so tragisches Ende nehmen musste.

 

 

Chris Weidler: Was ist dein momentanes persönliches Lieblingsbuch?

 

Christine Guthann: Also die Unendliche Geschichte ist nach wie vor mein Lieblingsbuch. Sehr gerne gelesen habe ich auch 'Die Zeitfalte' von Madeleine L'Engle.

 

 

Chris Weidler: Wie muß man sich einen "typischen" Tag von Christine Guthann vorstellen?

 

Christine Guthann: Einen typischen Tag? Das ist schwierig zu beantworten, weil kaum ein Tag bei mir wie der andere ist. Dadurch, dass ich eine Art Gnadenhof betreibe, auf dem es alle möglichen Tiere gibt, steht, glaube ich, die Arbeit auf dem Hof, wie ausmisten und Pflege der Tiere, an oberster Stelle. Ich glaube in diese Arbeit stecke ich meine Hauptenergie. Dann sitze ich täglich öfters am Computer und schreibe, außerdem studiere ich Psychologie und fahre so oft es geht an die Universität in Wien. Auf der Zugfahrt korrigiere ich dann meine Manuskripte. Irgendwann lerne ich dann noch für die Prüfungen, Freizeit habe ich nicht all zu viel. Tier machen eben keine Pausen, besonders wenn es sich um kranke handelt, da ist immer irgendetwas los. Außerdem fahre ich jetzt jeden Monat zu einer Lesung plus Workshop an Schulen, an denen ich eingeladen wurde, die oft weiter weg stattfinden, was recht anstrengend ist, aber auch sehr großen Spaß macht und eine Menge Feedback zurückgibt.

 

 

Chris Weidler: Wie würdest du in wenigen Worten "Christine Guthann" beschreiben?

 

Christine Guthann: Man kann ja nie wirklich sicher sein ob man so ist, wie man sich sieht. Aber ich wäre gerne: nett, einfühlsam und offen, bin aber leider auch oft: hartnäckig, dickköpfig, extrem neugierig und ungeduldig. Aber vielleicht sind diese Eigenschaften schluss endlich der Motor, der mich immer weitertreibt.

 

 

Chris Weidler: Christine, eine letzte Frage. Dein größter Traum für die Zukunft?

 

Christine Guthann: Mein größter Traum für die Zukunft wäre, da sich immer mehr herauskristallisiert hat, dass ich Schriftstellerin bin, alle meine Bücher veröffentlichen zu können, andere Leute damit ein wenig berühren zu können und genug Geld damit zu verdienen um mehr Tieren helfen zu können und denen, die ich habe, besser helfen zu können.

 

 

Chris Weidler: Christine, ich danke dir sehr für dieses Interview und für den guten und sehr netten Kontakt mit dir. Ich wünsche dir für Zukunft alles Gute für dich und deine Romane.

 

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Erstellt: 22.06.2005, zuletzt aktualisiert: 31.01.2015 00:08