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Das Comicwerk Spezial

Redakteurin: Martina Klein

 

Lassen wir die Jungs vom Comicwerk aus Berlin erst mal selbst zu Wort kommen (der Text ist aus dem ersten Heft, welches die Comicwerk-Mitglieder Daniel Gramsch und Guido Neukamm veröffentlicht haben – „Alina Fox - Thief Extraordinaire / Biien - der Schatten Bd. 1“):

 

“Was macht das Comicwerk?

 

Es ist für deutsche Comiczeichner verdammt schwierig, veröffentlicht zu werden, zum Thema Broterwerb wollen wir uns lieber gar nicht erst äußern. Und es hält sich hartnäckig das Gerücht, es gebe nicht genug Zeichner, die auf professioneller Ebene arbeiten können. Wir vom Comicwerk wollen das Gegenteil beweisen und präsentieren auf unserer Website www.comicwerk.de eine Plattform von Zeichnern und Autoren für alle, die sich für Comics interessieren. Wir geben Tipps, tauschen Meinungen und Adressen aus, und wir haben unser Online-Comicmagazin ‚LOA’, das alle zwei Monate erscheint und in dem alte Hasen wie junge Wilde zeigen können, was sie so zu bieten haben. Und das ist immer eine ganze Menge! Wer also Lust hat, bei uns sein Können zu zeigen (oder, falls es noch nicht ganz so weit sein sollte, zu vervollkommnen), ist jederzeit willkommen!“

 

Als ich mich neulich mit Daniel Gramsch vom Comicwerk getroffen habe, hatten wir ein sehr nettes Gespräch, in dem ich dann noch mehr erfahren habe:

 

Natürlich haben wir uns zunächst auch wieder über die Schwierigkeiten deutscher Comiczeichner am heimischen Comic-Markt im Allgemeinen unterhalten, die ja maßgeblich dazu geführt haben, dass er, zusammen mit ein paar befreundeten Zeichnern, im Jahr 2001 das Comicwerk gegründet hat, um diesen Schwierigkeiten endlich Abhilfe zu schaffen.

 

Das Comicwerk ist nun ein mehr oder weniger loses Netzwerk von deutschen Comiczeichnern, das in losen Abständen die Comics der am Comicwerk beteiligten Zeichner in „Online-Form“ herausbringt (zum Online-Comic-Magazin „LOA“ später noch mehr!). Später werden diese Comics dann zum Teil von einzelnen Mitgliedern des Comicwerks noch in Eigenregie als richtige „Papier-Hefte“ auf den Markt gebracht. Auch dazu später mehr.

 

Die Zeichner, die beim Comicwerk mitmachen, haben übrigens alle schon eine lange Karriere hinter sich. So hat Daniel Gramsch z.B. schon sehr viele Arbeiten im „MAD“-Magazin veröffentlicht, genau wie sein Kumpel und Comicwerk-Hauptmitstreiter Guido Neukamm. Darüber hinaus haben die beiden zusammen etwa ein Jahr lang die Cover der beim Bastei-Verlag erschienenen „Gespenstergeschichten“ gemacht, in denen sie auch vorher schon jeder einzeln ihre Sachen veröffentlich hatten – Guido Neukamm bereits seit 1992! Ein weiterer Comicwerkler dürfte Euch ebenfalls schon mal „über den Weg gelaufen“ sein (na ja, nicht er direkt, vielmehr seine gezeichneten Mädchen...): Uwe Heinelt. Von ihm ist die Comic-„Lolle“ aus „Berlin, Berlin“. Sein neuestes Werk ist nicht weniger präsent, wenn auch nicht so populär wie „Lolle“: Die „Betty“, mit der die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) seit neuestem wirbt, stammt ebenfalls aus seiner Feder.

 

Daniel Gramsch erklärt, dass das Comicwerk übrigens kein Verlag sei, sondern vielmehr eine Internet-Plattform für (Comic-)Künstler, auf der der Leser u.a. die Möglichkeit hat, die Comics online gratis zu lesen. So geben sie u.a. das oben erwähnte und regelmäßig erscheinende Online-Comic-Magazin „LOA“ heraus. Das Angebot an Online-Comics wechselt also immer mal wieder und wird ständig erweitert. So sind auch alle bisher in Heftform erschienen Geschichten der Comicwerk-Mitglieder (dazu unten mehr!) vorher online zu lesen gewesen. Ein Blick auf die entsprechende Seite vom Comicwerk lohnt sich also!

 

Als gelernter Industriekaufmann widmet Daniel sich jetzt, neben seinem Studium, hauptsächlich der Arbeit an den Abenteuern seiner Comic-Heldin Alina Fox und an seiner weiteren Comic-Serie „Slackers Unlimited“ - und bringt seine kaufmännischen Fähigkeiten nun beim Comicwerk ein. Der Verkauf der Hefte läuft bisher hauptsächlich über Messen, wobei der Verkauf online und über den klassischen Comichandel immer mehr zunimmt. Pro Stück kosten die Hefte im Schnitt 3,- €, was sehr günstig ist, besonders wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, so qualitativ hochwertige Hefte in kleinen Auflagen und wie erwähnt sozusagen komplett in Eigenregie herzustellen.

 

Das „Verlagsprogramm“ (obwohl das Comicwerk ja – wie oben gesagt! – eigentlich gar kein Verlag ist...) besteht – neben dem Online-Comic-Magazin „LOA“ – im Wesentlichen aus zwei Heftreihen: Nämlich „Alina Fox“ von Daniel Gramsch und „Biien – Der Schatten“ von Guido Neukamm, die beide wirklich richtig gut sind.

 

„Alina Fox“ ist kein typischer Superhelden-Comic. Die Geschichten haben viel „Action“ und sind eher angelegt wie „Mission: Impossible“ (siehe auch das Titelbild zu: „Tödlicher Kristall Bd. 1“: Dort seilt die Heldin sich genauso ab wie einst Tom Cruise!).

 

Erzählt wird das Leben der Meisterdiebin Alina Fox, einer „Auftrags-Einbrecherin“, die auf den ersten Blick ein wenig an Lara Croft aus „Tomb Raider“ erinnert. Diesen Vergleich mag ihr Schöpfer Daniel Gramsch übrigens überhaupt nicht, obwohl er ihn wohl schon des Öfteren gehört hat. Er betont ausdrücklich, dass es seine Figur Alina schon gegeben hat, bevor er überhaupt von Lara gehört hatte! (Nachzulesen im ersten Heft der dreiteiligen Reihe „Tödlicher Kristall“.)

 

Seine Heftreihe „Alina Fox“ erscheint (ca.) einmal pro Jahr. Das nächste Heft soll von der Handlung her mehr „back to the roots“ sein als die vorangegangenen Hefte des Dreiteilers „Tödlicher Kristall“, in denen sehr ausführlich erzählt wurde und wir auch viel über die „private“ Alina erfahren durften. Im nächsten Heft soll es wie gesagt weniger Nebenhandlung geben und mehr von Alinas eigentlichem „Beruf“ als Meisterdiebin erzählt werden, also: Alina stiehlt etwas, wird gejagt, etc. Wir dürfen also gespannt sein.

 

Es gibt mittlerweile auch schon eine DVD mit einem kurzen Alina-Fox-Zeichentrickfilm (7 Min. lang), der ursprünglich als möglicher Trailer für eine Zeichentrick-Serie gedacht war. Daniel kann sich das Ganze darüber hinaus auch gut als Computerspiel vorstellen (kleiner Hinweis an die große und vielfältige Computerspiel-Industrie!).

 

„Biien – Der Schatten“ handelt auch von einem Meisterdieb, spielt jedoch in einer ganz anderen Zeit, bzw. Welt. Während „Alina Fox“ trotz aller fantastischen Elemente mehr im „Hier und Jetzt“ angesiedelt ist, spielt „Biien“ in einem mehr „fantasymäßigen“ Umfeld. Um es mit Guido Neukamms eigenen Worten zu sagen: „Eine uralte, ehemals hochentwickelte Welt, die den Zenit ihrer Entwicklung schon lange hinter sich gelassen hat. Inselartige befestigte Städte aus rußgeschwärztem Stein inmitten ausgedehnter, verwüsteter Landschaften, in denen die Naturgesetze nicht mehr gelten. Überreste längst vergessener Kriege zwischen den Wesen anderer Realitätsebenen...“ In dieser Welt treibt Biien sein Unwesen. Guido Neukamm selbst nennt Biien liebevoll den „gelbäugigen Hurensohn“! Er hat den Hurensohn übrigens bereits 1992 erfunden und seitdem stetig weiterentwickelt.

 

Die Hefte werden – sowohl bei „Alina Fox“, als auch bei „Biien“! – zeichnerisch und grafisch immer besser! Bei Biien werden sie darüber hinaus von Heft zu Heft auch noch immer witziger! Aber natürlich ist die Handlung bei „Alina Fox“ auch insgesamt mehr geprägt von persönlicher Dramatik. So wird z.B. der Tod von Alinas gutem Freund Hendricks erzählt, da wäre Witzigkeit natürlich fehl am Platze.

 

Als ersten Comic in „Papierform“ haben die beiden Comicwerk-Mitglieder, wie erwähnt, ein „Alina Fox“/“Biien“-Doppelheft herausgebracht. Dieses Heft war ursprünglich als „Muster“ gedacht, um Verlagen zu zeigen, wie „Alina Fox“ und „Biien“ gedruckt aussehen würden. Dazu ein Zitat aus besagtem Heft, das es trefflich auf den Punkt bringt: „Da standen nun die hoffnungsvollen Menschenkinder vom Comicwerk und riefen in die vier Winde: Seht her, wir haben eine tolle Website (www.comicwerk.de) mit tollen Comics drauf! Und die vier Winde antworteten: Klasse Idee auch, in den neuen Medien liegt die Zukunft, aber habt ihr’s vielleicht auch auf Papier? Nach einer Reihe eindrucksvoller Postkarten und einer Reihe schlafloser Monate stellen wir also nun ein richtiges Heft vor.“... Und so ist dieses Heft entstanden.

 

Diese eigentlich sehr tolle Idee ging leider sozusagen „nach hinten los“: Die Antwort der Verlage, die auf diese Weise überzeugt werden sollten, war durchweg: „Wozu braucht ihr denn jetzt noch einen Verlag? Ihr habt doch nun schon gedruckte Hefte und seid selber einer...“ Schade eigentlich! Denn (um ein weiteres Zitat zu bringen): „... Das (Heft) hat es in sich!“ Es ist von zwei Seiten zu lesen (sozusagen kopfüber). In ihm werden die beiden Comic-Reihen „Alina Fox“ und „Biien – Der Schatten“ mit jeweils einer Geschichte vorgestellt. Zu beziehen ist es wie die anderen Hefte auch bei Comic & Spiele Berlin.

 

Aber natürlich sind über die erwähnten Künstler hinaus auch noch zahlreiche andere, z.T. wirklich außerordentlich gute Comiczeichner und -autoren am Comicwerk beteiligt! So sei hier z.B. auch Stephan Hölting erwähnt, der sich u.a. auch um die marketingtechnischen Belange des Comicwerks kümmert und den Kontakt zum Fantasyguide hergestellt hat. Stephan ist der Autor der Comic-Reihen „der drei“ und „Familie Tschiep“. In „der drei“ geht es um drei mysteriöse Superhelden, ... oder besser gesagt, um einen mysteriösen Superhelden, der eigentlich aus dreien besteht – na ja, lest es am besten selber nach unter www.comicwerk.de! „Familie Tschiep“ handelt von einer Vogelfamilie, die wir durch den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn begleiten. Und dann sei auch noch Max Jähling erwähnt, dessen Comic-Reihe „Conny van Ehlsing“ sich um die fast 16-jährige Monsterjägerin Conny dreht – also: Buffy-Fans aufgepasst! Nicht umsonst wird Conny von ihren Freunden auch Muffy genannt - weil sie so ein Morgenmuffel ist! – Alles wie gesagt nachzulesen im Online-Comic-Magazin „LOA“ unter www.comicwerk.de. Dort ist übrigens auch für Musikfreunde etwas dabei: In der Kolumne „Metall macht Musik“ berichtet Tim Eckhorst über die ganz großen Ereignisse der Musik-Szene, wie z.B. das Festival „Wacken Open Air 2006“, oder ähnliches - sehr nette Alternative zu den großen Mainstream-Musikmagazinen.

 

Abschließen möchte ich mit der folgenden brandheißen Information:

 

“Am 27.09.2006 feiert das Comicwerk seinen fünften Geburtstag. Und deshalb gibt es jetzt Ausgabe 18 des Online-Comic-Magazins LOA auf www.comicwerk.de, ganz unter dem Motto 5 Jahre Comicwerk. Viele Freunde und Kollegen ließen es sich nicht nehmen, zu gratulieren, weswegen diese Ausgabe auch was besonderes ist: Lauter namhafte alte Hasen und junge Talente zeichnen zur Abwechslung Figuren aus dem Comicwerk-Universum!“

 

Also werft ruhig mal einen Blick auf die Comicwerk-Seite!

 

Zum Interview

 

 

 

Eure Meinung:


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Comicwerk Special

Alina Fox - Thief Extraordinaire / Biien - der Schatten Bd. 1:

 

 

 

Alina Fox - Tödlicher Kristall Bd. 1:

 

 

 

Daniel Gramsch:

 

 

 

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Erstellt: 09.10.2006, zuletzt aktualisiert: 25.02.2015 10:15