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Der Chronist des Raben

Redakteur: Christian Endres

 

Ich gebe es zu: Das Internet hat mein Konsumverhalten in Sachen Bücher ziemlich umgekrempelt (zum Positiven für die Sammlung, zum Negativen für den Geldbeutel und den Platz). So oder so – es ist dennoch immer wieder ein kleiner Festtag für mich, wenn im Sommer die Verlagsvorschauen für den Herbst bzw. im Winter die Vorschauen für den Sommer bei den Verlagen als PDFs online gestellt werden oder einige Wochen zuvor schon in den Listen bei den gängigen Onlinehändlern auftauchen. Dank dieser Programmvorschauen und -Listen habe ich binnen kürzester Zeit schließlich stets den optimalen Überblick über alle Verlage und Bücher, vom großen Verlagshaus bis hin zum kleinen Szenepublisher mit 200er Auflage – was eine ISBN hat, das ist gelistet, und ich muss mich weder darauf verlassen, dass Verlag X mir auch dieses Jahr wieder einen Print-Katalog zusendet, noch darauf, dass im nächst größeren Buchladen in irgendeinem Eck möglichst viele Fantasy-Bücher auf engstem Raum aufgebahrt sind, von denen dann 70% aber ohnehin von Hobbits oder Potters handeln und für mich als Neuerscheinung weniger von Belang sind ...

 

Es muss irgendwann Anfang Juni 2004 gewesen sein, als ich also wieder einmal vor dem Monitor saß und mich mit einem erwartungsfrohen Dauergrinsen im Gesicht (und einer immer größer werdenden "To-Buy"-Liste im Word-Dokument, das bei solchen Streifzügen durch den Online-Dschungel immer in der Task-Leiste lauert und ständig gefüttert werden möchte) durch die Programme von Heyne, Bastei, Piper und Co. klickte. Die meisten Cover zu den Neuerscheinungen waren beim großen Online-Urwald, der in solchen Fällen Ende Mai, Anfang Juni immer meine erste Anlaufstation ist, auch schon online, und so griff wieder das Phänomen, das ich so gern als Coverkauf bezeichne und gleichermaßen verfluche wie vergöttere: Immer dann nämlich, wenn ein hübsches Covermotiv, das aus dem Einheitsbrei-geprägten Wust an langweiligen Titelbildern heraussticht, meine Aufmerksamkeit auf sich lenkt und sich in mir der Wunsch regt, das Buch zu besitzen.

 

Eines der Bücher, das vor zwei Jahren recht schnell meine Aufmerksamkeit erweckt hat, trug den etwas nichtssagenden Titel »Zauberbann« von dem mir damals noch völlig unbekannten britischen Autoren James Barclay (nach ein paar Minuten der Recherche wusste ich dann zumindest, dass es zur Reihe Chroniken des Raben gehörte und Barclay im englischen Sprachraum mit dieser Fantasy-Serie im Positoven für Furore gesorgt hatte). Irgendwann im November 2004 sollte dieses Buch – der Debütroman des Autors, dessen Bücher so prächtig reduzierte Schattenriss-Cover zieren – jedenfalls erscheinen, und so landete es als lupenreiner Coverkauf auf meiner Liste und kurz darauf im digitalen Einkaufswagen.

 

Und ich habe den Kauf, als es dann so weit war und das Buch Ende Oktober ausgeliefert wurde, bei Leibe nicht bereut. Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, dann hat es genau einen etwas längeren Leseabend gehalten und mich mit einem großen Hunger auf mehr Abenteuer und Geschichten vom Raben zurückgelassen. Nach sechs (beziehungsweise mittlerweile sieben) Büchern ist dieser Hunger noch immer nicht ganz gesättigt, und so freue ich mich heute auch noch wie beim zweiten Band über jede Neuerscheinung von James Barclay (dessen Bücher im Übrigen immer noch Titelbilder im gleichen Stil besitzen, der sie mir damals erst schmackhaft gemacht hat).

 

Doch was macht die Fantasy-Bücher von James Barclay so besonders? Nun, um die Sache auf den Punkt zu bringen: James Barclay überzeugt. Das muss man als Maxime einfach so stehen lassen, kurz und prägnant. Die Vergleiche mit David Gemmell, Stan Nichols oder Michael Stackpole, welche die letzten Jahre das Subgenre der Heroic Fantasy beherrscht haben, sind keinesfalls zu hoch gegriffen, die extravagante Aufmachung mit silberner Veredlung keinesfalls vermessen und die begeisterten Kritiken auf alle Fälle gerechtfertigt. Es macht einfach durchwegs großen Spaß, diese Bücher mit ihrem einheitlichen Rücken-Design im Regal anzuschauen, und immer wenn man sie in die Hand nimmt oder den neuesten Band aus der Verpackung befreit, hat man ein gutes Gefühl und weiß, dass da wieder einige sehr schöne Lesestunden auf einen warten ...

 

Schnell wachsen einem außerdem die Mitglieder des Raben ans Herzen, sodass man sich nur allzu bereitwillig mit Hirad Coldheard, dem Unbekannten Krieger und den anderen Mitgliedern der Söldnertruppe auf die Reise macht, um eine von Magie durchsetzte Welt vor dem Abgrund zu bewahren. Dass man dabei in fremde Dimensionen reist, gegen böse Dämonen und ganze magische Kollegien kämpft, Intrigen an der Tagesordnung stehen und politische Ränke sowie große Schlachten mit magischem Effektfeuer mindestens einmal pro (Original-)Band das Bild beherrschen, steht außer Frage und machen die Chroniken und die Legenden des Raben gemeinsam mit den sehr alltäglichen, aber auch den vielen persönlichen und realistischen Momenten der Geschichten zu einer der besten und Reihen, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

 

Doch damit nicht genug: In den letzten Wochen habe ich James zudem noch als äußerst sympathischen Menschen kennen gelernt, der völlig frei von Starallüren ist und sich auch nicht zu Schade ist, eine etwas holprige englische Interviewfrage zu korrigieren oder im wohlverdienten Urlaub nach einem erst kürzlich beendeten Deadline-Projekt seine Zeit mit nervigen Zusatzfragen eines Redakteurs aus Deutschland zu verbringen.

 

Der Mann schreibt demnach also nur nicht nur großartige Heroic Fantasy, er ist auch noch ein toller Typ – um so mehr freut es mich daher natürlich, dass wir hier nun das erste Interview im deutschen Sprachraum mit ihm präsentieren können.

 

Interview:

 

deutsche Version

english version

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240227235200e9145481
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Erstellt: 21.06.2006, zuletzt aktualisiert: 16.10.2023 21:13, 2429