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Das Uwe Voehl Spezial - Autor von "Ischtar"

Redakteur: Michael Schmidt

 

Im Gespräch mit Uwe Voehl:

 

Michael Schmidt: Hallo Herr Voehl, es würde uns freuen, wenn Sie sich unseren Lesern einmal kurz vorstellen würden.

 

Uwe Voehl: Wenn ich jetzt den legendären FAZ-Fragebogen auszufüllen hätte, würde ich folgende Antworten geben: Wo möchten Sie leben: Transsilvanien, Lieblingsstadt: London (natürlich bei Nebel), Ihre liebsten literarischen Helden? Die Professoren und Pfarrer in den Geschichten von M. R. James. Die kafkaesken Charaktere bei Michael Siefener. Ihre Lieblingsmaler? Uwe Bremer (erinnert sich noch jemand an seine Umschläge für die Bibliotheca Dracula?). Ihr Lieblingsfilm: Tanz der Vampire Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Leichenblässe! Lieblingsspeise: Blutwurst. Lieblingstier: Blutegel. Lieblingsbaum: Trauerweiden... Soll ich noch weiter machen? Nein, im Ernst: Ich bin – so fürchte ich – äußerst normal und habe keine besonderen Hobbies.

 

 

Michael Schmidt: Den meisten Lesern dürften Sie für Ihre Mitarbeit an der Serie „Das Volk der Nacht“ ( ehemals Vampira ) bekannt sein. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was bedeutet es, in einer Serie mitzuschreiben? Wie viel Freiheit hat man?

 

Uwe Voehl: Ich habe ja bereits als Gastautor an Vampira mitgeschrieben, als die Serie im Heftformat erschien. Später folgten mehrere Taschenhefte. Ich muss zugeben, die Serie schon wieder aus den Augen verloren zu haben, als mich eines Abends Manfred Weinland, der geistige Vater der Serie anrief und anfragte, ob ich nicht einen Roman für Das Volk der Nacht schreiben wollte. Jetzt sitze ich bereits an meinem dritten Buch für die Reihe...

In der Regel sind Manfreds Exposés sehr ausgefeilt, aber da ich in einem Buch sehr viel mehr Platz habe als in einem Heftroman, so dass mir genügend Freiraum bleibt, dieses Gerüst mit Fleisch zu füllen.

 

 

Michael Schmidt: Erzählen Sie uns doch einmal von Ihrem neuen Roman „Ischtar“?

 

Uwe Voehl: Ein Vampirroman mit cthulhoiden Elementen. Manfred Weinland hat ein überaus fantasievolles Exposé verfasst mit mehreren sehr interessanten Handlungssträngen, die die Geschichte der Kelchhüterin Ischtar von ihrer „Geburt“ bis in unsere Gegenwart und zu ihrem Aufeinandertreffen mit Lilith erzählt. Ein Höhepunkt ist sicherlich der Auftritt eines sehr bekannten Schriftstellers – er und Ischtar werden ein Liebespaar – eine Episode, die sich in einem seiner legenderen Romane widerspiegelt. Ich möchte hier natürlich nicht verraten, um welchen Schriftsteller es sich handelt – jeder Leser kann selbst ein wenig mitraten und am Ende des Romans wird das Rätsel aufgelöst.

 

 

Michael Schmidt: Eine weitere bekannte Serie sind die Henker-Romane. Wie kam es zu der Idee? Und gibt es aktuelle Neuigkeiten zu der Serie?

 

Uwe Voehl: Oh, da muß ich wirklich ganz tief in die Erinnerungskiste greifen. Die HENKER-Serie war tatsächlich mein Einstieg ins Heftroman-Genre, Anfang der Achtziger Jahre. Vorher hatte ich, das war noch Ende der Siebziger, ich ging noch zum Gymnasium, eine Horror-Anthologie bei Pabel unterbringen können, innerhalb der VAMPIR-TB Reihe. Das Buch hieß DIE GALGENPUPPE und die Titelstory schrieb Hugh Walker. Außer ihn verehrte ich damals noch die beiden DÄMONENKILLER-Autoren Ernst Vlcek und Neal Davenport, der sich ja heute leider ganz zurückgezogen hat. Na ja, diese drei waren sozusagen meine dunklen Götter und was ich nie zu hoffen wagte: alle 3 gaben mir ihre Stories zum Abdruck frei. Damit lief ich bei Pabel natürlich offene Türen ein, handelte es sich doch um 3 der beliebtesten Hausautoren. Ich nutzte die Gelegenheit und brachte in meiner Anthologie auch eine Story von mir unter. „Die Brut des Bösen“ war meine erste professionell veröffentlichte Horrorstory.

Danach war es relativ leicht für mich, auch in der VAMPIR-Heftserie unterzukommen. Eigentlich wollte ich gar keine Serie schreiben, ich hatte nur einen Einzelroman im Sinn und mir schwebte etwas in der Art des allerersten Dämonenkiller-Romans vor. Also mit einer düsteren Erbschaft, in deren Folge die ganze Familie herbeigerufen wird und dunklen Geschehnissen drumherum. Der Roman gefiel dem damaligen Chefredakteur so gut, dass ich weitermachte und ich alle sieben Wochen einen Roman schrieb. Leider wurde die VAMPIR-Serie dann recht schnell eingestellt und mit meinen schriftstellerischen Höhenflügen, wie ich mir sie ausgemalt hatte, war es erst mal vorbei.

 

 

Michael Schmidt: Im Vergleich zu manchen von Ihren Kollegen sind Sie nicht der quantitative Heftroman-Autor. War das gewollt? Welche Vor- und Nachteile hat dies?

 

Uwe Voehl: Als ich meine ersten Romane bei Pabel unterbringen konnte, begann gerade das große Horror-Reihensterben. Insofern war ich gewarnt, mich darauf einzulassen. Außerdem kenne ich keinen, der damit reich und glücklich geworden wäre. Desweiteren hatte ich das Gefühl, immer ein wenig anders zu schreiben, als von mir verlangt wurde. Insofern wäre aus mir wohl nie ein großer Heftromanautor geworden. Es ist auch viel ästhetischer, sich ein Buch ins Regal zu stellen, als ein Heft. Gut, ich schreibe davon nur zwei bis drei im Jahr, aber es befriedigt mich mehr als ein ganzer Packen Hefte.

 

 

Michael Schmidt: Ihre Romane sind in der Regel düster und unheimlich, auch wenn Sie einmal nicht im Horror-Bereich schreiben (z.B. Ufo-Akten). Gibt es dafür einen besonderen Grund?

 

Uwe Voehl: Ich glaube, ich bin ein eher düsterer Typ. Das Dunkle hat mich schon als Kind mehr angezogen als alles andere. Ich trug schon als Sechsjähriger eine schwarze Jeans und einen schwarzen Nicky. Meine ersten Bücher waren Gespensterbücher.

 

 

Michael Schmidt: Sie sind berühmt für Ihre Kurzgeschichten. Was fasziniert Sie an dieser literarischen Form?

 

Uwe Voehl: Sie sind kürzer als Romane und viel schneller zu schreiben. Das ist der Hauptgrund. In meinen bisherigen Kurzgeschichten sehe ich in der Tat meine qualitativ besten Ergebnisse. Ich hoffe, eines Tages so weit zu sein, dieses Niveau auch über einen ganzen eigenständigen Roman zu erreichen. Allerdings bin ich auch relativ bequem. Für die Schublade habe ich keine Lust zu schreiben – es bedarf da schon einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass dieser Roman auch irgendwo veröffentlicht werden würde. Hallo – hört dies vielleicht irgendein Verleger??

 

 

Michael Schmidt: Manche Autoren schreiben ausschließlich allein, andere lieben es, gemeinschaftlich Geschichten zu schreiben? Zu welcher Gruppe gehören Sie? Und darf man sich irgendwann darauf freuen, einen gemeinsamen Roman mit Manfred Weinland zu lesen? Ich denke, dies würde doch gut passen, oder?

 

Uwe Voehl: Eine grandiose Idee? Wie wär’s, Manfred? Die wenigen Male, wo ich im Wechselspiel versucht habe, mit anderen zusammen zu schreiben, sind bislang leider im Sande verlaufen. Allein mit Malte S. Sembten habe ich einige sehr gelungene Horrorgeschichten geschrieben.

 

 

Michael Schmidt: Sie sind als Mitarbeiter und Autor in dem neuen Magazin „Arcana“ vertreten. Wie kam es dazu und darf man auf weitere Beiträge von Uwe Voehl hoffen?

 

Uwe Voehl: Die Verbindung kam durch Robert Bloch zustande, der für das Magazin etwas in der Art haben wollte, wie ich es für DAS DUNKLE ARCHIV ein Zeitlang geschrieben hatte. Das wäre aber zu aufwändig gewesen. Im Augenblick schreibe ich auch lieber Geschichten – eine neue habe ich ja dann auch für ARCANA geschrieben. Robert Bloch nannte das Ergebnis die „Geschichte einer partiellen Amnesie“ – nun ja, das ist sehr wissenschaftlich ausgedrückt für eine Horrorstory. Überhaupt mein Lieblingsthema: Die sogenannte „andere Wirklichkeit“, vor der uns nur unsere gewohnte Wahrnehmung schützt.

 

 

Michael Schmidt: So weit ich weiß, sind Sie nebenberuflich Autor? Wird das so bleiben? Oder kann man es sich als Genre-Autor in der Regel nicht leisten, hauptberuflich der Schriftstellerei nachzugehen? Gibt es andere Gründe?

 

Uwe Voehl: Die Schriftstellerei ist für mich der kreative Freiraum meines ansonsten eher reglementierten Lebens. Dieser Freiraum ginge eindeutig verloren, würde ich daraus einen Broterwerb machen.

 

 

Michael Schmidt: Welche Ihrer Kurzgeschichten können Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?

 

Uwe Voehl: Auch nach all den Jahren mag ich noch immer SCHWARZE HERZEN sehr. Von den aktuellen Geschichten geben sowohl meine Arbeiten in Arcana als auch in der von Malte S. Sembten herausgegeben Anthologie M@usetot (Verlag Robert Richter) aktuelle Lieblingstorys von mir wieder.

 

 

Michael Schmidt: Was dürfen wir in nächster Zeit von dem Autor Uwe Voehl erwarten?

 

Uwe Voehl: Weitere Bücher für Zaubermond, insbesondere COCO ZAMIS liegt mir sehr am Herzen. Als nächstes geht jedoch ein Jugendraum von mir in Erfüllung: Mein erster DÄMONENKILLER-Roman. Ich habe die Serie damals verschlungen – insofern ist es ein göttliches Gefühl, Dorian Hunter nun selbst ein wenig Leben einhauchen zu dürfen. Ich freu mich drauf!

 

 

Michael Schmidt: Sie sind seit 1979 als Autor in dem Geschäft. Was würden Sie heutzutage anders machen? Was würden Sie dem schriftstellerischem Nachwuchs in Deutschland als Ratschlag mit auf dem Weg geben?

 

Uwe Voehl: Also, so alt fühl ich mich noch nicht. Außerdem macht der sogenannte Nachwuchs das schon ganz gut.

 

 

Michael Schmidt: Sie debütierten 1979 als Herausgeber einer Anthologie im Vampir-Horror-TB. Sind Sie immer noch als Herausgeber tätig? Wenn nein, warum nicht?

 

Uwe Voehl: Ich habe vor einigen Jahren mit Malte S.-Sembten eine weitere Anthologie herausgegeben. Sie erschien als MAGIRA-Ausgabe im EDFC. Es ist sehr viel Arbeit damit verbunden. Im Moment schreibe ich lieber selbst.

 

 

Michael Schmidt: Welche literarischen Vorbilder besitzen Sie? Gibt es neben dem englischsprachigen Raum Autoren, die Sie beeindruckt haben?

 

Uwe Voehl: Haben ja. Im Moment lese ich allerdings so wenig andere Horrorliteratur, dass mich aktuell niemand inspiriert. Es sei denn aktuelle deutschsprachige Kurzgeschichten. Ich war vorgestern in einer Lesung des Detmolder Theaters. Drei Schauspieler lasen – sogar recht gekonnt – Geschichten von C. A. Smith, Edgar Allen Poe und Jean Ray. Während der Lesung stellte ich fest, dass mich die Texte kaum berührten. Ich glaube, die Horrorliteratur hat heutzutage leicht etwas Museumsreifes.

 

 

Michael Schmidt: Der Autor Uwe Voehl ist trotz seines „hohen Dienstalters“ relativ unbekannt. Woran liegt das?

 

Uwe Voehl: Wahrscheinlich an den Lesern. Nein, im Ernst: Ich bin immer wieder erstaunt und fühle mich geschmeichelt, dass überhaupt noch Leute meine alten Vampir- und Dämonenland-Hefte kennen! Ansonsten habe ich ja auch unter Pseudonym veröffentlicht. Viele glauben auch nicht, dass derjenige, der diesen trivialen Schund verzapft hat, identisch ist mit demjenigen Uwe Voehl, der immer mal wieder für diverse Smallpress-Magazine Kurzgeschichten schreibt. Trotzdem kann ich ja noch nicht einmal eine Storysammlung vorweisen.

 

 

Michael Schmidt: In der unheimlichen Phantastik waren die deutschsprachigen Autoren traditionell immer stark. Man denke nur an Hoffmann, Strobl und Ewers. Wo bleiben deren Enkel? Und welche Ursache hat deren Fernbleiben?

 

Uwe Voehl: Die Enkel gibt’s doch! Siehe Kai Meyer!

 

 

Michael Schmidt: Gibt es in der Schriftstellerszene Freundschaften? Wenn ja, mit wem fühlen Sie sich verbunden?

 

Uwe Voehl: Freundschaften sicherlich nicht im herkömmlichen Sinne. Aber doch sehr starke Affinitäten und eine Verbundenheit einigen Leuten gegenüber, zu denen ich eine tiefe Wesensverwandschaft empfinde. Ein Buch wie CASSINIS GESÄNGE wäre sicherlich nicht möglich, wenn zwischen Jörg Kleudgen und mir nicht auch eine persönliche Bindung vorhanden wäre. Die Art, wie wir uns kreativ ergänzen, führt zu äußerst befriedigenden Ergebnissen für mich.

 

 

Michael Schmidt: Welche Motivation haben sie beim Schreiben, überwiegt der Anspruch oder die Unterhaltung, ist es eine Gratwanderung?

 

Uwe Voehl: Die Romane – also Auftragsarbeiten – sollen natürlich in erster Linie unterhaltend sein. Jeder Leser erwartet dies heutzutage von einem Roman. Meine Kurzgeschichten schreibe ich nur für mich selbst. Sie erfüllen diese Erwartungshaltung des Lesers oftmals nicht, sind verstörender und rätselhafter, weil sie aus meinem Inneren kommen und sehr viel mehr mit meinen ureigensten Träumen und Ängsten zu tun haben.

 

 

Michael Schmidt: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft als Mensch und als Autor?

 

Uwe Voehl: Als Mensch: Zufriedenheit. Als Autor: Einmal den Deutschen Phantastik-Preis in Händen halten zu dürfen!

 

 

Michael Schmidt: Herr Voehl, wir bedanken uns für das informative Interview und wünschen Ihnen in Zukunft Gesundheit und Erfolg!

 

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Erstellt: 27.02.2006, zuletzt aktualisiert: 06.01.2016 18:04