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Spider von Michael Morley

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Schwer gezeichnet von seinen letzten Ermittlungen als Profiler in Diensten des FBI hat sich Jack King vor drei Jahren in der Toskana zur Ruhe gesetzt. Dennoch hängt ihm der Fall des Black River-Mörders immer noch nach, jenem brutalen Serienkiller, der nach zwei Dekaden immer noch nicht gefasst werden konnte und Jack bei seinem letzten Einsatz in den seelischen Ruin getrieben hat. Gerade jetzt, als King sich entschlossen hat, seine ständigen Alpträume therapieren zu lassen, wird der Fall wieder von Neuem aufgerollt. Ausgerechnet in Italien gibt es einen neuen Mordfall nach altbekanntem Strickmuster, und als schließlich das Grab des ersten Opfers des legendären Killers geschändet wird, scheint die fürchterliche Sensation perfekt. Gegen seine erste Überzeugung und den Willen seiner Frau Nancy entschließt sich Jack, den italienischen Behörden unter die Arme zu greifen und seine Qualitäten als Profiler anzubieten. Derweil empfängt sein ehemaliger Kollege in den Staaten ein Päckchen, das an Jack King adressiert ist – und den Kopf der geschändeten Leiche enthält. Für den frühzeitig pensionierten Ermittler gilt von nun an kein Weg mehr zurück…

 

 

Rezension:

Die Tatsache, dass Michael Morley in den Medien kein unbeschriebenes Blatt mehr ist und auf dem Themengebiet seines ersten Romans bereits eine Menge authentischer Erfahrungen gesammelt hat, wurde von Verlagsseiten zu einer kleinen Werbekampagne genutzt, in der „Spider“ als eines der Jahreshighlights im Thriller-Segment vorgestellt wurde. Dementsprechend stieg die Erwartungshaltung an Morleys Debüt ins Unermessliche und schürte Hoffnungen, die der Autor letzten Endes nicht halten konnte. Nun, zumindest im weitesten Sinne…

Bereits die Einführung in die Story bereitet dem einstigen Dokumentarfilmer große Schwierigkeiten, da er dem Leser nur schwerlich Zugang zu seinen tragenden Charakteren verschafft. Insbesondere das Drama um Jack King, der offenkundig immer noch nicht von den depressiven Folgen seines Zusammenbruchs kuriert ist und auch drei Jahre nach dem tragischsten Moment seiner ansonsten erfolgreichen beruflichen Karriere keine Zuversicht gewinnt, wirkt ein wenig farblos, da Morley relativ viel Zeit damit verbringt, sein Schicksal zu dokumentieren, ohne dabei jedoch genauer auf den Punkt gekommen. Das optimale Tempo gewinnt „Spider“ erst ab dem Moment, in dem die eigentliche Kriminalhandlung beginnt und die Brutalität des Killers als effizientes Mittel in die Geschichte eingebaut wird. Im ständigen Wechsel erfährt man vom brutalen Vorgehen der selbst ernannten Spinne und seinen auf zwei Kontinenten agierenden Jägern, die jedoch schier verzweifelt sind, weil die so unscheinbare Bestie makellos und sauber arbeitet – und seine Häscher sogar noch verspottet.

Und dennoch: Die Charakterzeichnungen sind Morleys prägnanteste Schwäche, und dies färbt sich auch auf die Entwicklung der Story ab, nicht zuletzt, weil die wichtigen Figuren nicht immer glaubwürdig und logisch handelt. Kings plötzlicher Umschwung auf den FBI-Sessel erscheint vor dem Hintergrund seines seelischen Zustands ebenso bedenklich wie sein entscheidungsfreudiger Weg zurück in die Staaten, der so gar nicht mit seiner bisweilen wackligen Familiensituation zu vereinbaren ist. Derartige Schönheitsfehler sind in den ersten Kapiteln leider häufiger zu finden, was insofern schade ist, dass „Spider“ sich im Gesamtverlauf doch noch zu einem packenden Thriller mausert, den man aber womöglich viel zu schnell abschreibt.

Im letzten Drittel packt Morley nämlich genau das aus, was man von den ersten Seiten an erwartet hatte: Packende Szenenwechsel, beängstigende Horror-Szenarien, drückende Spannung und ein meisterhaft inszeniertes Finale, welches sogar noch mit einer Reihe interessanter Überraschungen ausgestattet wird. Sieht man mal vom etwas kitschigen Hollywood-Finale ab, kommt dieser Roman den großen Erwartungen tatsächlich noch sehr nahe und entpuppt sich entgegen der ersten Befürchtungen als lesenswerter, brutal authentischer Vertreter des Psycho-Thriler-Genres.

 

 

Fazit:

Aller Anfang ist schwer; das muss auch Michael Morley zu Beginn seines Debütromans „Spider“ bitter erfahren. Doch von Seite zu Seite wird der erfolgreiche Analytiker in der neuen Materie sicherer und sorgt mit einem rasanten Schlusssport doch noch dafür, dass Spider“ eine nahezu bedingungslose Empfehlung erhält.

 

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Spider

Autor: Michael Morley

Broschiert: 448 Seiten

Verlag: Heyne (1. Dezember 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453406109

ISBN-13: 978-3453406100

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.02.2009, zuletzt aktualisiert: 30.11.2018 12:42