Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Spider von Michael Morley

Rezension von Christel Scheja

 

Serienkiller sind nicht gleich Serienkiller, das beweisen die vielen Fälle, die schon ans Tageslicht gekommen sind. Und als ob die Wahrheit manchmal nicht schon schrecklich genug wäre, entsinnen findige Krimi-Autoren immer noch weitere Abgründe der menschlichen Psyche. Auch „Spider“, der Debütroman des Autoren und Jornalisten Michael Morley schlägt in diese Kerbe.

 

Jack King, ehemals der beste Profiler des FBI hat den Dienst quittiert und sich mit Frau und Kind in die Toskana zurück gezogen, nachdem er fast an dem psychischen Druck zerbrochen wäre. Vor allem die letzten Verbrechen des „Black River“-Killer, eines Serienmörders der bereits seit zwanzig Jahren sein Unwesen treibt, hat an seinem Nervenzusammenbruch gearbeitet.

Seine Arbeit vergessen kann der ehemalige Agent jedoch auch in der Idylle der romantischen italienischen Landschaft nicht, so sehr er sich auch bemüht, diesen Wunsch und diese Bitte seiner Frau Nancy zu erfüllen. Immer wieder holen ihn die Erinnerungen und Alpträume ein und machen ihm zu schaffen. Und auch wenn er es nicht nötig hätte, so unterstützt er dann und wann die Freunde von der italienischen Polizei durch Rat und Tat.

Derweil exhumiert ein Unbekannter das erste Opfer des „Black River“-Killers und lässt das Skelett kopflos zurück, nur um den Kopf später wieder an das FBI zu schicken. Aber das ist noch nicht alles: „Spider“, wie sich der Mann selbst nennt, bereitet nicht nur seinen nächsten grausamen Mord vor und entführt dafür eine russischstämmige Prostituierte von den nächtlichen Straßen New Yorks, sondern beginnt auch noch einen anderen perfiden Plan vor zu bereiten in dessen Mittelpunkt Jack King persönlich steht.

Der ehemalige FBI-Agent fällt aus allen Wolken, als sich nicht nur seine Freunde aus des USA melden und ihm von den neusten Vorkommnissen erzählen, sondern sich auch noch ein einheimischer Bekannter mit einer dringlichen Bitte um Hilfe an ihn wendet, denn ein erst vor wenigen Wochen aufgetauchtes Mordopfer zeigt Spuren, wie sie nur der „Black River“-Killer hinterlassen kann. Deshalb sagt er zu, sich die Untersuchungsergebnisse genauer anzusehen und mit den Italienern auszuwerten.

Ihm schwant Schreckliches: Hat seine Nemesis nun den Kontinent gewechselt oder hier einen Nachahmer gefunden? Oder versucht er mit dieser Spur nur von seinen Untaten in den USA abzulenken?

Doch die Wahrheit die später ans Tageslicht kommt ist weitaus schrecklicher als sie sich selbst Jack King anfangs vorstellen kann...

 

Anders als viele seiner Mitautoren konzentriert sich Michael Morley nicht nur auf den Ermittler und sein Umfeld, sondern räumt dem Mörder und seinem Opfer fast eben so viel Raum ein.

Die Figuren werden durch kleine Beschreibungen ihres alltäglichen Lebens und ihrer Gefühle glaubwürdig und nachvollziehbar, auch die Nebenfiguren gewinnen durch eigene Szenen ein wenig Profil und fügen sich nahtlos in die atmosphärische Handlung ein. Und auch wenn die Identität des Killers doch lange im Schatten bleibt, so erhält man einen unheimlichen Einblick in seine geborstene Psyche und merkt etwas eher als die Ermittler, auf was er mit seinem derzeitigen Treiben eigentlich hinaus will.

Gespannt verfolgt man dann, ob Jack King und seine Umgebung darauf kommen und lässt sich dabei ohne es zu merken geschickt auf eine falsche Fährte locken. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Figuren wird eine starke Spannung aufgebaut, die sich fast filmreif bis zum Ende steigert. Es ist fast ebenso eine Erlösung für den Leser wie für die Opfer, wenn der Täter endlich aufgehalten, und die letzten seiner Gefangenen befreit sind. Auch wenn es dabei ein oder zwei kleine Schwächen in der Dramaturgie gibt, so liest man doch bei der inneren und äußeren Action gerne darüber hinweg.

 

„Spider“ überzeugt durch seine Figurennähe und die sich ständig steigernde Spannung. Vor allem mehrere überraschende Wendungen machen ihn zu einem interessanten und fesselnden Thriller, den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Spider

Autor: Michael Morley

gebunden, 448 Seiten

Heyne, erschienen August 2007

ISBN 978-3-453-26573-8

Übersetzung aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Titelbildgestaltung von Hauptmann und Kompanie

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 22.09.2007, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18