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Spuk im Pfarrhaus

Reihe: Sherlock Holmes - Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs Folge 2

Hörspiel

 

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Die drei Pfarrerstöchter Mabel, Freda und Kitty Bull sind auf dem Heimweg. Zwei von ihnen sind ein wenig gespannt, denn die dritte – Mabel – hat zu viel Likör getrunken und ist nun beschwipst. So bemüht man sich, möglichst unauffällig nach Hause zu kommen. Am Anwesen ihres Vaters erwartet sie auch die vierte Schwester, Dodie. Gerade als sie gemeinsam hineingehen wollen, sehen sie die geisterhafte Gestalt; Dodie nimmt all ihren Mut zusammen und tritt auf diese zu, doch sie löst sich sogleich in Luft auf. Es muss der Geist der unglückseligen Nonne sein, der auf dem Anwesen spukt. Unterdessen langweilt sich Holmes in London zu Tode und ist entsprechend unleidig. Sein Freund Dr. Watson und Mrs. Hudson versuchen ihn gerade zu einem kleinen Urlaub auf dem Lande zu überreden, als er einen Brief bekommt. Für Watson und Mrs. Hudson überraschend stimmt Holmes schnell zum Urlaub zu. Habe es vielleicht etwas mit dem Brief zu tun, will Watson wissen. Das könne durchaus sein: Ein Landpfarrer, ein gewisser Reverend Bull, bittet Holmes um Hilfe, da es in seinem Hause angeblich spuken solle; Holmes möge doch die Ursache dafür ergründen. Watson und Mrs. Hudson sind sofort Feuer und Flamme, doch Holmes zeigt sich skeptisch; indes klingt der Fall nicht uninteressant, und er hat momentan ohnehin nichts Wichtigeres zu tun – also auf zum Spukhaus. Ungewöhnlich kalte Flecken, ohne ersichtlichen Grund bimmelnde Dienerglöckchen und fallende Flaschen – und dann müssen Holmes und Watson sehr bald entdecken, dass nicht alle Bewohner des Pfarrhauses sie willkommen heißen.

 

Mit Spuk im Pfarrhaus geht Titania Mediens neue Hörspielreihe um den berühmtesten aller beratenden Detektive in die zweite Runde. Dieses Mal ist es ein Fall ohne bekanntes Vorbild: Es geht um die Frage, ob es im Anwesen des Reverends spukt bzw. was hinter den seltsamen Ereignissen steckt. Das Konzept ist keineswegs neu. Spätestens William Hope Hodgsons Schauergeschichten um den occult detctive Carnacki machen sich die strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Whodunit- und Geistergrusel-Plot zunutze: In beiden Fällen gilt es für den Protagonisten, die Umstände eines gegen die Gesetze (der Gesellschaft bzw. der Physik) Ereignisses aufzuklären. Hodgson nimmt sich hier die Freiheit, mal spiritistisch-okkultistische Phänomene und mal kriminelle Umtriebe Ursache der Ereignisse sein zu lassen. Das Motiv des scheinbaren Wunders ist sehr beliebt – es tritt z. B. regelmäßig in der Reihe Die drei ??? auf. Ganz gleich, welche Richtung diese Holmes-Reihe einnehmen wird, zumindest mit dieser Geschichte nähert sie sich wieder enger dem ursprünglichen Geist der Geschichten des Holmes Schöpfers Doyle an, was ich hinsichtlich der letzten Folge ein wenig moniert hatte.

Das Skript an sich ist wesentlich flüssiger als das der vorherigen Folgen, so vergeht die Zeit wie im Fluge. Allerdings sind einige Wendungen für meinen Geschmack zu sehr auf den Effekt getrimmt, dafür hinsichtlich der Charaktere der Figuren ein wenig zu inkonsequent; das sind meines Erachtens jedoch nur Nuancen – im Großen und Ganzen ist es ein sehr solides, gut unterhaltendes Skript. Auch wenn noch Luft nach oben ist, kann es so weitergehen.

 

Die Sprecherriege ist von der Größe her eher unauffällig: Es werden im Booklet zwölft Namen aufgezählt. Dafür gibt es ein paar andere Interessantheiten. So ist etwa die überwiegende Mehrheit nicht nur aus anderen Titania Medien-Produktionen bekannt, sondern ganz generell bekannt. Holmes, Watson und Mrs. Hudson werden wiederum mit den – ich glaube, es ist nicht voreilig zu sagen – Stammsprechern Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt und Regina Lemnitz besetzt; sie machen ihre Sache gewohnt gut. Reverend Bull wird von Lutz Riedel gesprochen, den man in puncto Hörspiel vielleicht aus CAINE, John Sinclair, Jan Tenner und sehr vielen weiteren Hörspielen kennen kann. Wie immer wunderbar. In kleineren Rollen treten Größen wie Marianne Groß (die Ehefrau des Pfarrers), Eva Michaelis (eines der Hausmädchen) oder Lutz Riedels Tochter Sarah Riedel (die Pfarrerstochter Freda) auf. Generell sind die Rollen ganz gut besetzt, allerdings fällt es etwas schwer zwischen den Stimmen der vier Töchter Dodie (Tanya Kahana), Kitty (Julia Stoepel), Freda und Mabel (Maria Koschny) zu unterscheiden. Schön ist auch die Leistung des relativen Newcommers Tobias Nath, der den Pfarrerssohn Harry spricht; seine Zornesausbrüche kann er jedoch noch variabler gestalten. Nath ist mir nur aus anderen Titania Medien-Produktionen bekannt.

Alles in allem ist die Performanz der Sprecherriege durchgängig gelungen, teilweise sogar sehr schön.

 

Hinsichtlich der Inszenierung hat sich wenig geändert: Sie ist gemäßigt modern – so gibt es keinen Erzähler im eigentlichen Sinne, auch wenn Watsons Figur dessen Funktionen anfangs gelegentlich, später noch seltener wahrnimmt. Die Musik wird wieder als Untermalung und als Überleitung verwendet; bei ihr handelt es sich um Orchestralmusik, wobei Klavier, Streicher und Hörner mit walzerhaften Melodien dominieren. Sie ist meines Erachtens bisweilen ein Quäntchen zu lebhaft und zu fröhlich geraten. An der Verwendung der Geräusche hat sich nichts geändert: Sie werden sehr häufig untermalend verwendet.

Sieht man also von diesen etwas zu fröhlich geratenen Momenten ab, so ist die Inszenierung wiederum als gut gelungen zu bezeichnen.

 

Fazit:

Reverend Bull bittet Meisterdetektiv Holmes um Hilfe, denn es scheint in seinem Anwesen zu spuken – Holmes indes muss bald erkennen, dass er und sein Freund Dr. Watson nicht von allen Bewohnern positiv aufgenommen werden. Spuk im Pfarrhaus ist meines Erachtens besser als die vorherige Folge: Der Plot ist dichter am Originalholmes und dichter gestrickt, in Bezug auf Sprecherriege und Inszenierung kann das gewohnt hohe Niveau des Labels gehalten werden. Titania Medien ist eindeutig auf dem richtigen Weg.

 

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Spuk im Pfarrhaus

Reihe: Sherlock Holmes - Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 2

Buch: Marc Gruppe

Produzent: Stephan Bosenius und Marc Gruppe

Titania Medien, Oktober 2011

Umfang: 1 CD

Laufzeit: ca. 75 Minuten

 

ASIN: 3785745257

 

Erhältlich bei: Amazon

SprecherInnen:

  • Joachim Tennstedt
  • Detlef Bierstedt
  • Regina Lemnitz
  • Lutz Riedel
  • Tobias Nath
  • Tanya Kahana

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.11.2011, zuletzt aktualisiert: 13.11.2018 18:06