Stadt des Wahnsinns von Kirsten J. Bishop

Rezension von Christel Scheja

 

Auch im Bereich der dunklen Phantastik sind australische Autoren am Kommen. Wieder einmal präsentiert Piper mit Kristen J. Bishop eine junge Schriftstellerin von „Down Under“. „Stadt des Wahnsinns“ ist ihr Debütwerk, das so ganz und gar nichts mit den zunächst eher süßlichen Welten von Sara Douglass oder Elisabeth Haydon zu tun hat.

 

Das Kupferland ist nach einem großen Krieg zu einer zerstörten Einöde geworden, in dem das Recht des Stärkeren regiert und Aasgeier wie besessen über die Reste herfallen. Durch diese Lande ziehen der Söldner Gwynn und die Ärztin Raule und schlagen sich so gut sie können durch. Jeder von ihnen hat seine Erfahrungen gemacht und ist dadurch bitter und misstrauisch geworden.

Das kommt ihnen zu Gute, als sie sich in der verruchten Stadt Ashamoil nieder lassen. Vor allem Raule hat sehr schnell raus, dass das Bollwerk in seinem inneren verfault ist, Dekadenz, Korruption und Perversion regieren. Morbide Künstler und grausame Verbrecher wie der Sklavenhändler Elm regieren die Stadt und ihre Bewohner mit dunkler Gewalt.

Die Ärztin lernt schnell, sich anzupassen und nichts zu den mutierten Kreaturen zu sagen, die sie in den Elendsvierteln Ashamoils findet, und die ihr manchmal fast schon menschlicher erscheinen als der Rest der Bevölkerung. Sie verdient mehr schlecht als recht ihr Geld und gönnt sich hin und wieder ein kurzes Vergnügen, während Gwyn immer tiefer in die Stadt und ihre Geheimnisse eintaucht.

Doch dann kommen die beiden einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das nicht nur die Grundfesten Ashamoils erschüttern, sondern auch ihr Leben ganz schnell beenden könnte.

 

„Stadt des Wahnsinns“ ist kein typischer Fantasy-Roman, da die Kristen J. Bishop immer wieder irritierende, fast moderne Elemente eingebaut hat. Es ist schwer zu erklären, denn so archaisch manches auch beschrieben wird, so wird man den Eindruck nicht los, es mit einem postapokalyptischen Hintergrund zu tun zu haben. Das gibt dem Roman eine eigentümliche und vor allem zeitlose Atmosphäre, die zur Handlung passt.

Die Autorin baut ihre Geschichte über die Figuren spannend auf und macht neugierig auf die Geheimnisse Ashamoils, allerdings verliert sie zum Ende hin einige der Fäden aus der Hand und konzentriert sich lieber auf das Schicksal ihrer Helden als sich weiter mit den wirklich interessanten Themen zu beschäftigen. Das lässt den Leser am Ende etwas durchaus ratlos und verärgert zurück. Nach dem vielversprechenden Anfang hat man doch etwas mehr Phantasie und Geschick von Kristen J. Bishop erwartet. Es reicht leider nicht nur, sich in kryptischen Andeutungen und düsteren Beschreibungen zu ergehen.

 

Das macht „Stadt des Wahnsinns“ zu einem ziemlichen durchwachsenen Roman, der zwar inhaltlich und stilistisch zunächst überzeugen kann, dann jedoch bitter in beiden Bereichen enttäuscht. Zu schnell verfällt die Autorin in oberflächliche Effekthascherei und verschenkt viele der Möglichkeiten, die sie sich selbst geschaffen hat. Daher sollte man sich schon überlegen, ob man dem Roman eine Chance geben möchte oder nicht.

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Stadt des Wahnsinns

Autor: Kirsten J. Bishop

Piper, Mai 2007

Taschenbuch, 414 Seiten

ISBN 978-3-492-29158-3

Übersetzung von Birgit Reß-Bohusch

Titelbild von Peter Bergting

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 21.05.2019 18:01 | Users Online
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