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Stalker von John Saul

Rezension von Carina Schöning

 

Für die siebzehn-jährige Lindsay Marshall bricht plötzlich eine Welt zusammen. Ein Jahr vor ihrem Abschluss an der Highschool auf Long Island wollen ihre Eltern unbedingt umziehen und zwar ausgerechnet nach Manhatten - in die stinkige und anonyme Stadt. Ihre Eltern versuchen ihr die Gründe für den geplanten Umzug zu erklären, doch Lindsay will sich lieber auf ihr Cheerleader-Training und ihre beste Freundin Dawn konzentrieren. Ihre Bockigkeit und das Gemeckere helfen aber auch nichts. Alles ist bereits beschlossene Sache und ihre Mutter Kara hat auch schon einen schmierigen Immobilienmakler gefunden, der ihr schönes, selbstgebautes Haus schnell verramschen wird.

 

Als die Marshalls jedoch nach der öffentlichen Wohnungsbesichtigung nach Hause kommen, stellen sie fest, dass auf einmal Lindsay fehlt. In ihrem Zimmer brennt Licht und die verschwitzen Trainingssachen liegen im Wäschekorb, aber von ihrer geliebten Tochter fehlt jede Spur. Für die Polizei sieht alles nach dem klassischen Verhalten eines unreifen Teenagers aus, doch Kara glaubt nicht daran. Lindsay war nie der Ausreißer-Typ, nahm keine Drogen und hatte auch keine Geheimnisse vor ihren Eltern. Während Steve nach und nach zur Normalität zurück kehrt und wieder seine Arbeit als Anwalt aufnimmt, dreht Kara fast durch. Sie veranstaltet Mahnwachen, verteilt Flyers in der Stadt und bangt sogar im öffentlichen Fernsehen um das Leben ihrer entführten Tochter. Immer mit der Hoffnung, dass Lindsay irgendwo dort draußen noch lebt…

 

Doch die Polizei hat keine Beweise und der Entführer besucht weiterhin ungesehen die Wohnungsbesichtigungen der ortansässigen Makler in Long Island. Sein Auge fällt auf die junge und hübsche Ellen Fine. Wie auch Lindsay soll sie Gast auf seiner kleinen Teeparty werden.

 

Anfangs wird in „Stalker“ die Geschichte einer ganz normalen amerikanischen Kleinfamilie erzählt. Der Vater arbeitet als Anwalt in Manhattan und ist ständig hin und her gerissen zwischen dem beruflichen Druck und den familiären Pflichten. Die Mutter dagegen bleibt, aus welchen Gründen auch immer, zu Hause und vertreibt sich ihre Zeit mit Wohltätigkeitsarbeiten in der Nachbarschaft. Die Tochter ist ein unreifer Teenager und hat hauptsächlich Cheerleading und Jungs im Kopf. Für alle beginnt mit der Entführung von Lindsay ein wahrer Alptraum und John Saul schildert eindringlich und intensiv die Gefühle und Ängste der Figuren. Das Ganze ist zwar nicht unbedingt neu und originell, aber durch den sehr guten Schreibstil des routinierten Vielschreibers sehr spannend und durchaus realistisch gestaltet. Zwischendurch berichtet der noch unbekannte Entführer seine Sicht der Dinge. In kurzen Tagebucheinträgen und Monologen erfährt man genaueres über sein krankes Weltbild und die zwiespältigen Gefühle zu seinen Opfern.

Danach kommt allerdings recht schnell die Ernüchterung. Auf den letzten 50 Seiten folgt die Auflösung und man kann als Leser nur enttäuscht den Kopf schütteln. Schon vorher kann man erahnen, wer wirklich der Entführer ist, aber nun werden vom Autor schnell noch scheinbar plausible Gründe für die Tat hinterher geschoben. Das Ganze wirkt dann sehr abgehackt und es entsteht der Eindruck, dass der Autor mit dem Roman einfach nur schnell fertig werden wollte und lieblos ein unglaubwürdiges Ende zusammen gebastelt hat - Schade, denn „Stalker“ hatte wirklich Potenzial zum Pageturner und John Saul hat schon mehrfach bewiesen, dass er als Autor mehr drauf.

 

Insgesamt ist „Stalker“ daher leider nur ein mittelmäßiger Psycho Thriller um einen geisteskranken Entführer geworden. Sehr spannend und mitreißend im Mittelteil, versaut das enttäuschende Ende den positiven Gesamteindruck. Was bleibt ist lockere Unterhaltung für die dunklen Winternächte.

 

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Stalker

ADeutsche Erstausgabe 12/2007

Amerikanische Oringinalausgabe „Perfect Nightmare“

Heyne Verlag

Paperback, 383 Seiten

ISBN 978-3-453-43252-9

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 12.01.2008, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18