Vol. 1. 1977-1979 (Star Wars Comics Library)
 
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Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979

Rezension von Ingo Gatzer

 

»A long time ago in a galaxy far, far away …«: Bevor diese berühmten Worte über Kinoleinwände flimmerten, gab es den Krieg der Sterne bereits in Comic-Form. Der Verlag TASCHEN widmet den ersten 23 Comic-Ausgaben mit Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977-1979 nun ein eigenes Buch.

 

Wer die XXL-Werke des TASCHEN-Verlags noch nicht kennt, dürfte eine Überraschung überleben, wenn er oder sie den schmucken Hardcover-Band erstmals in Händen hält. Das liegt nicht nur an der beachtlichen Anzahl von 680 Seiten. Auch Abmessungen und Gewicht – 28 × 7,6 × 39,5 cm bzw. rund 5,6 kg – haben es in sich. Das große Format sorgt dafür, dass die Zeichnungen perfekt zur Geltung kommen und sich die oft langen Paneltexte gut lesen lassen. Dabei ist die Reproduktion durchgängig hochwertig.

 

Doch am Anfang des Bandes stehen nicht die Comics, sondern ein umfangreicher Essay. Hierfür konnte TASCHEN Peter Sanderson gewinnen – eine hervorragende Wahl. Denn Sanderson ist nicht nur ein anerkannter Experte für US-Comics, sondern war auch der erste offizielle Archivar des Verlags, der Star Wars erstmals in Bildern präsentierte: Marvel. Nicht nur kenntnisreich, sondern auch spannend zeichnet der Autor die Vorgeschichte der Veröffentlichung nach. So erfahren Leserinnen und Leser etwa, dass Marvel anfangs gar nicht so erpicht darauf war, die Abenteuer von Luke, Leia und Co. zu veröffentlichen. Aber das Team um George Lucas machte dem Haus der Ideen ein Angebot, das es nicht ablehnen konnte: kostenlose Lizenzrechte bis zu 100.000 verkauften Exemplaren. Da die Auflage bald ein Vielfaches erreichte, erwiesen sich die Sternenkriege bald als Glücksfall für alle Beteiligten. Aufgelockert ist der Essay durch zahlreiche Fotos und Abbildungen – inklusive der klassischen Comiczeichnungen.

 

Dann ist es Zeit für die Comics, die mehr als eine reine Adaption des Films sind. Das liegt auch daran, dass die ersten Hefte erschienen, bevor Lucas seine Vision auf der Kinoleinwand präsentierte. Dem Kreativteam um Comic-Autor Roy Thomas und Zeichner Howard Chaykin standen nur das Skript und eine vorläufige Fassung zur Verfügung. Die Comics sollten aus Sicht von George Lucas vor allem den Film promoten. Dementsprechend gibt es für Fans spannende Unterschiede zu entdecken. So räumt die Comicversion Lukes Jugendfreund Biggs Darklighter eine größere Rolle ein. Der passt gut zur Story, hätte aber wohl den Film zu lang gemacht. Für das Comic ist er ein Gewinn und verleiht der Story zusätzliche emotionale Tiefe.

 

Roy Thomas gelingt es, die Geschichte von Star Wars: A New Hope in den ersten sechs Comics-Heften überzeugend in ein anderes Medium zu übertragen. Dabei baut er am Ende der einzelnen Hefte immer wieder Cliffhanger ein, bleibt aber der Vorlage treu. Auch die Zeichnungen von Howard Chaykin sehen auch nach einem halben Jahrhundert noch größtenteils ansprechend aus. Gut trifft der Künstler Han Solo, Obi-Wan-Kenobi und Leia Organa. Dagegen werden seine Zeichnungen von Luke Skywalker bzw. Mark Hamill etwas weniger gerecht.

 

Packend gestaltet Chaykin vor allem die Auftritte von Darth Vader und den Kampf um den Todesstern. Etwas enttäuschend fällt die Gestaltung bezüglich Jabba the Hutt und der berühmten Cantina-Szene aus. Allerdings gab es hier keine fertige Filmvorlage. Die Kolorierung ist größtenteils gelungen. Fans dürften das rote Lichtschwert von Luke Skywalker zwar befremdlich finden. Aber auch hier fehlten ein fertiger Film oder Aussagen von Lucas bezüglich der Farbsymbolik. Die einzige echte Farbschwäche stellen einige Panels dar, die das Innenleben des Todessterns zeigen. Denn hier trieb es der Kolorist manchmal zu bunt.

 

Nach den ersten sechs Comic-Ausgaben, die den Film behandelten, stand Roy Thomas vor einem Dilemma. Denn er musste Storys kreieren, die nichts an der intergalaktischen Gesamtsituation ändern durften. Zudem sollte er bestimmte Figuren zunächst nicht behandeln. So war etwa ein spannender Charakter wie Darth Vader erst einmal tabu. Also konzentrierte sich Thomas zunächst vor allem auf die weiteren Abenteuer von Han Solo und Chewbacca. Das Ergebnis kann nicht ganz mit den ersten Heften mithalten. So fällt etwa die Auseinandersetzung mit Raumpiraten etwas enttäuschend aus. Insgesamt liest sich das Ergebnis aber dennoch immer noch mehr als passabel.

 

Später orientiert sich Thomas beim Plot an Klassikern wie Die sieben Samurai, der ja auch Lucas maßgeblich beeinflusst hat. Es gibt darüber hinaus Verweise auf Don Quichotte ("Don-Wan Kioti") und auch für einige spätere Werke im Universum von Star Wars dienten die Comics offensichtlich als Fundgrube. Dementsprechend gibt es für Fans viel zu entdecken. Thomas beantwortet außerdem Fragen, die die Hauptfilme schuldig bleiben  – etwa: Warum hat Han Solo bei Jabba nach der Zerstörung des Todessterns nicht seine Schulden bezahlt? Zudem gibt es eine Storyline um Luke und Leia und deren Suche nach einem neuen Rebellenstützpunkt, die allerdings lange eher am Rande dahinplätschert.

 

Trekkies erleben sogar eine kleine Überraschung. So treffen Han Solo und Chewbacca in einer Ausgabe auf einen Borg (»Half Human … Half Mechanical Droid«). Bis die Föderation der Planeten und Captain Picard in Star Trek auf die berüchtigte Rasse stoßen, sollte es bekanntlich noch Jahre dauern. Allerdings wählten wohl die jeweiligen Autoren einfach eine Kurzform des Begriffs Cyborg.

 

Dann folgt die Lichtschwertübergabe an andere Kreative. Scriptwriter Tom Glut  bleibt dem Stil weitgehend treu, auch wenn Han Solos Entscheidungen hier nicht immer ganz zu seinem schlitzohrigen Charakter passen wollen. Zeichner wie Carmine Infantino lassen ab Ausgabe 11 nicht nur die Technik im Allgemeinen und speziell die Raumschiffe ansprechender aussehen. Auch die Mimik von Chewbacca ist jetzt differenzierter und wirkt aussagekräftiger.

 

Als neuer Stammautor verbindet Archie Goodwin die Geschichten von Han, Chewbacca, Luke und Leia endlich wieder. Dabei setzt Goodwin zunächst vor allem auf Raumpiraten- und Monster-Action, kommt dann später aber auch auf vergangene Hefte wie den »Die sieben Samurai«-Plot zurück. Qualitativ ab fällt allerdings Heft 17 mit einer wenig spannenden Geschichte aus Lukes Vergangenheit. Doch danach gelingt Goodwin mit der sechsteiligen Wheel-Storyline ein echtes Highlight. Neben einem interessanten Antagonisten kommt auch endlich wieder der Hauptgegner der Rebellen ins Spiel: das Imperium. Und schließlich darf sogar Darth Vader auf den Plan treten.

 

Es bleiben unter dem Strich zwei kleine Haken. Zum einen ist der ganze Band in englischer Sprache gehalten. Wer allerdings auch nur durchschnittliches Schulenglisch beherrscht, sollte bei der Lektüre keine größeren Probleme haben. Zum anderen mutet der Preis von 175 Euro zunächst ambitioniert an. Letztlich sind das aber auch nur 7,60 Euro pro Comicheft im konkurrenzlosen XXL-Format, wobei es den Essay sowie Informationen zu Künstlern und den einzelnen Heften am Ende des Bandes noch als Gratisbeigabe gibt.

Fazit

»Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977-1979« ist nicht nur aus comichistorischer Sicht interessant, sondern fast durchgehend auch nach rund einem halben Jahrhundert noch eine faszinierte Reise in eine weit entfernte Galaxie, die viele liebgewonnen haben. Qualitativ stechen das erste und das letzte Viertel  – die »A New Hope«- und »The Wheel«-Storyline positiv heraus. Zusätzlich bietet der Band durch einen Essay, Bilder und Hintergrundinformationen reichlich von dem oft beschworenen Mehrwert.

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Comic:

Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977-1979

Herausgeber: Paul Duncan

Autoren: Roy Thomas und Archie Goodwin

Zeichner: Howard Chaykin und Carmine Infantino

Essay: Peter Sanderson

Sprache: englisch

gebundene Ausgabe, 680 Seiten

TASCHEN Verlag, 2026

 

ISBN-10: 3754405799

ISBN-13: 978-3754405796

 

Erhältlich bei TASCHEN


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Erstellt: 08.08.2026, zuletzt aktualisiert: 01.09.2026 16:00, 26683