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Strange Brigade

Rezension von Cronn

 

Als ich den Lichtkegel auf den Spiegel ausgerichtet habe, öffnet sich das Tor und ich kann weitergehen. Ein paar Stufen weiter hinab öffnet sich der Gang zu einer Plattform und ich kann eine pittoreske Szenerie überblicken:

Unter mir erstreckt sich eine grasbewachsene Steppe, eingekesselt von Canyon-Bergen in der Ferne. Überall blühen seltsame Blumen, Papageien flattern durch die Lüfte und untote Mumien wanken umher.

Untote Mumien?

Na, das ist ja mal ein typischer Fall für die »Strange Brigade«! Als Mitglied dieser Spezialeinheit bin ich hier auf dem Gelände der Ausgrabungsstätte unterwegs, um herauszufinden, was mit der britischen Expedition geschehen ist. Inzwischen kann ich mir jedoch denken, dass niemand mehr am Leben ist, wenn ich all die Mumien dort unten sehe.

Ich laufe hinab und ziehe mein treues Gewehr vom Rücken. Sobald mich die Untoten gesehen haben, wanken sie auf mich zu.

In aller Ruhe kann ich einen nach dem anderen ausknipsen. Doch halt! Von hinten hat mich einer der Gesellen erwischt. Ich wirbele herum und trete ihn fort. Dann halte ich mit dem Gewehr drauf.

Es sind zu viele! Von allen Seiten strömen sie auf mich ein. Da habe ich eine Idee!

Dort hinten steht eine Klingensäule. Ich aktiviere sie und sehe zu, wie die rotierenden Säbel die Untoten für mich gleich im Dutzend zerhäckseln. Oh, welche Wohltat!

Doch noch bin ich nicht am Ende meiner Reise angelangt.

Dort hinten verhindert eine Tür mein Fortkommen. Ob die darüber angebrachten Hieroglyphen mir beim Öffnen möglicherweise helfen könnten?

Egal wie meine Chancen stehen, ich muss es versuchen …

 

Strange Brigade heißt das neueste Werk der Sniper-Elite-Macher von Rebellion Software aus England. Kenner werden bereits hellhörig, wenn sie die Namen hören. Rebellion Software ist inzwischen ein Urgestein der Entwickler-Szene und bekannt für Alien vs. Predator und »Sniper Elite«. Aber auch Zombie Army steht auf ihrem Portfolio und damit hat das neueste Werk einiges gemeinsam.

 

Hintergrund:

In einem fiktionalen 30er-Jahre Setting ist das Game angesiedelt. Man spielt als Teil einer britischen Spezialeinheit, der sogenannten »Strange Brigade«. Darin versammelt sind vier Spezialisten, Archimedes de Quincey, Nalangu Rushida, Gracie Braithwaite and Frank Fairburne, jeder mit speziellen Charakterhintergründen und Fähigkeiten.

Die vier sind von der britischen Krone beauftragt, einer vermissten Grabungsexpedition hinterherzureisen. Dabei stellen sie fest, dass die altägyptische Hexenkönigin Seteki von jenen freigelassen wurde. Deren Geist versucht nun die Welt zu unterjochen und schickt ihre Horden von Mumien los. Es liegt nun am Spieler, dies zu vereiteln.

Die Story reiht Klischee an Klischee und gerade daraus bezieht sie ihren Reiz. »Strange Brigade« nimmt sich zu keiner Zeit ernst und das ist sehr erheiternd.

Das Spiel erzählt seine Story auf mehreren Ebenen. Zum einen gibt es die Anfangssequenzen, welche den Spieler auf die jeweilige Mission einstellen. An Bord eines Zeppelins, dem fliegenden Hauptquartier der Strange Brigade, bekommt man von der Regierung per Funk die Anweisungen. Dies ist in Schwarz/Weiß gehalten, was den Hintergrund hat, dass »Strange Brigade« in einer Art fiktiver 30er-Jahre-Setting spielt, was zusätzlich dadurch ironisch gebrochen wird, dass das Spiel wie eine Vorfilm-Serie a la Buck Rogers wirkt. Eine weitere Ebene sind die im Spiel gefundenen Bücher, aber die zeigen nur winzige Teile jeweils. Was den Stil besonders prägt ist der im Hintergrund stets präsente Erzähler, der die Ereignisse des Gameplays in der typischen Art der Serial-Filme kommentiert. Das ist wunderbar selbstironisch, kann aber auf Dauer den einen oder anderen Spielertyp nerven.

Dem Rezensenten hat es aber hervorragend gefallen.

 

Gameplay:

»Strange Brigade« ist ein 3d-Person-Shooter, bei dem man die eigene Spielfigur in Tomb-Raider-Art von hinten sieht.

Man ist als Spieler in recht verzweigten Arealen, oft unter freiem Himmel, unterwegs. Dennoch kann man sich eigentlich kaum verirren, da immer wieder die Nebenwege bei Schatztruhen enden und man zurück zum Hauptweg gehen muss.

Das Gameplay erschöpft sich aber nicht im Abschießen von Mumien, sondern man muss auch Rätsel lösen, um weiterzukommen. Das sind mal simple Verschieberätsel, dann Kombinationsrätsel, Zeiträtsel oder auch Rätsel, bei denen man erst nach einigem Nachdenken auf die Lösung kommt. Diese Rätsel sind hervorragend in das Setting eingebaut und spielen mit Hieroglyphen, Skarabäen und dergleichen die typischen Elemente eines Ägypten-Szenarios aus.

Auch die Gegner sind genretypisch angehaucht. Dabei variieren sie aber von einfachen Mumien, über akrobatische Ghoule oder Speere werfende Tempelwächter und dergleichen mehr. Für Abwechslung ist gesorgt, da die Gegner nicht nur unterschiedlich aussehen, sondern auch unterschiedliche Taktiken erfordern. Sie werden zudem beim ersten Aufeinandertreffen spektakulär in Szene gesetzt und zwar im Stil alter Schwarz/Weiß-Filme, was zum allgemeinen Stil des Games passt.

An Schatztruhen findet man Geld und Power-Up-Amulette. Damit kann man seine Waffen modifizieren und so beispielsweise ihnen mehr Durchschlagskraft verleihen und dergleichen mehr.

Auch findet man immer wieder einmal Bücher in den Truhen mit kleinen Hintergrundgeschichten. Dies ist nett gemacht, aber auch nicht mehr.

Das Spieltempo und der Spielfluss sind sehr gelungen austariert. Stets wechseln sich Rätsel- mit Action- und Erkundungspassagen ab. Und gerade wenn Langeweile droht, kommt mit einem neuen Gegnertyp oder einem veränderten Rätseldesign die rechte Abwechslung auf.

Auch neue Waffen, die man hier und da in Kisten findet, tragen dazu bei und die Möglichkeit sie mit gesammelten Power-Ups aufzuwerten.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »Strange Brigade« basiert auf der Engine, welche auch unter der Motorhaube von »Sniper Elite« arbeitet. Sie ist dazu in der Lage, viele Details bei guter Texturierung und dennoch angenehm hoher Framerate zu produzieren. Große Außenlevel stellen keine Probleme dar. An manchen Stellen bleibt man automatisch stehen und blickt sich in der Landschaft um, so wunderschön detailliert und farbenprächtig sind die Level gestaltet. Ein großes Lob an die Grafiker von Rebellion, die hier großes Stilgefühl bewiesen haben. »Strange Brigade« ist ein Augenschmaus, weil es stilvoll ist und nicht, weil es mir Grafikpower blendet. Chapeau!

Im Soundbereich ist fast nichts im Argen, im Gegenteil. Der Dschungel wird mit seinen unterschiedlichen Sounds toll in Szene gesetzt und auch die Waffen klingen prima. Einzig die Mumien sind ab und an etwas zu leise, geradezu wortkarg – aber das passt ja irgendwie auch.

 

Mehrspieler:

Trotz mehrerer Versuche konnte der Koop-Part des Spiels nicht getestet werden, da Internet-Partner fehlten.

 

Fazit:

»Strange Brigade« ist ein Überraschungshit von Rebellion, der wunderbar selbstironisch daherkommt, ohne sich in reiner Referenz auf die Filme der 30er-Jahre zu verlieren. Mit Eigenständigkeit im Charakterdesign, einer ordentlich gelungenen Story (die allerdings gezwungenermaßen mit Klischees arbeitet) und vor allem einem interessant-abwechslungsreichem Gameplay überzeugt das gut ausschauende »Strange Brigade« stilsicher den Gamer, der auf Action-Kracher im Stil von Indiana Jones steht.

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PC-Spiel:

Strange Brigade

Rebellion Software, 28. Aug. 2018

 

Erhältlich bei: steam


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Erstellt: 14.09.2018, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 09:20