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Stunde der Buße von Tracy Gilpin

Rezension von Tanja Thome

 

Im Dezember 2008 veröffentlichte Heyne den Erstling einer Autorin namens Tracy Gilpin aus Südafrika. 432 Seiten umfasst das Taschenbuch, dessen Klappentext sich einladend liest und von dem Hinweis „Spannung pur: Die Neuentdeckung aus Südafrika“ begleitet wird.

 

Dunai Marks betritt morgens das Bürogebäude, in dem sich die Organisation STOP, die sich für Geburtenkontrolle einsetzt, befindet. Für Dunai ist es ein großer Tag und sie hat extra Kekse gebacken, denn auf den Tag genau zwei Jahre lang arbeitet sie für die Organisation und ihre Chefin Siobhan, die ihr wie eine Mutter ist. Das gute Verhältnis und die familiäre Atmosphäre sind es, die Dunai, die zuvor jeden Job kurzerhand geschmissen oder wegen ihrer direkten, aufbrausenden Art verloren hat, bei STOP halten.

 

Als sie Siobhans Büro erreicht, findet die Freude über dieses Jubiläum ein jähes Ende, denn Siobhan ist tot. Während Dunai auf die Polizei wartet, schwört sie der Toten, ihren Mörder ausfindig zu machen. Doch das gestaltet sich schwieriger, als man denken könnte. Die Polizei geht von einem Einbruchsverbrechen aus und scheint nicht allzu sehr daran interessiert zu sein, Siobhans Tod aufzuklären.

 

Dunai gibt nicht auf, doch unerwartet findet sie sich in einem Netz voller Intrigen wieder und muss erkennen, dass sie selbst sich nicht sicher fühlen kann, so lange sie nach Siobhans Mörder sucht. Und so ominös wie ihre Gegner scheinen auch Dunais auftauchende Helfer zu sein.

 

Vorweg: Der ungeübte Krimi- und Thrillerleser braucht vielleicht ein Viertel des Gesamtumfanges, der geübte hingegen nur etwa ein Achtel, bis das gesamte Konzept des Romans auf der Hand liegt. Sicherlich treten hier und da neue Verwicklungen und Personen auf, die aber rasch als Ablenkungsmanöver enttarnt werden können.

 

Tracy Gilpin ist es nicht gelungen, einen wirklich spannenden und packenden Thriller zu verfassen. Dass es sich bei „Stunde der Buße“ um einen Erstling handelt, ist deutlich heraus zu lesen. Die besondere Kulisse, Südafrika beziehungsweise Kapstadt, findet keinen besonderen Niederschlag in der Handlung, einzig Geburtenkontrolle und Apartheid sind eingebrachte Themen, was nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, dass die Autorin seit ihrer Jugend selbst aktive Apartheidsgegnerin ist.

 

Die Charaktere hingegen sind enorm klischeebehaftet und damit selten glaubhaft dargestellt. Seitenweise werden Details kleinschrittig erläutert, Personen und Orte ausschweifend beschrieben. So dauert allein die erste Szene, in der Dunai das Gebäude erreicht, ihre Chefin findet, die Polizei erscheint und eine erste Befragung stattfindet, mehr als fünfzig Seiten – und ähnlich geht es weiter. Dass bei dieser Weitschweifigkeit keine Atmosphäre und schon gar keine Spannung aufkommen kann, liegt auf der Hand. Hinzu kommen größtenteils gestellte, unwirkliche Dialoge, bei denen das Verhalten der Beteiligten nicht einmal unbedingt zum Gesagten passt.

 

Natürlich sind auch sämtliche Auflösungen letztlich voller Klischees und somit völlig vorhersehbar.

Nein, durch Spannung glänzt dieser Erstling nun wirklich nicht. Wer diesen Titel geschenkt bekommt und kein anderes Buch zur Auswahl hat, kann mit ihm ein paar nette Stündchen verbringen, wenn es eher ums Lesen als solches geht und nicht um den Anspruch, ansonsten ist diese Neuentdeckung aus Südafrika leider keine Empfehlung, sondern die Lektüre für Krimifreunde sogar eher ein zähes bis ärgerliches Unterfangen.

 

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Stunde der Buße

Autor: Tracy Gilpin

Übersetzer: Jens Plassmann

Seiten: 432

Aufmachung: Taschenbuch

Verlag: Heyne

Erschienen: Dezember 2008

ISBN: 978-3-453-43349-6

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.02.2009, zuletzt aktualisiert: 30.11.2018 12:42