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Supergoof

Reihe: Heimliche Helden Bd.1

Rezension von Jörg Pacher

 

Denn guten Goofy kennt wohl jeder. Sein Superhelden-Alter-Ego kann dagegen als um einiges obskurer angesehen werden.

Dabei war Supergoof in den ganz frühen Achtzigern im deutschen Sprachraum mit einiger Wahrscheinlichkeit der erste Superheld, dem man als sehr, sehr junger Mensch begegnen konnte. Im Klima rund um das, was die Zeitgenossen wohl Friedensbewegung nannten, wurden Superheldencomics mit ihrer stilisierten Gewalt rundherum abgelehnt. Im Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender hatten die amerikanischen Superhelden sowieso keinen Platz. Und Privatfernsehen gab es auch noch nicht.

Mickey-Maus-Hefte wurden einem da schon eher zugesteckt. Und dort drin waren eben auch die Abenteuer von Supergoof (im englischsprachigen Original „Super Goof“) zu lesen. Wenn Universaltolpatsch Goofy zu den Supererdnüssen aus seinem Garten greift, verwandelt er sich in eine Superheldenparodie. In roter Unterwäsche und mit blauem Cape hilft er den Behörden von Entenhausen bei der Bekämpfung von Kriminalität. Denn auch diese Metropole hat ihre Superschurken wie das Phantom oder die Panzerknacker.

Mindestens genauso oft Supergoof wird aber auch mit anderen Problemen konfrontiert. Die erwachsen zumeist aus seiner Tolpatschigkeit oder aber aus absurden technischen Innovationen, deren Konsequenzen nicht ausreichend durchdacht wurden. Letzteres ist ja eine der Hauptquellen von Humor in vielen Disney-Comics. Selbstverständlich spielt aber auch Slapstick eine große Rolle.

Im Gegensatz dazu verzichten Goofys becapte Abenteuer auf einem postmodernen Umgang mit dem ‚originalen’ Superheldengeschichten, wie er etwa in den Simpsons-Comics betrieben wird. Zitaten und cleveren Querverweisen wird man bei ihm nicht finden. Für einen solchen Zugang sind die meisten seiner Abenteuer einfach schon zu alt.

Warum Supergoof dann gerade jetzt ein Thema ist? Ehapa bringt unter dem Titel „Disney Heimliche Helden“ eine neue Hardcoverserie auf den Markt. Und bevor in Band 2 Phantomias abgefeiert wird, kommt Goofys Superhelden-Alter-Ego zu Ehren.

 

Auf 144 Seiten wird dem trotteligen Gerechtigkeitskämpfer Tribut gezollt. Das bedeutet aber nicht nur, dass Storys von 1965 bis 2002 in dem Band wieder veröffentlicht werden. Ein achtseitiges (und bebildertes) Vorwort von Wolfgang J. Fuchs führt liebevoll und akribisch hinter die Kulissen der Comicproduktion. Da wird den Schaffern Tribut gezollt, Widersprüche in der ‚Continuity’ (von der man ja ohnehin nur in einem sehr beschränkten Rahmen ausgehen darf) werden dargestellt, Supergoofs wichtigste Gegner finden Erwähnung und ohne die Notwendigkeit zur Schönfärberei werden die Produktionsbedingungen der Geschichten dargestellt. Das ist ein Überblick, wie man ihn sich öfters wünschen würde. Auch das Bildmaterial dazu ist mehr als informativ. Nur die Scanqualität lässt bei manchen reproduzierten Strips im Vorwortkapitel ein wenig zu wünschen übrig. Teils kann man den (englischen) Text der Auszüge auf Grund dieses Mankos leider nicht entziffern. Aber dieser vorangestellten acht Seiten dienen ja auch einem anderen Zweck als in Sprechblasen zu schwelgen.

 

Im restlichen Buch darf sich der nostalgische Leser – und seien wir uns ehrlich: um einen solchen wird es sich aller Voraussicht nach handeln – ohnehin Comicseite auf Comicseite widmen. Auch wenn die aktuellste Story erst im Jahre 2002 verfasst und veröffentlicht wurde, bis auf einen weiteren Ausreißer aus dem Jahr 1992, wurden alle gefeatureten Geschichten in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre gezeichnet und verfasst. Folglich kriegt man auch die gewohnte Disney-Qualität dieser Ära geliefert. Es macht nicht jedes Detail Sinn, und man sollte nicht versuchen von einem nerdigen Standpunkt aus die neun längeren Geschichten auseinander zu nehmen. Dass die Storys explizit für Kinder geschrieben wurden, kann man jedoch auch nicht sagen. Trotz der starken zeitlichen Konzentration werden jede Mengen Abenteuer, Gegner und Unterstützer Supergoofs gefeaturet.

Ob Neffe Alfons oder der Böse Wolf, Inspektor Hunter oder das Phantom, jeder kriegt seine Nebenrolle.

 

Selbst wenn man in „Supergoof“ vielleicht nicht die eigene Lieblingsgeschichte von früher findet, sorgt der Band für kurzweiliges Vergnügen und einen fundierten Überblick. Die Essenz ist vorhanden. Und damit sollten die Ansprüche aller Supergoof-Fans und -Nostalgiker befriedigt werden.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Supergoof

Reihe: Heimliche Helden Bd.1

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

Verlag: Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime (Oktober 2005)

ISBN: 3770406907

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 04.12.2006, zuletzt aktualisiert: 12.12.2015 08:20