Eigentlich ist es ja keine besonders gute Idee, das Ende eines Comics bereits im Titel zu verraten. Es gibt natürlich Ausnahmen – etwa wenn durch etwas so nie dagewesenes, derart viel Spannung entsteht, dass Interessenten den Comicband einfach haben müssen. So war die Situation in den 1990ern als Der Tod von Superman entstand. Panini hat die Story um den Stählernen nun neu aufgelegt.
Er kommt: Nein, nicht Knight Rider, sondern der monströse Doomsday. Das geheimnisvolle Wesen bahnt sich einen Weg durch die Vereinigten Staaten und lässt dabei eine Schneise der Zerstörung zurück. Nicht nur die Superhelden der Justice League stellen sich ihm entgegen. Doch alles scheint aussichtslos. Kann Superman ihn ausschalten und endet der Kampf wirklich mit dem Tod des Kryptoniers?
Hauptautor von »Der Tod von Superman« ist Dan Jurgens (Bat-Man – First Knight). Der Schöpfer von Booster Gold lässt es sich dabei nicht nehmen, Anfang und Ende des Mega-Ereignisses selbst zu gestalten. Dabei zeigt er Doomsday anfangs nur kurz im Rahmen einer Nebenstory, die die Hauptgeschichte – Supermans Kampf gegen die Unterweltler – immer wieder kurz unterbricht. So erzeugt er geschickt Spannung und Neugier, bis er den Antagonisten sukzessive immer mehr Raum bietet. Aus heutiger Sicht ist das Erzähltempo anfangs allerdings etwas zu schleppend: Vier Seiten, in denen lediglich eine gigantische Faust auf Stahl einhämmert, sind einfach zu viel. Auch ist die anfängliche Charakterisierung von Doomsday – als Vogelzerquetscher und Baumzerstörer – wenig subtil. Es ließe sich zwar zudem kritisieren, dass das Lesepublikum zu wenig über den Antagonisten erfährt. Genau das macht, allerdings auch einen besonderen Reiz aus. So bleibt das Mysterium (hier noch) ungelüftet.
Bis Doomsday und Superman final aufeinandertreffen, dürfen auch noch Roger Stern (Die Rebellin), Jerry Ordway (Infinite Crisis) und Louise Simonson (Warbringer – Im Angesicht des Krieges) die Geschichte weiterspinnen. Hierbei stehen wenig überraschend Kämpfe im Vordergrund, die die Stärke und Gefährlichkeit von Doomsday unterstreichen. Dabei gelingt es den Autoren jedoch genug Abwechslung zu bieten. Im letzten Heft lässt es sich Jurgens nicht nehmen, das Zepter wieder in die Hand zu nehmen. Allerdings steht hier dann weniger die Handlung, sondern mehr das visuelle Erlebnis im Zentrum.
Dan Jurgens ist nämlich nicht nur der leitende Autor, sondern auch der Hauptzeichner von »Der Tod von Superman«. Dabei liefert er auch die besten Ergebnisse. So ist die Mimik seiner Figuren fein ausgearbeitet. Die anderen Künstler orientieren sich sichtlich an seinem Zeichenstil, um für Kontinuität zu sorgen. Grundsätzlich machen Jon Bogdanove (Niemandsland 2) und Tom Grummet (Der Sturz des Dunklen Ritters) dabei auch einen guten Job, auch wenn Jurgens im direkten Vergleich die Zeichenfeder vorn hat. Glaubhaft gestalten die Künstler auch die Spuren, die die Kämpfe hinterlassen.
Nur einige Zeichnungen von Jackson Guice fallen etwas ab, weil er teilweise zu wenig aus den Möglichkeiten der Story macht. In Erinnerung bleiben wird aber das letzte Kapitel von Dan Jurgens. Denn hier präsentiert der Künstler ausschließlich seitenfüllende Panels. Diese sind nicht nur schön detailliert und oft mitreißend komponiert. Viele haben auch Cover-Potenzial.
Panini liefert am Ende des Comicbandes auch etwas Bonusmaterial mit. Hierzu zählen nicht nur zwei T-Shirt-Entwurfszeichnungen, sondern auch eine ansprechende und bislang unveröffentlichte Zeichnung von Jon Bogdanove, die es leider nicht in den Comic geschafft hat. Schön wären noch etwas mehr Hintergrundinformationen gewesen – etwa zu den Folgen des Events und Doomsday selbst. Aber da ist man wahrscheinlich durch die Must Have-Veröffentlichungen inzwischen etwas zu verwöhnt.