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Supreme Power: Nighthawk

Rezension von Stefanie Borgmann

 

Wenn die Lichter der Laternen erlöschen und Dunkelheit die Straßen regiert, strömt das Böse aus dem Untergrund auf die Bürgersteige und greift gierig nach den rechtschaffenen Bürgern. Skrupellose Mörder, zwielichtige Drogendealer und brutale Zuhälter bewegen sich lautlos im Schatten von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Diesen geht hier und da ein kleiner Fisch ins Netz, doch am Grund des Sumpfes von Verbrechen und Kriminalität modert ein unvergänglicher Kern, der mehr und mehr an die Oberfläche dringt.

 

Der Glaube an die Macht der Gesetzeshüter ist nahezu erloschen und doch sind die Menschen nicht völlig machtlos Angst und Schrecken ausgesetzt. Ein Mann wacht über sie, hat seine Augen auf ihre Familien und richtet über jene, die den Unschuldigen das Leben zur Hölle machen wollen. Sein Name: Nighthawk.

Ein pechschwarzes, funktionales Kostüm, eine falkengleiche Maske und Augen, die wie Scheinwerfer das Dunkel der Nacht durchdringen. Und doch ist er ein Mensch durch und durch.

 

Unter der Maske verbirgt sich Kyle Richmond. Seine Eltern, ein reiches afro-amerikanisches Paar, wurden in seiner Jugend brutal vor seinen Augen niedergeschossen. Dieser tragische Tag im Leben des noch jungen Unternehmersohnes war die Geburtsstunde von Nighthawk. Seither hat sich der junge Mann dem ambitionierten Vorhaben verschrieben, die Lücken der Justiz aus eigener Kraft auszufüllen.

 

In diesem Punkt unterscheidet sich eben Nighthawk vehement von seinen menschenrettenden Kollegen: Gerecht ist, was er für gerecht hält. Tatsächlich trifft es zwar die eigentlich Schuldigen, doch das Maß des Vollzugs der Strafe fällt oft blutig aus. So wandelt der Nachtfalke nahezu ständig auf einem Grad der gerade breit genug ist, dass er nicht selbst zu denen zählt, die er bekämpft. Noch mehr ist Nighthawk auch eine Stimme für diejenigen, denen es schwer fällt, selbst für sich einzutreten. Kinder und die Interessen diskriminierter Schwarzer liegen ihm besonders am Herzen. So begibt er sich Nacht für Nacht auf die Jagd nach Sündern, die das arglose Leben der Menschen zu zerstören trachten.

 

In dieser Episode bekommt er es mit einem äußerst unangenehmen Zeitgenossen zu tun. Mag man zunächst nicht vermuten, denn der Scherge ist als bunt bemalter Clown unterwegs. Doch seine Streiche sind überhaupt nicht lustig: Der ehemalige Apotheker hat vor seiner Zeit in der Psychiatrie angestrengt an der Entwicklung eines neuartigen Giftes getüftelt, das gereicht hätte, um halb Chicago auszulöschen.

 

Durch Zufall gelingt es dem Clown alias Steven Binst aus der Psychiatrie zu fliehen. Nahtlos bemüht er sich im Folgenden das Vorhaben vergangener Zeiten fortzuführen. Die nachfolgenden Ereignisse geben nicht nur Einblicke in die verzerrten Gedanken eines Massenmörders, sondern ebenso in die verkommenen Machenschaften der Politiker. Denn statt absoluter Bestürzung zu empfinden, sieht der Oberbürgermeister Chicagos in den ersten Vergiftungsfällen eine willkommene Chance sich als starke Persönlichkeit für den anstehenden Wahlkampf zu empfehlen. Zumindest solange, bis seine Familie zu den Opfern zählt….

 

Diese Nighthawk Episode von Autor Daniel Way und Zeichner Steve Dillon ist keinesfalls minderwertig, doch brilliert sie auch keineswegs wie andere Werke der beiden. Jede Menge überflüssiges Blut, viele offene Fragen und Handlungsstränge sowie handfeste, aber nicht besonders eindrucksvolle oder dynamische Bilder machen Supreme Power: Nighthawk allenfalls zu einem schwer verdaulichen Pausensnack. Auch an Originalität sprüht dieses Machwerk nicht gerade. Nach Stephen Kings „ES“ und dem Joker aus Batman ist der Bedarf an Clowns vorerst gedeckt. Ebenso ist die Methode der Massenvergiftung nicht unbedingt der Stein der Weisen. Wer allerdings auf viele Leichen, noch mehr Blut, Gewalt und Ekel steht, hat mit diesem vorliegenden Comic einen Volltreffer gelandet.

 

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Comic:

Supreme Power: Nighthawk

11/2006 SC mit Faltcover

S. 148

Nighthawk 1-6

D. Way, S. Dillon

[Keine Angabe der ISBN]

EVT: 24.08.2006

Erhältlich bei Panini Comics


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Erstellt: 25.09.2006, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40