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Tannöd von Andrea Maria Schenkel

Hörspiel

Rezension von Tanja Thome

 

Mit ihrem Erstlingswerk Tannöd hat Andrea Maria Schenkel einen wahren Hit gelandet. Das Buch ist in aller Munde - und nun auch in denen der Sprecher des gleichnamigen Hörspiels aus dem Hause Hörbuch Hamburg mit einer CD und 71 Minuten Länge.

 

Ein klassisches Hörspiel ist „Tannöd“ allerdings nicht zu nennen. Selten sind Szenen, in denen kurze Dialoge auftreten; vielmehr wird mit verteilten Rollen gelesen.

Gleich zu Anfang wird der Hörer ins Bild gesetzt und erfährt, worum es eigentlich geht: Eine Familie wurde brutal erschlagen, Eltern wie auch Kinder. Wer es war und warum, das wird im Rahmen von „Tannöd“ zu klären versucht.

Die einzelnen Sprecher, Bewohner desselben Dorfes wie die Opfer, berichten, was sie über die Toten wissen, und so setzt sich nach und nach ein Gesamtbild wie ein Puzzle zusammen.

 

Besonders authentisch wirken die ins Hörspiel aufgenommenen Szenen, weil die einzelnen Sprecher mehr oder minder intensiven Dialekt sprechen. Das macht die einzelnen Berichte umso authentischer, glaubwürdiger – und zugleich auch bedrohlicher, denn die sich entfaltende Realität ist eine des Klischees dörflichen Lebens. Da werden Geheimnisse bewahrt, Ereignisse untereinander geregelt, und dennoch gibt es natürlich auch den Klatsch und Tratsch, den man innerhalb eines Dorfes erwartet. In diesem Fall jedoch ist das Gehörte keineswegs harmlos, sondern erschreckend. So mancher wusste Dinge, die eigentlich öffentlich zu regeln gewesen wären, die man hätte anzeigen müssen, bei denen man in irgendeiner Form hätte eingreifen sollen. Doch nicht so bei „Tannöd“.

 

Dass die Erzählenden sich selbst keiner Schuld bewusst sind und teils in einen verschwörerischen Ton verfallen, macht die Geschichte umso erschreckender, vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass „Tannöd“ grundsätzlich auf einer wahren Geschichte beruht, auch wenn Namen und Umstände verändert wurden und es bei der realen Entsprechung auch keine Auflösung des Ganzen gibt.

 

Auch technische Raffinessen sorgen beim Hörspiel für Gänsehaut. So werden die Lautsprecher mal abwechselnd, mal zugleich angesprochen, was die einzelnen Berichte, vor allem aber die eingebrachten Gebetsszenen, sehr effektiv macht. Zu später Stunde allein gehört, kann die aufgebaute Spannung des Hörspiels durchaus dafür verantwortlich sein, dass man zusammenzuckt oder verstohlen hinter sich blickt …

 

„Tannöd“ ist ein großartiges Hörspiel zu einer ebensolchen Vorlage. Unbedingt anhören!

Eure Meinung:

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Hörspiel:

Tannöd

Autorin: Andrea Maria Schenkel

Hörbuch Hamburg, August 2007

Umfang: 1 CD, 71 min.

Regie: Norbert Schaeffer

Sprecher (Auszug): Michael Vogtmann, Charlotte Bufler, Elisabeth Tscharke, Christa Berndl, Franziska Ball, Monika Manz, Stephan Zimmer, Markus Brandl, Udo Wachtveitl, Jörg Hube, Brigitte Hobmeier, Ferdinand Weiß, Alexander Duda

Verlag: Hörbuch Hamburg

Produktion: NDR

ISBN-10: 3899034651

ISBN-13: 978-3899034653

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 10.11.2007, zuletzt aktualisiert: 24.11.2021 08:02