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Tatort: Thiel/Boerne-Box

Reihe: Tatort

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Endlich erscheint "Tatort", die beliebteste Krimi-Serie Deutschlands, auf DVD. Da darf ein Silberling mit den in Münster tätigen Ermittler Thiel und Boerne natürlich nicht fehlen. In der nach den beiden Hauptfiguren betitelten Box befinden sich die vier Folgen "Der dunkle Fleck", "Fakten, Fakten...", "Dreimal schwarzer Kater" sowie "Der doppelte Lott".

 

Im ersten Münsteraner Tatort "Der dunkle Fleck", welcher am 20. Oktober 2002 erstmals ausgestrahlt wurde, hat es der gerade neu in die Hauptstadt aller Radfahrer versetzte Hauptkommissar Thiel gleich mit zwei kniffligen Kriminalfällen zu tun. Im Moor wird die Leiche eines Mädchens gefunden und die Studentin Jennifer Müller meldet ihre Mutter als vermisst. Mit Hilfe des neugierigen Gerichtsmediziners Boerne stellt Thiel schon bald Verbindungen her, die zu einem dunklen Fleck in der Historie der altehrwürdigen Familie Alsfeld führen.

 

"Fakten, Fakten..." (Erstausstrahlung: 1. Dezember 2002) scheinen auf die Schuld des Friedensforschers Professor Bernhard Dreiden hinzudeuten, als direkt vor seinem Haus der Lebensgefährte seiner Geliebten erschossen wird. Davon sind zumindest Hauptkommissar Thiel und Staatsanwältin Klemm überzeugt. Dreidens Studienfreund Börne bleibt aber skeptisch und ermittelt weiter. Bald gibt es Indizien für eine weitere Gewalttat.

 

Der dritte Münsteraner Tatort "Dreimal schwarzer Kater" feierte seine TV-Premiere am 19. Oktober 2003. Hauptkommissar Thiel ermittelt im Mordfall der fast vollständig gelähmten Lisa Zenker, die durch einen Medikamentencocktail zu Tode kam. Wenig später wird der Mann getötet, der Lisa Zenkers Lähmung durch einen Verkehrsunfall herbeigeführt hat. Ein Racheakt?

 

Im Mittelpunkt von "Der doppelte Lott" (Erstausstrahlung: 20.11.2005) steht der rechtspopulistische Bürgermeisterkandidat Lott. Als mitten im Wahlkampf ein Mord geschieht, scheint es um den Mann geschehen. Doch das Opfer erweist sich als der Kabarettist Montell, der wieder einmal in die Rolle des Politikers geschlüpft war, um den Rechtspopulisten durch den Kakao zu ziehen. Das Duo Thiel und Börne ermittelt. Galt der Anschlag Lott oder doch Montell?

 

Die Münsteraner Tatorte bestechen durch ihre besondere Mixtur aus Spannung, Dramatik und - im Unterschied zu den meisten anderen Folgen der Krimiserie - auch durch Komik. Für letztere sorgen nicht nur einzelne Slapstickeinlagen - etwa der Versuch von Thiel ein Bett das Treppenhaus empor zu tragen oder die Anstrengungen von Boerne einen Brief illegal aus einem Briefkasten zu fischen - sondern auch die witzigen Dialoge der Protagonisten. Allen voran sind hier die Dispute zwischen den Hauptcharakteren Thiel und Boerne ("Sie ist jung, sie ist schön, was will sie dann von ihnen?") zu nennen, welche die Tatorte oft zu so etwas wie einer Buddy-Komödie Münsteraner Prägung werden lassen. Aber auch die Interaktionen zwischen Thiel und seinem Vater, sowie zwischen Boerne und seiner kleinwüchsigen Assistentin Alberich sind durchweg unterhaltsam.

 

Zudem enthalten die Münsteraner Tatorte wunderbar gestaltete Charaktere, die auch gerade deshalb komisches Potenzial entfalten, weil sie so verschieden sind. So ist ein "culture clash" schon beinahe vorprogrammiert, wenn der oft schlecht gelaunte und wortkarge Fußballfan Thiel mit dem gerne dozierenden Freund klassischer Musik Professor Börne zusammenarbeiten oder sich mit seinem kiffenden Alt-Hippie-Vater herumschlagen muss.

 

Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt. Beim Stammpersonal ist hier Axel Prahl hervorzuheben, dem es auch mit wenigen Worten gelingt, den Hauptkommissar Thiel überzeugend "muffig" aber dennoch sympathisch darzustellen. Jan Josef Liefers steht dem in seiner Rolle als oft affektiert wirkender Gerichtsmediziner Professor Karl Friedrich Boerne in nichts nach. Eine großartige Leistung muss auch der Kleinwüchsigen Christine Urspruch bescheinigt werden, die in der Rolle von Boernes Assistentin Silke Haller ("Alberich") ihrem Chef ordentlich Contra, aber auch immer wieder entscheidende Hinweise gibt. Als Alt-Hippie gefällt auch Claus D. Clausnitzer, der Thiels Vater spielt und dabei immer wieder sein komisches Talent beweist, das Fans schon aus dem Loriot-Sketch "Der Lottogewinner" bekannt ist. Friedrike Kemptner (Nadeshda Krustenstern) zeigt zwar, dass sie schauspielern kann, darf aber ihr komisches Talent, welches man derzeit bei "Ladykracher" bewundern darf, aber zu selten zeigen. Aber auch die Schauspieler, die nur in den einzelnen Folgen auftreten können überzeugen. Exemplarisch sei hier auf Dieter Kirchlechner verwiesen, der in "Der dunkle Fleck" sehr überzeugend in Gutsherrenmanier den Hermann Alsfeld gibt.

 

Der begleitende Score in den einzelnen Teilen begleitet häufig in typischer Filmmusikmanier effektiv Actionsequenzen. In "Der doppelte Lott" wird aber zum Beispiel auch sehr passend einer tragischen Szene durch ein Klavierstück Tiefe verliehen. Der Score tritt selbst nicht in den Vordergrund, sondern untermalt passend das Geschehen.

 

An der Bildqualität und am 2.0 Stereoton gibt es nichts zu kritisieren. Bei den verwendeten zweischichtigen DVDs - warum solche benutzt wurden, obwohl nur eine knapp 90 Minuten kurze Folge nebst einigen Minuten Bonusmaterial enthalten sind, bleibt unklar - kommt es bei der Abtastung aber pro Tatort je einmal zu einer kurzen Unterbrechung.

 

Selbst versierte Hobbyermittler dürfte es verwirren, warum sich nicht die ersten vier Münsteraner Tatortfolgen, sondern die Teile eins, zwei, drei und acht in der Thiele/Boerne-Box wiederfinden. Qualitätsmängel der Folgen vier bis sieben können auf jeden Fall ausgeschlossen werden.

 

Jeder der vier Folgen kann als gelungen bezeichnen werden, obwohl es an einzelnen Stellen kleinere Schwachpunkte gibt. So ist es - wie auch in diversen anderen Kriminalserien - recht unrealistisch, wenn offensichtlich befangene Personen Untersuchungen in Mordfällen führen dürfen, wie es z. B. Boerne in "Fakten, Fakten..." tut. In "Dreimal schwarzer Kater" hilft zudem der berühmte Kommissar Zufall den Ermittlern etwas zu häufig, etwa wenn Boerne genau zum richtigen Zeitpunkt am Hauptbahnhof ist um eine entscheidende Beobachtung zu machen und der Täter am Ende seinen Wagen genau zum richtigen Schauplatz steuert.

 

Wirklich interessant im Bonusmaterial sind die Interviews mit Axel Prahl und Regisseur Buddy Giovinazzo, die aber beide dem Magazin "Lokalzeit" entnommen wurden. Sehr kurz ist das Special "Best of Alberich" geraten, das lediglich einige aneinander montierte Sequenzen aus den Tatorten enthält. Das versprochene "Kommissar-Porträt" besteht aus Texten über die Hauptpersonen, die rund fünf Minuten im Aktendesign präsentiert werden.

 

 

Fazit:

Die "Thiel/Boerne-Box" ist nicht nur für alle Tatortfans, sondern auch für Freunde gleichermaßen spannender wie komischer Unterhaltung absolut empfehlenswert, so dass nur zu hoffen bleibt, dass auch die anderen Münsteraner Tatorte bald auf DVD erscheinen.

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DVD-Box

<b Thiel/Boerne-Box

Reihe: Tatort

Regie: Peter F. Bringmann, Buddy Giovinazzo, Susanne Zanke, Manfred Stelzer

Studio: Touchstone

FSK: ab 12 Jahren

Erscheinungsdatum: 25. Februar 2010

Laufzeit: 349 Minuten (4 DVDs)

 

ASIN: B002WXI4Q0

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Axel Prahl

Jan Josef Liefers

Friederike Kemptner

Chrtine Urspruch

Claus D. Clausnitzer

Mechthild Großmann


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Erstellt: 19.03.2010, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56