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The Collector – He always takes one (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Manchmal sollte man vielleicht doch zweimal nachschauen, wen man da eigentlich für die Renovierung der eigenen vier Wände engagiert. Einen ehemaligen Einbrecher als Installateur für heimische Sicherheitsmaßnahmen? Ganz schlechte Idee – wobei man Arkin (Josh Stuart) zugute halten muss, dass dieser nicht unbedingt die muskelbepackten, tätowierten und glatzköpfigen Klischees eines Knastologen erfüllt und sich zudem geschworen hat, den Rest seines Lebens mit ehrlicher Arbeit zu verdingen. Gäbe es da nicht die Ex (Daniella Alonso) und Töchterchen Cindy (Haley Pullos) sowie diverse, gleichermaßen lästige wie brutale Gläubiger. Und alle brauchen beziehungsweise verlangen, was ihnen mehr oder minder zusteht. Kein Wunder also, dass der im scheinbar sicheren Safe verstaute gewaltige Rubin in Anbetracht der Umstände umso verlockender für Arkin wird. Kurzerhand und ob der Gewissheit, dass Juwelier und Familienoberhaupt Michael Chase (Michael Reilly Burke) mit den Seinigen übers Wochenende verreist ist, entschließt sich Arkin für einen letzten, großen Coup; das finale große Ding, welches ihm hoffentlich wieder ruhige Nächte bescheren wird.

Der Bruch scheint auch von Erfolg gekrönt zu sein: Ungehindert gelangt Arkin auf das Grundstück, ungehindert steigt er ins Haus der Chases. Und was den Safe betrifft – Kinderspiel!

Bis er bemerkt, offensichtlich nicht der Einzige im Haus zu sein. Haben die Chases etwa kurzfristig ihre Pläne fürs Wochenende geändert? Das wäre gar nicht gut. Als er jedoch die flehentlichen Stimmen von Michael und seiner Gattin Victoria (Andrea Roth) wahrnimmt, welche verzerrt durch den Lüftungsschacht an seine Ohren dringen, wird ihm sehr schnell bewusst, dass hier etwas wesentlich Sinisteres im Gange zu sein scheint. Doch was genau? Und von wem?

Statt auf eine Antwort zu warten, tritt er die Flucht nach vorne an, nur um feststellen zu müssen, dass jemand schneller war. Sämtliche Türen und Fenster sind verriegelt und das komplette Haus zusätzlich noch mit hinterhältigen, samt und sonders tödlichen Fallen versehen. Im Keller stößt Arkin schließlich auf Chase und dessen Frau – oder vielmehr, was von beiden noch übrig ist. Doch was ist mit der kleinen Hannah? Ist sie bereits tot oder hat sie sich irgendwo im Haus versteckt? Für Arkin, der ja selbst ein Vater ist, steht fest: erst wenn er den Verbleib des kleinen Mädchens geklärt hat, kann er die Flucht antreten. Doch dafür muss er erst einmal das ausgelegte Todeslabyrinth lebend überstehen – und den Irren mit der Ledermaske …

 

Eingeschlossen in einem Haus voller niederträchtiger Fallen? Wer da im ersten Moment an den zweiten Teil der Saw-Reihe aus dem Jahre 2005 denken muss, der liegt gar nicht mal so verkehrt. Für Regisseur und Autor Marcus Dunstan und dessen Co-Autoren Patrick Melton liegt die Verbindung sogar noch näher, zeichnen die beiden sich gleich für vier Scripts der Reihe verantwortlich. Eigentlich sollte The Collector“ sogar als „Saw“-Prequel verwendet werden, blieb aber dann letztlich doch auf der Strecke. Beinahe zumindest. Aber einfach nur das große Vorbild kopieren geht gar nicht. Also gibt es anstelle eines todkranken, nach Rache dürstenden Irren einen gleichermaßen geheimnisvollen wie gesichtslosen Psychopathen, dessen Werk keineswegs Teil eines Konzeptes ist, sondern „nur“ die abartigen Gelüste des Ausführenden zu erfüllen hat. Mit dem titelgebenden „Collector“ (verkörpert von Juan Fernández) haben die beiden auch einen ziemlich Furcht einflößenden Bösewicht vorgelegt, der unterm Strich zwar auch nicht viel mehr ist, als ein weiterer Psycho mit Maske, dafür aber ziemlich kreative Gemeinheiten auf Lager hat. Einzig seine Sammelleidenschaft – und die wird ja im Titel ebenso angedeutet wie an diversen Stellen des Films – wird leider nicht näher erläutert. Da haben Sie geschlafen, meine Herren! Oder erfahren wir mehr in einem etwaigen zweiten Teil?

 

Lässt man diesen, wenngleich auch ziemlich bitteren, Wermutstropfen außen vor, wird einem jedoch erstaunlich viel für einen Film mit deutlich überschaubarem Budget wird geboten. Die Darsteller wissen im Großen und Ganzen zu überzeugen – insbesondere Josh Stuart, der die Rolle des Arkin mal schüchtern-verletzlich, mal fest entschlossen wiedergibt – , die Handlung wird nach sehr kurzen, anfänglichen Leerlauf konzentriert nach vorne getrieben und auch in punkto Regiearbeit selbst hat das Gespann Dunstan/Melton streckenweise Erstaunliches geleistet. Statt sich auf trendige Schnittorgien zu verlassen, dominieren hier lange Kamerafahrten und einfallsreiche Einstellungen. Ferner scheinen die beiden vom „Großen Bruder“ eine wichtige Lektion in Sachen Blutvergießen gelernt zu haben: nämlich das zu viel davon auf Dauer eintönig oder sogar lächerlich ist. Demzufolge platziert das Gespann die, durchaus heftigen, Einlagen wohl überlegt und in den genau richtigen Dosen, so dass der Vergleich mit den als „Torture Porns“ stigmatisierten Werken nur bedingt richtig ist.

 

Fazit:

„The Collector“ mag mit einem überschaubaren Budget gesegnet sein – doch wissen die Macher etwas damit anzufangen. Das Rad mag hier zwar nicht unbedingt neu erfunden werden, doch ein kleiner, spannender und streckenweise ganz schön fieser Thriller ist es allemal.

Eure Meinung:


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DVD:

The Collector – He always takes one

Original: The Collector

USA 2009

Regie: Marcus Dunstan

Format: Dolby, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

Splendid Entertainment/WVG, 28. Mai 2010

Spieldauer: 85 Minuten

 

ASIN: B003C1ALQW

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Josh Stewart

Michael Reilly Burke

Andrea Roth

Juan Fernández

Karley Scott Collins

Daniella Alonso

Madeline Zima

Haley Pullos


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Erstellt: 18.07.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23