Seitdem ihre Eltern kurz nacheinander starben, leben Bristol Keats und ihre Schwestern in schwierigen finanziellen Verhältnissen. Als sie einen Brief bekommen, in dem eine Tante Hilfe anbietet, sind sie extrem skeptisch, denn eigentlich sind sie sich sicher, dass ihre Eltern gar keine Geschwister hatten. Doch das soll nicht die letzte Überraschung bleiben, denn Bristol erfährt, dass ihre Eltern aus dem Elfenreich stammten, wo ihre Hilfe gebraucht wird – und dass ihr Vater vielleicht noch lebt.
Dass jemand überraschend erfährt, kein normaler Mensch zu sein, ist im Urban-Fantasy-Genre ein häufig benutzter Handlungsauftakt. Meist sind diese Protagonisten allerdings im Schulalter. Die 21-jährige Bristol in Mary E. Pearsons Trilogie-Auftakt fällt da also schon recht deutlich aus dem Raster. Zumindest dieser Band handelt nach dem Auftakt fast ausschließlich im Elfenreich, wo sich die Protagonistin natürlich erst zurechtfinden muss. Auch wenn die Autorin nicht auf eine Romanze verzichtet, bleibt die relativ dezent. Der Schwerpunkt liegt eher auf den gegensätzlichen Kulturen und Bristols wahrer Familiengeschichte. Allerdings gibt es auch ein paar Punkte, die meiner Meinung nach nicht genügend aufgeklärt werden. Beispielsweise wird die Protagonistin wie auch einige andere junge Frauen mit elfischer Abstammung, die bisher in der Menschenwelt lebten, von den Elfen angeworben, weil sie hoffen, dass sich darunter eine findet, die die sehr seltene Fähigkeit hat, Portale zu schließen. Es gibt aber keine Erklärung, wieso es ausschließlich Frauen sind oder wieso Bristols Schwestern anscheinend nicht verdächtigt werden, diese Gabe eventuell zu besitzen. Oder wieso dies angeworbenen Frauen, die ja nur ein Portal schließen sollen, eine militärische Ausbildung bekommen. Auch braucht es einige Zeit, bis die Story in Schwung kommt. Dann kann die Geschichte aber gefallen, wobei natürlich einiges für die beiden Fortsetzungen offen bleibt.
Die Autorin lässt der Erzählfokus zwischen einer ganzen Anzahl an Charakteren wechseln, wodurch der Leser oft mehr Einblicke in Hintergründe als der jeweilige Charakter hat.