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The Expandables 2 – Back for War

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Neuerdings können Blu Rays mit Warnhinweisen daherkommen. Nein, damit ist nicht der lästige FSK-Flatschen gemeint. Den kann man ja bisweilen abstreifen. Oder einfach auf das hoffentlich enthaltene Wendecover zurückgreifen. Was also damit gemeint ist? Keine Sorge: Filme schaden noch immer nicht der Gesundheit, obwohl die Meinungen bei Machwerken á la Paul W. S. Andersons Drei Musketiere-Möchtergern-Neuauflage weiterhin sehr stark auseinander driften. Vielmehr ist mit »Warnung« im Grunde ein von Seiten des Vertriebs gut gemeinter Wink gemeint, dass Regisseur Simon West offenbar mittels eines »körnigen Looks« bewusst eine Art 80er Jahre Filmgefühl erzeugen wollte. So jedenfalls steht es auf den Seiten unserer liebsten Online-Versandhäuser. Jetzt aber mal im Ernst, werte Damen und Herren von Splendid Film: Soll das wirklich euer Ernst sein? Miese Weichzeichnerei als Stilmittel? Wollte Simon West seinen Hauptdarsteller wirklich mitunter aussehen lassen, als habe sich einer der durchgeknallten Animierten aus A Scanner Darkly mal ebenso in den falschen Film geschmuggelt? Oder hat da jemand seinen Job beim Entwickeln schlichtweg nicht richtig gemacht? Seid ehrlich. Denn genau danach sieht’s nämlich aus.

Immerhin: der Groll lässt nach dem zweiten, dritten, vierten, zehnten Ansehen merklich nach. Ärgerlich bleibt aber trotzdem ärgerlich. Wem also nun die Laune vergangen ist, weiter zu lesen, bitteschön. Allen anderen sei versichert, dass es in Kürze wieder besser wird. Ehrenwort.

Wir erinnern uns: Vor knapp drei Jahren bekam Sylvester Stallone eine Kopie von Quentin Tarantinos Inglorious Basterds in die Finger und war fortan davon besessen, seine Vision eines Men on a Mission-Streifens wahr werden zu lassen. Und welche Zutaten benötigt man dazu, abgesehen von jeder Menge Action? Ganz klar, einen Haufen bekannter Genregrößen und –legenden; ein testosterongeschwängertes Ensemble, welches die Konkurrenz klar und deutlich in die Schranken verweist und synchron die Träume all jener erfüllt, die in den späten 80ern/frühen 90ern von einem All Star-Cast in einem Actionfilm geträumt haben. Mit leichter Verspätung waren The Expandables die Antwort auf sämtliche stillen Gebete aller Actionjunkies. Stallone, Statham, Lundgren, Schwarzenegger, Willis, Li, Wow.

Das Schöne dabei: der Film erfüllte in der Tat durchweg die Ansprüche, die garantiert alles andere als gering waren. Geradlinige, knallharte Action, treffsichere One Liner, übergroße Leinwandpräsenzen. Oh ja, die mutmaßlichen »alten Herren« wollten es nicht nur noch einmal wissen, sondern zeigten der jungen Konkurrenz erschütternd überdeutlich, wo der Hammer hängt. Mit gut 274 Millionen weltweit gegenüber dem 80 Millionen Dollar Budget war der Film ferner als Erfolg mit satten schwarzen Zahlen zu verbuchen; eine Fortsetzung so sicher wie das Amen in der Kirche. Allerdings beschloss Stallone diesmal, nicht alle Hebel in Händen zu halten. So agiert der immer noch unterschätzte New Yorker »nur« als Hauptdarsteller und Autor (gemeinsam mit Richard Wenk) und überließ Produktion und den Regiestuhl anderen Leuten.

Verständlich, wenn man weiß, dass sich der Mann beim Dreh des Vorgängers buchstäblich den Hals brach und nur denkbar knapp an einer Querschnittslähmung vorbeischrammte. Außerdem ist er mit seinen 66 Jahren nun wirklich nicht mehr der Jüngste (was er wohl vehement verneinen würde), wenngleich seine körperliche Kondition so manchen halb so alten Profisportler in die Schranken verweisen könnte. Gleiches macht er übrigens bereits in den ersten Minuten seines aktuellen Films. Nur das diesmal sein legendärer Filmcharakter Rambo dran glauben muss, respektive jener finale Gewaltakt des vierten Teils, der an Härte und Brachialität so wohl noch nie da gewesen war.

Nun ja, ganz stößt der Auftakt nicht in jene Regionen vor, vergessen wird man ihn aber trotzdem nicht so schnell – sofern man kein Bewunderer des Autorenkinos ist. Der Auftakt führt nach Nepal, wenngleich in einen der weniger friedlich geprägten Landstriche. Die Mission: das Befreien einer Geißel namens Doktor Zhou (Wenbo Li). Unnötig zu sagen, dass die Truppe um Barney Ross (Stallone) verdammt viel verbrannte Erde, eingestürzte Gebäude und herrenlose Gliedmaßen zurücklässt. Doch unterm Strich zählt ja bekanntlich nur der Erfolg, wenngleich Ross ferner ausgerechnet auf einen alten Kollegen trifft, Trench (Arnold Schwarzenegger). Erschöpft aber zufrieden geht es zurück in die Heimat, doch da fangen die Probleme für Ross erst richtig an.

So sorgt die Aussicht seines Mitstreiters Lee Christmas (Jason Statham) in Bälde den Bund der Ehe mit seiner Freundin Lacy (Charisma Carpenter) einzugehen genau so wenig für helle Freude wie die angedachten Pläne des jüngsten Mitglieds der Söldnertruppe, Billy (Liam Hemsworth) demnächst ein normales Leben als Zivilist zu führen. Kurz darauf schließlich sucht die CIA-Agentin Maggie Chan (Yu Nan) den alternden Söldner auf, um ihm einen neuen Job anzubieten – was jedoch in Wirklichkeit eine Finte von ihrem Vorgesetzten, Mr. Church (Bruce Willis) ist, der mit Barney Ross noch ein Hühnchen zu rupfen hat (siehe »Expandables« Teil 1). Demzufolge bleibt Ross keine große Wahl. Möchte er nicht wahlweise in dünnen Scheiben oder im Fluss mit Zementschuhen enden, muss er den Auftrag – das Wiederbeschaffen eines Computers aus einem abgestürzten Flugzeug – wohl oder übel akzeptieren. Prompt in Albanien angekommen, wird die Truppe bereits von dem diabolischen Anführer einer wesentlich krimineller ausgerichteten Söldnertruppe, den Sangs, erwartet. Und dieser Jean Vilain (Jean-Claude van Damme) kennt keine Kompromisse. Gnade ist für ihn ein Fremdwort. Ausgerechnet Junior Billy muss dies mit tödlichen Konsequenzen erfahren. Für Ross bleibt nur die Aussicht auf Rache, der Computer ist ihm vorerst egal. Bis er dessen Zweck von Maggie erfährt. Denn in diesem Kasten verborgen sind die Koordinaten von fünf Tonnen Plutonium, einem hübschen Sowjetsouvenir aus Zeiten des Kalten Kriegs. Auch für dieses Ziel geht Vilain über Leichen …

 

Durfte im Vorgänger ein fiktives lateinamerikanisches Land dran glauben, entschied man sich nun konsequenterweise für das vollkommene Gegenteil. Anstelle von Palmen, tropischer Hitze und gleißender Sonne geht es diesmal ins diesige, kalte und sehr graue Albanien, wenngleich dafür Bulgarien herhalten musste. Klar, dort ist das Drehen billiger und das Entwickeln offenbar auch (siehe oben). Wie eine typische Direct to Video-Billigproduktion sieht Expandables 2 dann aber doch nicht aus, was natürlich auch an den immensen Schauwerten liegt.

Stallone und seine muskelbepackte Rasselbande dürfen sich hier nach Herzenslaune austoben; vollkommen schnuppe, ob dabei ein Panzer in die ewigen Jagdgründe verbannt wird, einem Flugzeug die Flügel gestutzt werden oder ganze Brücken als Aschhäuflein enden. Hier unterstreicht Simon West seinen Ruf als routinierten, wenngleich auch etwas limitierten Actionfachmann. Charakterentwicklungen? Die gibt es bestenfalls rudimentär. Spannung? Die geht mitunter in der ganzen Ballerei auf Tauchstation. Aber, sind wir mal ehrlich: Was bei so einem Film zählt, ist das Feeling, sind die knackigen Sprüche, die durchaus exzessive Härte, garniert mit gelegentlichem Augenzwinkern. Ganz, wie man es aus den seligen 1980ern eben kennt. Da passt es dann natürlich auch wunderbar, wenn ein gewisser Chuck N. praktisch aus dem Nichts auftaucht, den Tag retten darf und sich gleichzeitig über seinen Status respektive die seit längerem grassierenden »Chuck Norris Facts« lustig machen darf. Auf jeden Fall macht er für einen 72jährigen eine mehr als passable Figur.

Das lässt sich auch auf den einstigen kalifornischen Gouverneur sagen. Yes, he’s back. Und man merkt, wie sehr es Arnold Schwarzenegger gefehlt hat, mal wieder ungehemmt mit dem Maschinengewehr die Baddies niedermähen zu dürften. Im Zusammenspiel mit dem wie immer soliden Bruce Willis ergibt sich sogar ein kleines ironisches Wechselspielchen, das zwar im Grunde vorhersehbar ist wie sonst was, aber eben auch schlichtweg nicht fehlen darf. Besonders zwischen diesen Schwergewichten – nicht zu vergessen Sly Stallone, diesmal mit hübscher Rotzbremse – herrscht eine gesunde, aber niemals aggressive Konkurrenz; scheint es jeder dem anderen zeigen zu wollen. Die daraus resultierende Dynamik, die freilich auch vom Rest des Ensembles mitgetragen wird, ist einfach mitreißend, unterhaltsam und extrem kurzweilig. Einzig Liam Hemsworth fällt etwas ab. Okay, in diesem Film hat er durchaus den schwarzen Peter erwischt, doch lassen seine Auftritte Potenzial erahnen, welches jedoch immer wieder durch das Drehbuch abgewürgt wird. Sie fürchteten doch nicht Konkurrenz, Mister Stallone?

Wo wir gerade dabei sind: die hat sich unser Sly indirekt selbst gemacht, indem er Jean-Claude van Damme auf den Posten des Schurken verfrachtete. Innerhalb der Genrevorgaben ist der gebürtige Belgier nämlich schlichtweg eine kleine Offenbarung. Große Überraschung bei allen, die lediglich seine 80er/90er Jahre-Kracher Marke Bloodsport, Kickboxer oder – Schluck! – Street Fighter kennen. Wem die Halbbio JCVD ein Begriff sein sollte, der wird wohl keine Bauklötze staunen. Denn van Damme kann schauspielern, wenn man ihn lässt. Hier hält ihn gottlob keine Kette im Zaum, lebt er seine Rolle, die außerdem dank seiner leicht verlebt wirkenden Züge noch glaubwürdiger rüberkommt.

Doch kehren wir nochmals zur besprochenen »Limited Special Edition« zurück. Wenn es mal gerade nicht körnig oder überzeichnet rüberkommt, kann sich das Bild durchaus sehen lassen, erreicht aber nicht den Referenzwert des Vorgängers, auch nicht der Ton. Die Nachbarn wird’s freuen. Auch die Extras sind nicht von schlechten Eltern. Genau wie der Hauptfilm eine Verbeugung vor der 80er Jahre Action ist, darf eine entsprechende Kurzdoku über die Evolution der Genrehelden nicht fehlen. Auch wer ein bisschen mehr über die wahren Söldner wissen möchte, wird nicht enttäuscht. Daneben gibt es außerdem noch die üblichen Deleted Scenes und B-Rolls (in denen alle lachen, außer van Damme). Trotz aller positiven Aspekte, es bleibt dennoch ein wenig Gram, kommt man sich ob der mitunter mehr als fragwürdigen Qualität des Bildes und der zweifelhaften Aussage des Verleihs schon ein wenig vergackeiert vor. Wer also nicht gleich zugreift, sondern wartet, bis der Preis in günstigere Regionen gesunken ist, der hat durchaus das Verständnis des Rezensenten.

 

Fazit:

Spektakulär und geradlinig, cool und blutig – aber mit einem stellenweise miesen Bild ausgestattet: zwar überwiegt das Positive bei »The Expandables 2«, ein leicht unangenehmer Beigeschmack bleibt dennoch. Trotzdem kann die Fortsetzung dem Vorgänger allemal das Wasser reichen.

 

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Eure Meinung:

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BR:

The Expandables 2 – Back for War (Special Uncut Edition)

Originaltitel: The Expandables 2

USA, 2012

Regie: Simon West

Format: Widescreen

Sprache: Deutsch (DTS-HD 7.1), Englisch (DTS-HD 7.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.40:1

FSK:18

Splendid Film/WVG, 25. Januar 2013

Umfang: 1 BR

Spieldauer: 103 Minuten

 

ASIN: B009TPYJ22

ASIN (DVD): B009TKJEAO

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Sylvester Stallone

Bruce Willis

Arnold Schwarzenegger

Jean-Claude van Damme

Jason Statham

Chuck Norris

Jet Li

Dolph Lundgren

Terry Crews

Randy Couture

Liam Hemsworth

Yu Nan

Charisma Carpenter

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Erstellt: 02.03.2013, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23