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The Fabled Woods

Rezension von Cronn

Der Wald sieht einladend aus: Die Bäume wiegen sich im Wind, Sonnenstrahlen fallen durch das dichte Blätterdach. Auf dem Boden liegt Laub, worüber sich ein kaum erkennbarer Pfad windet, der von menschlicher Anwesenheit kündet.
Ich laufe diesen Weg entlang und gelange zu einer Flusslandschaft. Das Wasser strömt an mir vorbei, unter einer Brücke hindurch und stürzt anschließend einen Wasserfall hinab. Das Getöse ist allerdings nicht allzu laut. Noch immer bin ich betört von der Naturidylle und betrete die Brücke. Sie schwankt nicht, ist fest. Ich laufe hinüber.
Drüben angekommen, sehe ich mehrere rund um einen See aufgeschlagene Zelte. Ich gehe hinüber, untersuche die Rucksäcke, stelle aber keine Merkwürdigkeiten fest. Am Ende der Zeltallee hindert mich ein umgeworfener Baum am Weiterkommen.
Ich schließe die Augen und als ich sie wieder öffne, ist alles in rotes Licht getaucht. Plötzlich sehe ich leuchtende Spuren am Boden. Ich folge sie zurück zur Brücke und stelle fest, dass sich dort etwas Grauenhaftes ereignet hat.
Aber das war nur der Beginn einer furchtbaren Ereigniskette …

 

The Fabled Woods ist ein storygetriebenes Indiespiel vom Entwickler CyberPunch Studios. Vertrieben wird das Game von Headup Games, die auch für Spiele wie Dead Age, Silver Chains oder Colt Canyon als Publisher verantwortlich zeichnen.

 

Doch wie gelungen ist das Indiespiel, das jüngst erschienen ist?

Hintergrund:
In »The Fabled Woods« erlebt man als Spieler·in im Nachgang die Geschichten mehrerer Personen, als da wären Larry, Sara und Todd. Dabei läuft man meist durch eine Waldlandschaft und erfährt durch die Erzähler die Storyzusammenhänge.
Diese Geschichte führt hinab in eine grausame Ereigniskette in der Vergangenheit.
Allerdings wirkt sie sehr durchschaubar und besitzt wenig Tiefgang.

Gameplay:
Als Spieler·in ist man zumeist ausschließlich damit beschäftigt, in der Ego-Perspektive durch die Landschaft zu wandern. Immer wieder gibt es Zettel zum Lesen, welche die Geschichte weiterspinnen. Auch sind Türen verschlossen, sodass Schlüssel in der Nähe gefunden werden müssen. Die sind aber recht schnell entdeckt.
Durch das Betätigen der Leertaste schließt man die Augen im Spiel und erinnert sich. Dadurch wird die Umgebung in rötliches Licht getaucht und leuchtende Spuren und Gegenstände erscheinen. Sobald man die Spuren zu ihrem Ursprung verfolgt und bestimmte Gegenstände untersucht hat, wird eine Traumsequenz ausgelöst.
In ihr befindet man sich in einer surrealen Welt, in der Steine nach oben fliegen und Bäume verkehrt herum wachsen können. Auf einem schmalen Pfad wandelt man und hört weiteren Storyschnipseln zu, bevor am Ende eine Erkenntnis folgt. Das wiederholt sich jedes Mal. Das Gameplay ist also sehr repetitiv und wird auch im Verlauf des Spiels nur minimal verändert.

Dazu kommt eine seltsame Steuerungseigenheit: Sobald man die Maus- oder Tastenbewegung stoppt, wandert die Spielfigur mit dem Blick oder mit den Füßen im Spiel noch einen kurzen Moment weiter. Das ist zwar kaum merklich, aber wenn man darauf achtet, erscheint das merkwürdig, da unnötig. Eine solche »Trägheitssteuerung« würde man bei einem Unterwassergame a la Aquanox erwarten, aber nicht bei einem Walking-Simulator.

Nach rund 70 Minuten flimmert der Abspann über den Bildschirm, was wenig Spielzeit für das rund 20 Euro teure Spiel ist.

Grafik und Sound:
Auf den ersten Blick erscheint die Grafik von »The Fabled Woods« sehr gelungen zu sein. Allerdings erkennt man beim genaueren Hinsehen, dass die Texturen nicht scharf und hochauflösend sind und auch die Vegetation nicht auf die Spieler·innen reagiert.
Dennoch kann die Grafik auf der positiven Seite für sich verbuchen, dass die Lichtstimmung schön differenziert gezeichnet ist. Immer wieder wechseln hierbei die Farben und die Helligkeit, zum Beispiel beim Heraustreten aus der Dunkelheit. Die ist ein Effekt, der dem menschlichen Auge in seiner Funktionsweise nachgebildet ist und überzeugen kann.

Weniger gelungen ist die Tatsache, dass das Spiel über weite Strecken eine unnatürliches Farbspektrum zeigt. Und damit sind nicht die surrealen Sequenzen oder die Traumebene gemeint, sondern bewusst die Waldspaziergänge. Manchmal wirken Steinwände zu grell ausgeleuchtet oder ist der Felsboden zu rötlich-orange eingefärbt, manchmal wirkt die Vegetation zu unnatürlich in ihren Grün- oder Ockertönen. Irgendwas ist ab und an schief. Sollte das zur Unterstützung der Story dienen, wurde es zu wenig kommuniziert und erscheint daher unpassend.

Im Soundbereich dominieren ruhige Gitarrentöne, die später mit düsteren Sounds abwechseln. Das ist gut gelungen und unterstützt den Wechsel der Atmosphäre.

Fazit:
»The Fabled Woods« ist als Spiel im Bereich der narrativen Erfahrungen angesiedelt. Diese werden, leider oft etwas abschätzig „Walking-Simulatoren“ genannt, um den Mangel von Interaktivität anzukreiden. Im Fall von »The Fabled Woods« ist das leider weitgehend zutreffend.
Es gibt wenig Möglichkeiten etwas zu tun, um Aktionen auszulösen. Das wäre aber verschmerzbar, sollten andere Gameplay-Elemente passen, wie beispielsweise die Story. Aber auch auf diesem Feld ist »The Fabled Woods« nicht überragend.
Bleiben noch die Gameplay-Elemente während des Spiels. Und diese wiederholen sich in zu ähnlicher Form, sodass das Spiel repetitiv und ermüdend wirkt.
Alles in allem kann »The Fabled Woods« nur absoluten Fans des Walking-Simulatorengenres empfohlen werden.

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

The Fabled Woods
Entwickler: CyberPunch Studios
Publisher: Headup
Veröffentlichung: 25. März 2021

Erhältlich bei: steam


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Erstellt: 24.04.2021, zuletzt aktualisiert: 24.04.2021 20:18