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The Golden Horde (PC)

Rezension von Björn Backes

 

Mit dem gerade erschienenen Echtzeit-Strategen „Fate Of Hellas“ haben die Designer bei Golden Forge kürzlich einen ziemlichen Bock geschossen. Gerade mal passables Gameplay, eine nicht-existente Story, biedere Aufbaukost und langweilige Schlachten: Hier zeigte sich ganz deutlich, was geschieht, wenn man ein geplantes Add-on plötzlich in die Unabhängigkeit entlässt. Daher steht das parallel publizierte „The Goden Horde“ jetzt auch unter keinem wirklich guten Stern, denn in Sachen Gameplay gleicht der Titel seinem Äquivalent in fast allen Belangen. Und ob der Wechsel von Spartanern und Makedoniern zu Kreuzrittern, Mongolen und Russen alleine den Unterschied machen kann, darf man auch stark in Frage stellen – leider berechtigt…

 

 

Das Spiel:

 

Und tatsächlich: Die wesentlichen Unterschiede beschränken sich ausschließlich auf den Aufbau der Kampagnen sowie die Wahl der Protagonisten, die in diesem Fall mit ganz unterschiedlichen Qualitäten ausgestattet sind. Die Mongolen bieten dabei das solideste Fundament und gelten als ziemlich sesshaftes Volk. Bevor sie ihre Armee aufbauen und ausrüsten, erstellen sie erst einmal eine stabile Infrastruktur, sind gerade deshalb aber auch immer wieder für kurze Überfälle zu gebrauchen, die ein geringeres Risiko darstellen.

Die Russen wiederum gelten als formidable Defensiv-Strategen. In der Verteidigung sind sie nahezu unbezwingbar und taugen somit besonders dann, wenn es darum geht, Posten und Stellungen zu halten und größere Armeen tapfer in die Flucht zu schlagen. Bleiben noch die Kreuzritter, ein unheimlich angriffslustiges Volk, das in der Offensive alle erdenklichen Geschütze auffährt und folgerichtig auch schwer zu bremsen ist. Beste Voraussetzungen also für ein umfassendes Spielsystem mit einer Vielzahl von Varianten. Eigentlich…

 

Die Realität sieht leider ein wenig anders aus. Statt nämlich in den einzelnen Kampagnen – jedes Volk bekommt hier mehrere Missionen zugewiesen – auf die individuellen Stärken der jeweiligen Parteien zu bauen, verlässt man sich auf allzu bekannte, mittlerweile längst ausgelutschte Schemen. Verstecken, aufbauen, ausweichen, angreifen, überrollen, niedermachen. Das Kontingent der Aufgaben beschränkt sich auf einige immer wiederkehrende Handlungsmuster, die in sich noch nicht einmal wesentlich variiert werden. Egal also, welche Kampagne man nun ansteuert: Früher oder später zerläuft man in Wiederholungen, die den Langzeitreiz des Spiels merklich herabsetzen – zumal hier jegliche Individualität auf der Strecke bleibt. Da hätte man auch gleich bei einem einzigen Volk bleiben und dieses in seiner Entwicklung vorantreiben können. Wunschdenken…

 

Nichtsdestoweniger ist der Spielaufbau einigermaßen solide. Unabhängig von der Wahl seiner Partei gründet man eine kleine Gemeinschaft, schmiedet Waffen, sorgt für Nahrung und motivierende Faktoren für die eigenen Soldaten und verwandelt schließlich sogar den unscheinbarsten Bauern in einen unermüdlichen Krieger. Hier zeigt das Spiel auch ganz gute Ansätze, da man jede einzelne Person sehr individuell ausstatten und darüber hinaus ach bestimmen kann, in welcher Kampfformation der Krieger am besten eingesetzt werden kann. Zwar muss man hier einiges an Arbeit investieren, doch da sich im Verlauf des Spiels immer wieder längere Wartezeiten ergeben, bis einzelne Punkte der Infrastruktur zusammengewachsen sind. Letzteres ist aber so manches Mal ein ziemlich ermüdender Punkt, da es oftmals lästig ist, nur zuzusehen und nicht aktiv eingreifen zu können. Gerade in den Anfangssequenzen der Missionen ist man häufig zur Untätigkeit verurteilt, wenngleich in keiner Situation echte Hektik aufkommt. Aber etwas effizienter könnte die Aufteilung der aktiven Spielanteile letzten Endes schon sein.

Sobald die Action dann endlich mal richtig zum Tragen kommt, sollte es nun auch zur lang ersehnten Herausforderung kommen. Und tatsächlich präsentieren sich die ersten Missionen als ungeheuer knifflig, so zum Beispiel beim Ausweichmanöver bei einer viel stärkeren gegnerischen Truppe zum Auftakt. Allerdings hat man sich hier schnell die richtige Taktik zurechtgelegt und kann dank der relativ niedrigen Kontrahenten-KI nach einigen kurzen Einstiegsproblemen ziemlich schnell auftrumpfen. Was den allgemeinen Anspruch von „The Golden Horde“ betrifft, ist es also auch nicht allzu weit her. Aber das sollte man von einem Game, welches im Großen und Ganzen die durchschnittlichsten Inhalte bekannter Echtzeit-Strategie-Titel nachahmt, auch nicht anders erwarten dürfen.

 

 

Technik/Grafik:

 

Eigentlich reicht auch hier der Querverweis zu „Fate Of Hellas“, denn auch wenn das Spiel grundsätzlich ganz nett aufgearbeitet ist, fehlt es letztendlich in der generellen Präsentation an Souveränität. Die Texturen sind bisweilen verschwommen, die Kampfdarstellungen manchmal ein wenig zu hektisch und die Benutzeroberfläche sogar eine Spur detailärmer strukturiert. Grafisch werden ergo definitiv keine Highlights geboten.

 

Die technische Seite des Spiels erzielt indes einigermaßen ordentliche Resultate und reiht sich im guten Standard ein. Schade ist lediglich, dass der Umfang mal wieder recht schmal ist und auch solch typische Gimmicks wie ein Online-Modus nicht realisiert wurden. Aber auch das Netzwerkspiel mit bis zu acht Beteiligten ist nicht gerade liebevoll umgesetzt worden. Gerade mal vier unterschiedliche Karten stehen zur Auswahl und verlieren ebenso schnell ihren Reiz. Das hat man alles auch schon mal besser gesehen!

 

 

Spielspaß:

 

Das Potenzial von „The Golden Horde“ ist erschreckend schnell ausgereizt, da die Kampagnen und Missionen nicht das erforderliche Maß an Abwechslung bieten und auf Dauer doch sehr festgefahren in ihrer Struktur sind. Zwar ist das Spiel darauf ausgelegt, die einzelnen Völker ganz unabhängig voneinander zu steuern und somit seinen Fokus sehr individuell auszurichten, doch insgesamt kehrt man in allen drei Kampagnen immer wieder zur vorherrschenden Gleichförmigkeit zurück, die die Langzeitmotivation der Planungssimulation und der anschließenden Schlachten schnell zu Boden ziehen. Gerade erfahrene Genre-Experten werden schnell feststellen, dass „The Golden Horde“ es lediglich bei einigen guten Ansätzen belässt, die jedoch nicht konsequent weiterentwickelt wurden und somit einen ebenso halbgaren Eindruck hinterlassen wie der zeitgleich veröffentlichte Golden Forge-Titel. Was dies für den Spielspaß bedeutet, braucht wohl nicht mehr extra aufgeführt werden. Nur soviel: Auf Dauer ist Langeweile garantiert!

 

 

Fazit:

 

Für die Designer von Golden Forge beginnt das Jahr mit zwei absoluten Tieffliegern. Nach „Fate Of Hellas“ folgt mit „The Golden Horde“ bereits der zweite, richtig enttäuschende Titel, der zudem auch noch auffällig nah an das parallel erscheinende Game angelehnt ist. Vielleicht hätte man sich besser auf die Entwicklung eines einzelnen Titels konzentriert und darin das ganze Herzblut gesteckt. Doch Spekulationen helfen an dieser Stelle auch nicht weiter, denn sie machen das angeknackste Spielkonzept kaum besser.

 

Eure Meinung:


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The Golden Horde (PC)

von JoWood

USK-Einstufung: Freigegeben ab 16 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: B0012R2RQA

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows 2000 / XP / Vista

Prozessor: Intel Core 2 Duo 2,4 GHz CPU

Speicher: 1024 MB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 4 GB

Grafikkarte: NVIDIA GeForce 6 Serie, ATI Radeon 8500 oder 3D-Grafikkarten des gleichen Typs

DirectX9.0 kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 28.07.2008, zuletzt aktualisiert: 18.06.2019 11:05