Ich stehe in einer parkähnlichen Anlage, um mich herum Büsche, ein Vogel fliegt vorbei. Es ertönt fernöstliche Musik. Die Szene wirkt friedlich und wäre ich nicht in ein schwarzes Ninja-Outfit gekleidet, würde alles nach einem Spaziergang in einer asiatischen Umwelt aussehen. Doch weit gefehlt!
Den braunen Weg laufe ich entlang und schon gleich im nächsten Bildschirm wartet ein Gegner auf mich, der seins Nunchaku zückt und auf mich zurennt.
Heiliger Bimbam!
So schnell kann ich gar nicht bis drei zählen und schon landet er einen ersten Treffer. Endlich habe ich gecheckt, wie ich zuschlagen und treten kann, ohne zu hüpfen. Bang! Jetzt kriegt der Typ voll auf die Zwölf!
Sein Lebensbalken sinkt, meiner auch, doch dann: Er geht in die Knie und fällt. Gewonnen!
Ich muss unbedingt mir eine Waffe suchen. Ein Schwert wäre super oder eine Rauchbombe – aber die gibt es erst ein paar Bildschirme weiter. Bis dahin muss ich ohne auskommen!
The Last Ninja Collection ist auf Steam über Nacht erschienen und es ist erstaunlich, dass das geschehen ist. Ab Mitte der 80er Jahre wurde die Spieleserie The Last Ninja von System 3 entwickelt und galt damals ein grafisches und musikalisches Wunderwerk. Nun kann man das Game und einige weitere auf dem PC emuliert spielen. Doch wie wirkt die Reise in die Vergangenheit heutzutage?
Es folgen ein paar Eindrücke vom Spielerlebnis:
»The Last Ninja«-Games: Die Spiele werden mit standardmäßig mit Tastatur gespielt. Die Tastatureinstellung kann nicht geändert werden. Mit den Pfeiltasten läuft man, mit der Aktionstaste »A« gelangt man in den Angriffsmodus und kann dann mit den Pfeiltasten Angriffe ausführen. Typischerweise ist man in einer isometrischen Sicht unterwegs und sieht die Spielfigur von schräg oben.
Früher war das neuartig und aufregend, doch heute merkt man, dass die Steuerung an vielen Stellen unangenehm ist. So muss man pixelgenau schräg laufen, um nicht an gefallenen Gegnern hängen zu bleiben und auch die Übersicht bei Sprungpassagen ist sehr schwierig.
Möchte man Gegenstände in der Spielwelt aufnehmen, muss man pixelgenau stehen und zugreifen, sonst packt man in die Luft und nichts passiert. Auch sind die Gegenstände nur kurz durch Aufleuchten klar erkennbar, dann versinken sie wieder in den Pixelhintergrund.
Die Musik von Rob Hubbard ist zeitlos genial und macht immer wieder Spaß zu hören.
International Karate-Games: Diese Spiele waren berühmt für die Mehrspieler-Matches auf dem C64, in denen Timing, Genauigkeit und Reflexe gefragt waren. Das funktioniert auch heute noch super, wobei eine Controllersteuerung für Spieler·in 1 integriert wurde und Spieler·in 2 den Nummernblock nutzen muss.
Die anderen Games sind ein netter Bonus, reichen aber nicht an die Klassiker heran, die eben beschrieben wurden.
Es ist eine gelungene Sache, dass neben C64 auch ZX-Spectrum und Amiga-Versionen implementiert wurden und dass man sogar unterschiedliche Bildschirmdarstellungen auswählen kann, bis hin zum Pixelbrei auf der Einstellung »Old-School«. Und ja, so verwaschen hat das damals ausgesehen!
»The Last Ninja Collection« ist ein Ausflug zurück in die Vergangenheit der Computerspiele, der nicht allen gleichermaßen empfohlen werden kann. Spieler·innen der heutigen Generation werden sich voller Schrecken ob der Sperrigkeit der Gameplay-Mechaniken und Steuerung abwenden.
Wer damals schon Zocker·in war, kann einen Blick zurück riskieren – sei aber gewarnt: Oft verklärt die Zeit die Realität mancher Spieleperlen. Andere allerdings haben die Zeit recht gut überstanden, wie »International Karate«.
Physische Sammlereditionen können in Kürze für PC, Switch und PlayStation 5 vorbestellt werden.
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