The Lost Boys: Reign of Frogs
 
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Lost Boys: Reign of Frogs

Rezension von Christian Endres

 

Man könnte durchaus sagen, dass sich »The Lost Boys: Reign of Frogs« gleich einer zweifachen Tradition der modernen unheimlichen Fantastik bedient.

 

Zum einen wäre da die überstrapazierte Urban Fantasy, zu deren Stammhaltern im Mainstream der originale Lost Boys-Film von 1987 nicht ganz zu unrecht zählt – zeitgenössische Vampire weit weg von Dracula, unter uns im Hier und Jetzt? Das klingt ganz nach jener Art von Trend-Fantasy, wie sie sich seit fünf Jahren in den Buchhandlungen stapelt. Und spätestens seit man die Steve-Niles-Filme 28 Days Later und 28 Weeks Later sowie das Original und das Remake von The Hills Have Eyes je durch einen Comic zwischen den Filmen verbunden (dt. beide bei Cross Cult) hat und Joss Whedon seinen TV-Hit Buff seit 2004 in Comic-Form (dt. bei Panini) weiter erzählt, ist der Comic als Bindeglied des düster-fantastischen Genres etabliert.

 

Joel Schumachers damals nahezu revolutionärer Vampirfilm The Lost Boys, der Ende der Achtziger mit viel Spritzigkeit und Coolness daher kam und u. a. Kiefer Sutherland allmählich in der Hauptrollen-Garde Hollywoods positionierte, genießt heute Kult-Status als Genre-Film mit einem Schuss amerikanischem Teenie-Komödien-Humor. Außerdem gilt er eben als einer der multimedialen Vorreiter der Urban-Fantasy-Vampir-Topic-Flut, mit der wir heute zum Teil zu kämpfen haben (der Roman zum ersten Film stammte damals übrigens aus der Feder von Fantastik-Veteran Craig Shaw Gardner). Ende 2008 erschien mit Lost Boys: The Tribe das Sequel des Films auf DVD – Grund genug, die Originalgeschichte um die Teenie-Vampirjäger in einem kleinen amerikanischen Kaff an der Küste noch einmal aufzugreifen und die Handlung bis zum Film-Sequel in einem Comic zusammenzufassen, noch mal zu reflektieren und auch ein wenig fortzuführen.

 

Keine schlechte und eben auch eine in jüngerer Vergangenheit bewährte Idee – schade nur, dass der Comic seinen Leser weitgehend in der Luft hängen lässt. Klar, irgendwie kommt man in die Geschichte rein, selbst wenn man den Film nicht kennen sollte – aber eine Beziehung zu den Figuren baut man dann natürlich nicht auf (wenn man überhaupt nur die Namen richtig zuordnen kann, auch wenn die Charaktere gerade zu Beginn doch ganz gut ihren Film-Pendants besprechen). Das Artwork ist generell recht solide, hat beim breitschultrigen ‚Vampir-Oger’ im hinteren Teil aber seine Probleme. Die Handlung hat sich zu diesem Zeitpunkt eh längst verabschiedet: Die Qualität von Story und Humor lässt nach einem schönen ersten Kapitel leider von US-Heft zu US-Heft nach und fängt sich erst im Epilog wieder.

 

Zu spät, um »Lost Boys: Reign of Frogs« noch zu retten, das damit primär wirklich nur etwas für Fans des kultigen Vampir-Films ist.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406150358315d919eee
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Comic:

Lost Boys: Reign of Frogs

Autor: Hans Rodionoff

Zeichner: Joel Gomez, Don Ho

Tradepaperback, 100 Seiten

Panini, Februar 2009

ISBN: 3866077149

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 30.01.2009, zuletzt aktualisiert: 11.04.2024 08:09, 8185