Dark Fantasy kommt in vielen Facetten daher, mal mehr dem Horror zugeneigt, dann wieder an die Schauerromantik angelehnt. In der modernen Zeit gibt es auch bunte Mischungen, wie der Roman von Cameron Sullivan beweist, denn The Red Winter ist mehr als nur eine weitere Variation des Werwolf Themas.
Sebastian Grave ist ein Mann vieler Talente, aber er hütet auch jede Menge Geheimnisse. Dazu gehört, dass er als Monsterjäger selbst einen Dämonen in sich trägt und länger als jeder andere Sterbliche auf dieser Erde wandelte. In der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts wird er jedenfalls in die abgelegene französische Provinz Gévaudan gerufen.
Dort macht seit geraumer Zeit eine unheimliche Bestie die Gegend unsicher, tötet das Vieh aber auch Menschen. Zusammen mit einem jungen Adligen und seinem unsichtbaren Weggefährten, dem Dämonen Sarmodel macht er sich auf den Weg und findet schon bald heraus, dass dort lange nicht nur eine Bestie lauert.
Bereits einige Filme und Romane haben sich der seltsamen Geschehnisse angenommen, die nur wenige Jahre vor der französischen Revolution Frankreich erschüttert hat und bis heute Rätsel aufgeben dürfte, denn es ist immer noch nicht wirklich klar, ob dort nur ein Wolf sein Unwesen trieb, sondern vielleicht mehr.
Denn die Gegend mit ihren undurchdringlichen Wäldern ist ein wunderbarer Hintergrund für alle möglichen Mythen, die sich die Menschen dort vielleicht auch erzählt haben und nun munter ausgeschmückt werden. Denn wie könnte es anders sein, dass Lykanthropie plötzlich mitspielt, ebenso wie eine besondere Form des Vampirismus.
Sebastian Grave ist der Ich-Erzähler der Geschichte, einige wenige Texteinschübe stammen von seiner Haushälterin, die auch nicht ganz von dieser Welt ist. Der meist als Professor auftretende Gelehrte kommt erstaunlich zynisch daher, was auch an seinem langen Leben und seinen Erfahrungen mit der Menschheit liegen mag, wie die Leser in einige Einschüben erfahren dürfen, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielen.
Garniert wird das ganze mit ein wenig queerer Liebe und Leidenschaft, die zwar gelegentlich Triebfeder ist, aber die Geschichte nicht dominiert. Allerdings sollten Leser einiges an Geduld mitbringen, denn gerade am Anfang zieht sich die Handlung deutlich, nimmt die Reise doch einen sehr großen Raum ein, ebenso wie die anderen Zeitebenen, die sich erst zum Ende hin erklären. Leider verfällt der Autor am Ende auch ein wenig zu sehr in Klischees, die dem ganzen zusätzlich die Wucht nehmen. Gute Ansätze und nette Ideen sind durchweg vorhanden, der Ausführung hätte aber eine Straffung des Buchs gut getan. Leider bleiben auch die anderen Charaktere oberflächlich, da sich Sebastian Grave zu sehr auf seine Befindlichkeiten konzentriert.