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Will Eisner's The Spirit TPB 1

Rezension von Christian Endres

 

Als Will Eisner im Juni 1940 seinen maskierten Vigilanten The Spirit für eine amerikanische Samstagszeitungsbeilage schuf, war noch niemandem bewusst, dass Eisner bald schon der einflussreichste amerikanische Comiczeichner aller Zeiten sein sollte und seine detektivische Heldenschöpfung mit Hut und Maske das Abenteuerstrip- und Superheldengenre bis heute prägen und verändern sollte, was inhaltliche und visuelle Konzepte anbelangt.

 

Eisner und der Spirit machten, wie wir heute wissen, ihren Weg, auch wenn es um den Helden aus Central City nach den letzten Spielereien von Autorengrößen wie Alan Moore oder Neil Gaiman Ende der 90er zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden war (und vor allem die klassischen Eisner-Storys als gesammelte Reprints verkauft wurden), während Eisner selbst seinen Spirit 2004 zum letzten Mal selbst ins Rennen schickte, ehe der Comic-Titan im Januar des Folgejahres verstarb. Dann kamen Frank Miller, der Erfolg des ersten Sin City-Films sowie die Nachricht, dass Miller dieses Jahr um Weihnachten herum den Spirit als Regisseur (!) fürs Kino aufbereiten würde. Grund genug für DC, den Spirit Anfang 2007 ins DC-Universum zu locken und nicht nur ein Crossover mit Detektiv-Kollegen Batman anzuleiern, sondern Eisners Helden auch eine neue monatliche Heftserie unter Federführung von Darwyn Cooke (Spider-Man: Tangled Web, Catwoman: Selina's big score) zu geben.

 

Warum man die nacherzählte Origin des Spirits hierbei aber erst ins dritte US-Heft der neuen Serie gepackt hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Vielleicht wollte Autor und Zeichner Darwyn Cooke seinen Lesern - alten wie potentiellen neuen Fans des Spirit - aber in den ersten beiden Heften auch einfach nur erst einmal zeigen, wie er mit dem Vermächtnis von Comic-Legende Will Eisner künftig umzugehen gedachte. Schnell stellt sich nämlich in den ersten beiden Episoden heraus, dass Cooke die Mitte zwischen Respekt und Modernisierung gefunden hat: Er lässt Eisners Charakteren ihren Charme, dreht sie aber zugleich auch so, dass sie zielsicher ins neue Jahrtausend laufen können und ungemein frisch wirken. Technik, Sprache, Ansichten - das schwankt alles zwischen Retro und Moderne, und das macht in dieser Kombination wirklich großen Spaß und sorgt für ordentlich Laune bei der Lektüre der unkonventionellen Detektiv-Geschichten.

 

Spaß macht auch Cookes wie immer angenehm unbekümmertes, leicht cartoonhaftes Artwork, kongenial vervollständigt durch T. Bones Arbeit mit der Tusche und Dave Stewarts Kunstfertigkeit an den digitalen Farbtöpfen - so präsentiert sich der modernisierte Spirit dann auch optisch als eine topmoderne Einheit. Schön auch stets die erste Doppelseite in jedem Kapitel (sprich: US-Heft), wo Cooke Eisners früheres Markenzeichen des abstrakt-aktiv ins Titelbild eingearbeiteten Spirit-Schriftzugs übernimmt und dem Meister auch somit noch einmal Respekt und Tribut zollt.

 

Und trotzdem: da ist von der Dichte der Geschichten her durchaus noch ein bisschen Luft nach oben, obschon Cooke und Co. schon fast alles richtig machen und den Spirit mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail in ein neues Comic-Zeitalter geführt haben. Schade nur, dass es das Batman/Spirit-Crossover nicht ins schön aufgemachte Panini-Trade geschafft hat und als kostspielige Prestige-Ausgabe Ende Juni nachgereicht wird. Das wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen mit Klappenbroschur gewesen.

 

Die Reise eines unsterblichen Mythos geht weiter - wer’s verpasst, ist selber Schuld.

 

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

The Spirit

Reihe: The Spirit Bd. 1

Autor & Zeichner:

Darwyn Cooke

Paperback m. Klappenbroschur.

148 Seiten, Panini, Mai 2008

Erhältlich bei Panini

weitere Infos:


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Erstellt: 21.05.2008, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40