Kiera Azar ist eine britische Autorin, die zwar zuvor biomedizinische Wissenschaften studieren, aber ihre Liebe zum Schreiben von Geschichten entdeckte. Mit Thorn Season liegt ihr Debüt und gleichzeitig der Auftakt zur gleichnamigen Trilogie vor, der in die Welt eines märchenhaften Königreichs entführt.
Schon seit langem werden im Königreich Daradon Bannwirker gefürchtet und gnadenlos gejagt, um sie dann spektakulär zu töten. Auch Alissa Paine besitzt diese verbotenen Kräfte. Es ist ihr bisher ganz gut gelungen, diese zu verbergen, indem sie sich vom Hof fern hielt. Doch nun muss sie dort erscheinen, denn es ist »Rosenzeit« für Debütantinnen wie sie.
Und dort fällt sie nicht nur dem gut aussehenden König ins Auge, der seine Schönheit wie eine Maske trägt, sondern auch dem Botschafter eines anderen Landes. Schon bald steht sie zwischen den beiden Männern. Und das kostet sie die Kraft, die sie vielleicht braucht, um ihr Geheimnis zu wahren.
Kiera Azar bedient sich einfacher Bilder, um mehr Raum für ihre Handlung zu haben. Und so wirkt das Königreich Daradon seltsam diffus, weder wird seine Kultur oder Geographie beschrieben, noch die Länder und politischen Konflikte, die im Hintergrund schwelen, sondern gerade einmal das angedeutet, was für die Handlung wichtig sein könnte.
Auch der Schauplatz ist mehr oder wenig auf Adelshöfe beschränkt, die Anzahl der handelnden Figuren überschaubar.
Spannung bezieht die Geschichte aus den Geheimnissen, die die Hauptfiguren mit sich herumschleppen, allen voran natürlich Alissa, die verbergen muss, zu was sie fähig ist. Aber auch König und Botschafter haben ein anderes Gesicht als sie zunächst zeigen. Und so entspinnen sich eine Menge Intrigen, die gelegentlich dafür sorgen, dass es für die Heldin oder ihren Umkreis gefährlich wird.
Die Intrigen sind nett gemacht und treiben die Handlung voran, tatsächlich bleiben auch leidenschaftliche Momente eher selten, rückt die Liebesgeschichte weitestgehend in den Hintergrund, da anderes wichtiger ist. Immerhin können so die Figuren mehr Facetten von sich selbst zeigen, so dass schon bald klar wird, wen man mögen und wen man verabscheuen könnte.
Alles in allem fehlt der Geschichte allerdings eine klare Linie, was den wichtigen magischen Hintergrund angeht. Man erfährt nicht wirklich, was am »Bannwirken« so gefährlich ist und warum die Gesetze eingeführt wurden, die wenigen Andeutungen gehen in dem ganzen Geplänkel leider etwas unter. Und die Heldin entwickelt erst zum Ende hin deutliche Eigeninitiative.
Immerhin ist die Spannung recht angenehm, und der Handlung tut es auch gut, dass das Liebesgeflüster im Hintergrund bleibt. Und trotz der kleineren Schwächen sind die Ideen so interessant, dass es durchaus Spaß machen könnte, der Trilogie weiter zu verfolgen.