Ava führt mit ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester ein einfaches Leben in einer Hütte im Wald. Ihre Mutter ist vor Jahren gestorben. Nach mehreren schlechten Ernten sind sie wie alle Menschen in der Umgebung gezwungen, von der Hand in den Mund zu leben. Die Not ist groß. Als der Vater seine Töchter auf einer vermeintlichen Reise in den Wald führt und sie dort allein lässt, irren die Schwestern ziellos umher, bis sie auf ein einsames Haus stoßen. Hier lebt eine Hexe mit mehreren von ihr aufgenommenen Kindern und sorgt anscheinend gut für sie. Aber warum trennt sie Ava von ihrer kleinen Schwester Linn?
Viele Elemente im 1. Band dieser mehrteiligen Jugend-Fantasy von Gry Kappel Jensen erinnern irgendwie an Hänsel und Gretel, aber daraus macht ja schon der Klappentext kein Geheimnis. Allerdings variiert die Autorin das Thema erfolgreich.
Hat die junge Protagonistin Ava, deren genaues Alter offen bleibt, die jedoch schon eher eine heranwachsende Jugendliche zu sein scheint, zunächst noch die klassischen Vorstellungen von bösen Hexen, die Kinder fressen, wird dieses Gut-Böse-Schema schon bald infrage gestellt. Die Absichten der Hexe Nebula bleiben dabei allerdings lange unklar. Auf sich langsam entwickelnde Gefühle zwischen Ava und einem ebenfalls bei Nebula lebenden Jungen, wie sie in Büchern mit Protagonisten dieses ungefähren Alters nahezu unvermeidlich sind, verzichtet die Autorin auch nicht. Am Ende dieses Bandes befinden sich alle in einer Situation, die kommende (neue) Probleme deutlich erkennen lässt.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus Sicht eines Beobachters, belässt den Fokus dabei allerdings ständig auf ihrer Protagonistin Ava. Die Sprecherin der Hörbuch-Ausgabe, Marlene Rauch, lässt die Geschichte durch ihre Sprechweise stellenweise märchenhafter klingen, als es der Text eigentlich nahelegt.