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Todesregen von Dean Koontz

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Molly Sloan hat nach jahrelanger Suche endlich ihren Frieden gefunden. Ihre Schriftstellerkarriere läuft einigermaßen beständig, und nach mittlerweile 20 Jahren hat sie auch das schlimme Massaker, das ihr Vater einst an ihrer Schule verübte, ganz gut verarbeiten können. Dann jedoch beginnt für die 28-jährige Autorin und ihren Ehemann Neil das Grauen von vorne. Ein merkwürdiger, silberfarbener Regen ertränkt ihr Haus, ihre Umwelt, das Dorf und scheinbar die ganze Welt. In den Nachrichten gehen erste Katastrophenmeldungen rund, und als Molly auf dem Weg in die Sicherheit der Dorfgemeinde Kontakt mit ihrem entflohenen Vater sowie einigen merkwürdig entstellten Leichen hat, wird ihr bewusst, dass hinter der schrecklichen Naturkatastrophe höhere Mächte stehen.

Doch erst als sich auch die wenigen, verbliebenen Leute in ihrem Umfeld radikal verändern, bekommt sie eine Vorstellung von der neuen Bedrohung. Eine weitaus höher entwickelte Macht scheint das Leben auf der Erde völlig umzuformen und die Menschen auszurotten. Seltsamerweise bleiben jedoch die Kinder und auch Molly und Neil von diesem Attentat verschont. Doch warum?

 

 

Rezension:

Auf seine älteren Tagen scheint Dean Koontz noch einmal einen richtigen kreativen Schub bekommen zu haben. Versuchte er sich jüngst erst an einem waschechten Thriller gänzlich ohne übersinnliche Elemente („Irrsinn“), strebt er in seinem aktuellen Romanwerk „Todesregen“ nach einer etwas eigenwilligeren Interpretation des „Krieg der Welten“-Stoffes, wenngleich seine Herangehensweise mal wieder subtiler und tiefgründiger ist. Doch was genau ist dieses Buch jetzt?

 

Nun, diese Frage zu beantworten verlangt einige philosophische Ansätze, da Koontz den Erzählstrang eher gemächlich vorantreibt und diese intensive, überall spürbare Bedrohung als selbstverständlich beschreibt. Menschen verschwinden, werden pervers entstellt oder aber verändern ihr Seelenleben auf allzu unverständliche Art und Weise, und trotzdem navigieren die beiden Hauptcharaktere Neil und Molly Sloan schier unbeeindruckt durch die Szenerie, als gehörte dies zu ihrem ganz normalen Lebensalltag und könnte sie kaum aus der Bahn werfen. So zumindest werden beide Protagonisten eingeführt und weiterentwickelt, was im weiteren Verlauf natürlich auch an ihrer Glaubwürdigkeit rüttelt – einem Element, das allerdings nicht nur hier in Frage gestellt gehört. Und den Ansatz des Romans in einigen Szenen durchaus fragwürdig erscheinen lässt…

 

Doch der Reihe nach: der Autor beginnt gewohntermaßen souverän und bodenständig, steigt aber auch wieder sofort in den Hauptplot ein. Der seltsame Regen ziert bereits die ersten Kapitel, gleichzeitig werden ganz anständige Rahmenbedingungen geschaffen, und um auch die Horror-Fans zu befriedigen, haben unsere beiden vermeintlichen Helden einige außergewöhnliche Begegnungen, wie zum Beispiel diejenige mit Mollys unmenschlichem Vater, der ihr Leben bereits schon einmal radikal veränderte und beinahe zerstörte. So weit, so gut. Dann jedoch geht es darum, den Spannungsbogen noch steiler zu formen und en allgegenwärtigen, anscheinend extraterrestrischen Terror näher zu beschreiben oder zumindest der Ursache näher auf die Pelle zu rücken. Lange Zeit darf man nur Vermutungen anstellen, und selbst wenn dies in gewisser Weise zum Stil des Buches gehört, so sollte Koontz die Handlung zu gegebener Zeit auf eine neue Ebene bringen, was ihm jedoch bis zum Schlusskapitel scheinbar widersagt – und die ganz besondere Thematik, die hier eigentlich richtig gut in Szene gesetzt und dargestellt wird, leider um einen ordentlichen Prozentsatz entschärft.

 

Dennoch ist beachtlich, wie er mit seinen Figuren umgeht und in welch raschem Tempo er ein solch erschreckendes Bild aufstellt. Mit wenigen wirklich bedeutsamen Inhalten kreiert er eine subtil aufgebaute Endzeitstimmung, die von ihren Opfern aber trotzdem mit Fassung und Optimismus getragen wird. Hierin besteht letztendlich sicherlich auch die Message des Buches, obschon sie im Hinblick auf die letzten Seiten ein wenig plakativ erscheint. Aber diesbezüglich soll noch nicht zu viel vorweggenommen werden, denn dafür ist der inhaltliche Wandel doch zu krass. Aber dass Koontz die Überraschung gerne auf seiner Seite hat, ist ja allgemein hin bekannt!

 

 

Fazit:

Eine wirkliche Überraschung bleibt aber insgesamt nur die selbst für diesen Autoren recht eigenwillige Thematik des Romans. Inhaltlich ist „Todesregen“ ein ziemlich solides Werk mit vielen interessanten philosophischen Betrachtungsweisen und ganz ordentlich eingefügten Horror-Schüben. Dennoch: Mr. Koontz hat in den vergangenen Jahren auch besseren Stoff publiziert und war darüber hinaus auch schon zielstrebiger als in „Todesregen“. Oder kurz gefasst: Ein gutes Buch, aber womöglich für scharfe Kritiker des Autors nicht gut genug!

 

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Eure Meinung:

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Todesregen

Autor: Dean Koontz

Broschiert: 400 Seiten

Verlag: Heyne (August 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 345343336X

ISBN-13: 978-3453433366

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.08.2008, zuletzt aktualisiert: 12.05.2021 19:39