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Todesschrei von Karen Rose

Rezension von Christel Scheja

 

Karen Rose gehört zu den Krimiautorinnen, die es zu lieben scheinen, ihren Heldinnen, die eigentlich gar nichts mit der Sache zu tun haben, einen irren Serienkiller auf den Hals zu hetzen, während sie dabei im Gegenzug die Liebe ihres Lebens finden. Schon in „Der Rache süßer Klang“ bekam es die Leiterin eines Frauenhauses mit genau einer solchen Konstellation zu tun, in „Todesschrei“ ist es nicht viel anders.

 

Durch Zufall wird auf einem verwilderten Grundstück am Rande von Philadelphia eine Tote entdeckt. Doch sie soll nicht die einzige bleiben. Forensiker stellen fest, dass sie ein ganzes Gräberfeld mit sechzehn Parzellen vor sich haben, von denen bereits zwölf belegt sind. Und noch einiges ist merkwürdig. Einige der teilweise ziemlich entstellten Leichen sind in seltsamen Posen in das Grab gebettet worden.

So kommt der leitende Ermittler, Detective Vito Ciccotelli, auf die Idee, sich an das örtliche Museum zu wenden und dort einen Spezialisten um Rat zu fragen. Die junge Sophie Johannsen ist bereits zu helfen. Sie kennt sich mit mittelalterlicher Kunst aus und stellt sehr schnell fest, dass die Toten in der Haltung von alten Grabfiguren in die Erde gebettet wurden. Die Polizisten und Hilfskräfte sind entsetzt. Was ist das für ein Serienmörder, der seine Opfer nicht nur in typischen Posen des Mittelalters begräbt, sondern vermutlich auch noch auf ähnlich archaische Weise vom Leben zum Tod bringt?

Auch hier ist Sophie sehr hilfreich und kommt immer wieder, um Fragen zu beantworten. Es scheint, als suche sie die Nähe von Detective Vitelli, um sich von ihren eigenen Sorgen und dem Stress im Museum ablenken zu wollen. Er sagt nicht „nein“, denn er kann nicht leugnen, dass er ähnlich empfindet.

Da noch nicht alle Gräber in dem Areal belegt aber schon vorbereitet worden sind, steht zu befürchten, dass der irre Täter immer noch weiter morden wird, um sein Ziel zu erreichen. Vor allem bleibt seine Motivation ein Rätsel, da nicht alle Leichen dem gleichen Schema entsprechen – einige sind auch mit moderneren Waffen getötet worden.

Erst als eine weitere Leiche gefunden wird, die der Mörder wohl in großer Eile in der Nähe des Gräberfeldes zurückgelassen hat, ergibt sich eine überraschende Spur, die erste Zusammenhänge zwischen den Morden deutlich macht.

 

Karen Rose liebt die Extreme. Es fällt auf, dass ihre Mörder nicht aus einem Affekt oder Wut heraus handeln, sondern mit der Entschlossenheit des Wahnsinnigen ein klares Ziel erreichen wollen, dass sie sich selbst mit perverser Lust gesetzt haben. Auch der Serienkiller in „Todesschrei“ handelt nicht anders. Auch wenn die Opfer schon längst verscharrt sind, ergötzt er sich noch an den Bildern, die er von ihrem Leiden und Sterben gemacht hat. Diesmal scheut er sich sogar nicht, diese in verbrämter Form publik zu machen.

Die Autorin scheint auch besonderen Spaß daran zu haben, die Sicht ihrer Mörder darzustellen ohne all zu viel zu verraten. Denn genau diese Handlungsebenen wirken meist intensiver und beeindruckender als der Rest der Geschichte, der in bekannter Manier abgespult wird: Die Heldin hat meist gar nichts mit der Sache zu tun, gerät aber nach und nach immer mehr in das Visier des Täters und am Ende auch in seine Gewalt. Bis dahin umkreist sie mal mehr mal weniger den Ermittler, der ebenso fasziniert ist wie sie. Den Fall selbst bringt das nicht gerade voran, denn es gibt zunächst keine wirklichen Spuren – bis der Zufall endlich den entscheidenden Hinweis bringt, und man die Schlinge um den Mörder enger ziehen kann. Zwar weiß man irgendwann, wen man vor sich hat, seine Ergreifung wird aber bis zum finalen Countdown heraus gezögert.

Das ist auch die größte Schwäche des Buches. Zu oft dominieren private Themen die Geschichte und nehmen der Suche nach dem Täter den Raum. Die Handlung wird dadurch immer wieder unnötig aufgebläht, was gerade im Mittelteil zu Längen führt. Wirklich gelungen ist nur der Blick in die perversen Gedanken des Täters, doch genau das macht die anderen Geschehnisse um so blasser und klischeehafter.

 

„Todesschrei“ hat gute Ansätze, könnte aber in der Ausführung und Gewichtung der einzelnen Handlungselemente wesentlich besser sein. So hat das Buch gerade im Mittelteil unnötige Längen, die nicht nötig gewesen wären. Ansonsten erhält man leidlich spannende Unterhaltung, die man stellenweise zu leicht durchschauen, aber zumindest in den Szenen aus Tätersicht überzeugen kann.

 

Eure Meinung:

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Todesschrei

Autorin : Karen Rose

Paperback broschiert - 672 Seiten

Knaur, erschienen Mai 2008

ISBN 978-3-426-66310-3

Übersetzung aus dem Englischen von Kerstin Winter

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.06.2008, zuletzt aktualisiert: 12.05.2021 19:39