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Todesstille von Bernard Craw

Reihe: DSA-Roman 106

Rezension von Olaf Kieser

 

Das Schwarze Auge (DSA) ist das erfolgreichste deutsche Rollenspiel. Namhafte Autoren und tausende begeisterte Fans haben Aventurien, die Welt in der DSA spielt, seit seinen gelegentlich trashigen Anfängen entwickelt und in eine komplexe Fantasywelt mit wechselhafter Historie verwandelt. Da ist es nur natürlich, dass neben Abenteuern und Spielhilfen auch Romane geschrieben und publiziert wurden, um die Wünsche der Fans zu befriedigen.

 

Im März ist der DSA-Roman „Todesstille“ von Bernard Craw bei Fantasy Productions erschienen. „Todesstille“ ist Craws erster DSA-Roman. In seiner Bibliographie finden sich aber auch noch neben dem Battle Tech Roman „Karma“ und dem Vampir-Thriller „Sangius B.“ zahlreiche Kurzgeschichten, Gedichte, Artikel, eine Reisebeschreibung und wissenschaftliche Texte. Craw in seiner Schulzeit begeisterter DSA-Spieler. Er verfügt also über das nötige Handwerkszeug.

 

Der junge Bronjare Wulfjew soll Geweihter des Totengottes Boron werden. Sein sterbender Vater vermacht die Burg Dornblut, tief in den gefährlichen Rotaugensümpfen gelegen, der Kirche des Gottes. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Geweihten und der Novizin Imalia macht sich der junge Mann auf in die Rotaugensümpfe. Die alte Feste soll zu einem neuen Heiligtum des Totengottes ausgebaut werden. Bei der Erforschung und Renovierung der Burg entdeckt die junge Imalia eine geheime Kammer, deren Zweck zunächst unklar ist. Neugierig macht sie sich an die Erforschung und Übersetzung der zahlreichen Bücher, die sich in der Kammer befinden. Die Einwohner des nahen Dorfes sind keine große Hilfe dabei, Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Sie schweigen sich über die Geschehnisse bei der Eroberung der Burg vor zehn Jahren aus. Dabei war die despotische Herrscherfamilie Dornblut, in deren Besitz sich die Burg früher befand, getötet worden. Als der Winter hereinbricht, wird deutlich, dass nicht nur die Sümpfe eine Gefahr für Leib und Leben darstellen. Unheimliche Vorkommnisse häufen sich und es gibt Tote. Etwas schreckliches geht in den Sümpfen um, dass den Menschen unerbittlich nach dem Leben trachtet.

 

„Todesstille“ kommt im Gewand einer klassischen Gothic Novel daher. Craw verwendet viele typische Elemente dieses Genres. Da wäre eine abgelegene Burgruine mitten in den winterlichen Rotaugensümpfen, von der die Figuren nicht einfach fliehen können. Auch ein düsteres Geheimnis und unheimliche Vorgänge fehlen natürlich nicht. Es gelingt dem Autor über weite Strecken, eine unheimliche Atmosphäre und das latente Gefühl einer Bedrohung zu schaffen. Viele Szenen spielen zudem in Vollmondnächten, die die nebelverhangenen Sümpfe in ein unheimliches Licht tauchen, ganz wie man es aus Gruselfilmen kennt. Dieses klassische Setting reichert Craw mit gelegentlichen, blutigen Horrorelemente an. Er wird dann sehr deutlich in seinen Beschreibungen, wie jemand zu Tode kommt oder welche Verletzungen jemandem zugefügt werden. Das ist dann nicht immer appetitlich und ein Zugeständnis an modernen Horror. Auch die Diener des Totengottes tragen ihren Teil zu der düsteren Atmosphäre der Geschichte bei. Tod und Vergänglichkeit sind ständige Begleiter der Figuren und zentrale Themen des Romans.

 

Seine Hauptfiguren gestaltet Craw ambivalent und verleiht ihnen Tiefe. So wird Wulfjew von seinen eigenen Dämonen getrieben. Er besitzt ein nur geringes Selbstwertgefühl und verspürt immer wieder den Drang sich selbst zu verletzen. Er scheint am Borderline-Syndrom zu leiden. In seiner Unsicherheit tritt er gegenüber den Dorfbewohnern oft mehr wie ein Bronjare als ein Geweihter Borons auf. Imalia dagegen scheint mit ihrere Rolle als zukünftige Geweihte des Gottes Boron nicht zurecht zu kommen, steht die Todesnähe doch immer wieder ihrem tempramentvollen, dem Leben zugewandten Charakter entgegen. Sie überkommen immer wieder Zweifel an dem von ihr eingeschlagenen Weg. Die entlaufenen Leibeigenen Lonnet und Svetjana sind Ausnahmen. Sie stehen eindeutig im Leben, verbindet sie doch eine bedingungslose Liebe. Auch einige Nebenfiguren besitzen genug Charakter, um sie für den Leser zum Leben zu erwecken. Es ist ein Verdienst des Autors, dass einem die Figuren schnell sympathisch werden und man sich für ihr Schicksal interessiert. Die Figuren sind allesamt keine typischen Fantasy-Recken.

 

Die Geschichte braucht ein wenig, um in Gang zu kommen. Zu Beginn scheinen zwei voneinander unabhängige Handlungsstränge parallel zu laufen, ohne das eine Verbindung ersichtlich wäre. Dafür bekommt man aber Einblicke in das Leben von Borongeweihten und Leibeigenen im Bornland. Sobald die Handlung aber auf Burg Dornblut und in den Rotaugensümpfen spielt, nimmt die Spannung beständig zu. Dass erfahrene Leser relativ schnell ahnen, worum es geht, tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Allerdings überzeugen nicht alle Wendungen, wirken sie doch gelegentlich zu deutlich konstruiert, damit die Geschichte fortgeführt werden kann. Auch erscheint die Auflösung am Ende des Romans zwar überraschend, aber doch auch zu einfach im Hinblick auf die vorangegangenen Ereignisse.

 

Für den Roman lässt sich insgesamt ein positives Fazit ziehen. „Todesstille“ von Bernard Craw ist eine elegische DSA-Gothic Novel mit gelegentlichen Horrorelementen, die besonders durch Atmosphäre und Figurenzeichnung zu gefallen weiß. Auch wenn einige Wendungen ein wenig zu deutlich konstruiert sind, so ist „Todesstille“ ein spannendes Lesevergnügen, dass den Leser in eine für Fantasy untypische Welt führt.

 

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Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH,

www.fanpro.com und www.f-shop.de.

Eure Meinung:

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Todesstille

Reihe: DSA-Roman 106

Autor: Bernard Craw

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 378

Verlag: Fantasy Productions

Erscheinungsdatum: März 2009

ISBN: 978-3-89064-246-8

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 28.04.2009, zuletzt aktualisiert: 13.03.2019 13:45