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Torres - Spiel des Jahres 2000

Rezension von Marcus Krug

 

Nach Beschreibung des Herstellers handelt es sich bei Torres um ein Bauneburgundsetzdichdrauf-Strategiespiel. Auch wenn dies keine schlechte Kurzbeschreibung ist, so lässt es kaum auf die strategischen Möglichkeiten schließen, die sich in diesem Spiel bieten.

 

Vorgeschichte:

Ein verheerdender Wirbelsturm hat das reiche Kastilien verwüstet und nur die Grundmauern der einst so prächtigen Burgen zurückgelassen. Der alte König sucht nun unter seinen Söhnen einen würdigen Nachfolger, indem er sie mit der Errichtung der königlichen Burgen betraut. Wer es vermag, im Laufe von drei Jahren die höchsten und größten Burgen zu bauen und sich auf ihnen niederzulassen, soll ihm nachfolgen. Sie schlüpfen in die Rolle eines Königssohns und schicken Ihre 6 Ritter aus, um sich beim Burgenbau unter Beweis zu stellen. Der König hat bestimmt, dass der Wettbewerb in Frieden vonstatten gehen soll, das heißt, kein Rittersoll einem anderen seinen Platz streitig machen.Wer sich in der Königsburg befindet und dem König Gesellschaft leistet, soll zusätzlich belohnt werden. Am Ende jeden Jahres will der König durch das Land reisen, um den Erfolg der Ritter zu begutachten. Nach der dritten Reise wird er seine Entscheidung fällen.

 

Das eigentliche Spiel:

 

Allgemeines:

Wie in der Vorgeschichte bereits beschrieben, geht es bei Torres darum Burgen zu bauen. Der Spielplan besteht aus 8 x 8 viereckigen Feldern, auf denen Stück für Stück die Burgen gebaut werden sollen.

 

Die Regeln für Torres beschreiben verschiedene Spielvarianten, Grundspiel und Meisterspiel, sowie verschiedene Regelvarianten. Im Folgenden wird hauptsächlich auf das Grundspiel eingegangen, wobei das Meisterspiel am Ende kurz dargestellt wird.

 

Aufbau:

Zu Beginn des Spieles erhält jeder Spieler sein Spielmaterial, also 6 Ritter und seinen Wertungsstein, den er auf die Punkteleiste am Spielfeldrand setzt. Auf die acht markierten Felder des Spielfelds wird jeweils ein Baustein gesetzt. Diese markieren die Burgen, die es wieder aufzubauen gilt. Nun setzt jeder Spieler, beginnend mit dem jüngsten, einen Ritter auf eine freie Burg. Der letzte Spieler darf darüber hinaus die Königsfigur auf eine freie Burg setzten und so die Königsburg bestimmen.

 

Spielablauf:

Torres ist in drei Phasen (die Jahre des Bauwettbewerbes) mit einer unterschiedlichen Anzahl Runden aufgeteilt. Die erste Phase hat im 4-Spielerspiel 4, die zweite und dritte jeweils 3 Runden.

 

Jede Phase beginnt mit dem Austeilen der Bausteine an die Spieler. Je nach Spieleranzahl erhält jeder Spieler die auf den Phasen-Karten angegebene Anzahl Bausteine. Bei 4 Spielern sind dies in Phase eins 4 Stapel mit je zwei Bausteinen. Die Aufteilung der Bausteine auf 4 Stapel ist wichtig, da es auch die Rundenzahl pro Phase darstellt. Die Bausteine dürfen also nicht ohne weiteres umgeschichtet werden.

 

Die Stockwerke der Burgen werden als Ebenen bezeichnet. Die Spielfläche ist dabei Ebene 0.

 

Aktionen:

Jeder Spieler hat pro Runde 5 Aktionspunkte, die er benötigt um die nachfolgenden Aktionen durchzuführen. Die Aktionsmöglichkeiten können dabei in beliebiger Reihenfolge und Kombination ausgeführt werden.

 

1. Ritter einsetzen (2 Aktionspunkte pro Ritter)

Der Spieler kann einen oder mehrere Ritter einsetzten. Es gilt folgendes zu beachten:

 

 

  • der neue Ritter muss immer auf ein, zu einem bereits auf dem Feld befindlichen eigenen Ritter, benachbartes Feld gesetzt werden (nicht diagonal)
  • der neue Ritter darf nur auf der gleichen oder einer niedrigeren Ebene als der alte Ritter eingesetzt werden

 

 

2. Ziehen eines Ritters (1 Aktionspunkt pro Feld)

Es können pro Zug beliebig viele Ritter bewegt werden. Dabei gilt:

 

 

  • ein Ritter kann nur waagerecht oder senkrecht gezogen werden, nie diagonal
  • er darf pro Feld nur eine Ebene hinaufsteigen, nach unten kann er dagegen beliebig viele überwinden
  • der Ritter darf nur auf freie Felder gezogen werden und dabei keine anderen Figuren (fremde oder eigene Ritter, den König) überspringen

 

 

Die Burgbausteine haben an allen 4 Seiten Tore, durch die der Ritter hindurchziehen kann. Das bedeutet also, dass ein Ritter durch ein Tor einer Burg gehen und durch ein beliebiges Tor dieser Burg wieder hinaustreten darf, Ebenen dürfen dabei nur nach unten überwunden werden. Diese Aktion kostet insgesamt einen Aktionspunkt.

 

3. Bausteine einsetzen (1 Aktionspunkt pro Baustein)

Ein Spieler kann in seinem Zug nur die Bausteine eines seiner Vorrats-Türme verbauen. Die anderen Bausteine sind jeweils für die weiteren Runden der Phase gedacht. Möchte ein Spieler in seinem Zug nicht alle Bausteine verbauen, so kann er die übrig gebliebenen Bausteine auf seine anderen Vorrats-Türme verteilen, jedoch darf kein Turm aus mehr als 3 Bausteinen bestehen. Überzählige Bausteine kommen zurück in die Schachtel und stehen dem Spieler nicht mehr zur Verfügung.

 

Beim Einsetzen ist Folgendes zu beachten:

 

 

  • es kann an beliebig vielen Burgen angebaut werden
  • es muss immer an eine bereits bestehende Burg angebaut werden; entweder auf einen bereits bestehenden Baustein oder an einen bestehenden Baustein
  • die Höhe der Burg darf niemals größer sein als ihre Grundfläche
  • durch die Erweiterung der Grundfläche der Burg dürfen Burgen nicht verbunden werden; Burgen dürfen sich nur diagonal berühren

 

 

4. Aktionskarten kaufen (1 Aktionspunkt pro Karte)

Es dürfen maximal 2 Karten pro Zug gekauft werden, die aber erst im nächsten Zug eingesetzt werden können.

 

5. Aktionskarte einsetzen (0 Aktionspunkte)

Pro Zug kann nur eine Karte eingesetzt werden. Dies ist zu jedem Zeitpunkt des eigenen Zuges möglich. Die abgebildete Aktion darf kostenlos ausgeführt werden.

 

Die Aktionskarten erhöhen entweder die während des Zuges zur Verfügung stehenden Aktionspunkte oder erlauben Sonderbewegungen, wie etwa das Überspringen von Figuren oder das regelwidrige Einsetzen eines Bausteines.

 

6. Ziehen auf der Wertungsleiste (1 Aktionspunkt pro Feld)

Pro Aktionspunkt kann ein Feld vorgezogen werden. Da sich auf einem Feld nicht zwei Wertungsmarker befinden dürfen, wird die ziehende Figur, sollte sie ihren Zug auf einem besetzten Feld beenden, auf das nächste freie Feld vorgezogen.

 

Wertungen:

Am Ende jeder Phase erfolgt eine Wertung. Man erhält Punkte für jede Burg, auf der mindestens ein eigener Ritter sitzt, jedoch nur für den Ritter auf der höchsten Stufe. Dabei ergibt sich die Anzahl der Punkte, die man erhält aud der Multiplikation der Höhe der Burg mit ihrer Grundfläche. Zuletzt wird die Königsburg gewertet. Hier erhält jeder Spieler, der auf der der Phase des Spiels entsprechenden Ebene der Königsburg sitzt Punkte. In Phase eins 5 Punkte, in Phase zwei 10 und in Phase drei 15.

Nach der Wertung bekommen wieder alle Spieler Bausteine nach der Phasen-Karte ausgeteilt und der Spieler mit den wenigsten Punkten darf den König versetzen.

 

Spielende:

Das Spiel endet nach der dritten Wertung.

 

Meisterspiel:

1. Die Burgen werden am Anfang reihum frei gesetzt.

2. Um den Glücksfaktor zu minimieren erhalten alle Spieler die Aktionskarten in ihrer Farbe auf die Hand. So haben alle Spieler die gleichen Möglichkeiten. Das Kaufen der Aktionskarten fällt dadurch weg.

3. In der Meisterversion gibt es zusätzlich Aufgabenkarten. Eine dieser Karten wird zu Beginn jeder Runde aufgedeckt. Hat ein Spieler am Ende der Runde die auf der Karte beschriebene Aufgabe (zum Beispiel alle eigenen Ritter in einer Linie anzuordnen), bekommt dieser Extrapunkte.

4. Die Zugreihenfolge wird jede Runde neu anhand der Punkteleiste bestimmt. Es beginnt der Spieler mit den meisten Punkten.

 

Fazit:

Torres ist ein wirklich gutes Spiel, dass auch durch sehr schöne und qualitaitv hochwertige Materialen überzeugt. Der Spaß am Spiel besteht darin Züge zu finden mit denen man selbst Punkte machen kann, die den Mitspielern aber nicht die Möglichkeit geben zu einfach am eigenen hart erkämpften Bauwerk Teil zu haben. Es geht also vor allem auch darum die Möglichkeiten der Mitspieler einzuschränken und ihnen den Einstieg in die eigene Burg so teuer wie möglich zu machen. Gleichzeitig sollte man zusehen auf möglichst vielen Burgen mit dabei zu sein und sich von den Mitspielern hochziehen zu lassen. Dabei lohnt es sich durchaus auf Fehler der anderen zu warten.

Spielt man die Grundversion, in der die Aktionskarten gekauft werden müssen, machen diese das Spiel an wichtigen Stellen unvorhersehbarer und überraschender, aber leider auch unausgeglichener und deutlich glücksabhängiger. Hier ist meines Erachtens nach die Meisterversion vorzuziehen.

Das Schöne am Spiel ist, dass es kein „Nebeneinander-Herbauen“ ist, sondern man die Mitspieler durch gut platzierte Ritter, Bausteine und auch den König, sehr schön blocken kann. Natürlich zu teilweise nicht unerheblichen Kosten an Aktionspunkten. Da ist es wichtig genau abzuwägen, was einem langfristig mehr bringt, seine eigene Burg in den Himmel wachsen zu lassen oder dafür zu sorgen, dass die der Mitspieler ebendies nicht tun.

Dass Torres den Preis „Spiel des Jahres“ gewonnen hat, ist überraschend, da die meisten Gewinner nicht gerade durch taktische Tiefe glänzen. Torres bekam diesen Preis wohl aufgrund seiner Vileseitigkeit. Es eignet sich sowohl für Profi-Strategen, dann vor allem in der Meisterversion, als auch für Gelegenheitsspieler, da die Regeln schnell erklärt sind und der Einstieg sehr leicht fällt. Dies macht es zu einem hervorragenden Spiel des Jahres, da es den Brückenschlag zwischen leichtem Einstieg und taktischer Tiefe schafft.

Die durch die Aktionspunkte beschränkten Handlungsmöglichkeiten schränken die Überlegungszeit und damit die Wartezeit für die restlichen Spieler angenehm ein. Dies bedeutet aber nicht, dass die Handlungsmöglichkeiten so offensichtlich sind, dass einem die Entscheidung leicht fallen würde. Vielmehr ist es fast immer so, dass man gerne deutlich mehr machen würde, als die Aktionspunkte erlauben. Hier ist Torres ein typisches Spiel des Ressourcenmanagements.

Zum Schluss noch ein kleines Problem, dass mit Torres auftreten kann: Wer in der Zugreihenfolge hinter einem neuen oder schwachen Spieler sitzt ist doch deutlich im Vorteil, da er hervorragend dessen Fehler ausnutzen kann.

Torres spielt sich sowohl mit 2, 3, als auch mit 4 Spielern sehr gut und ist eines meiner liebsten Spiele für 3 Personen.

Abschließend kann ich Torres, das 2005 in einer Neuauflage bei Ravensburger erschienen ist, aber auch in der Version von Rio Grande über Abacus Spiele zu beziehen ist, jedem nur ans Herz legen. Viel Spaß damit!

 

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Eure Meinung:

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allgemeiner
Dienstag, 14. Oktober 2008 00:06 Uhr
ganz großes Spiel!

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Torres

Autoren: Wolfgang Kramer und Michael Kiesling

Spielerzahl: 2 - 4

Spielbar ab: 12 Jahren

Spielzeit: 60 Minuten (realistisch sind etwa 20 Minuten pro Spieler)

Erhältlich bei: Amazon

 

Spielmaterial:

 

  • 1 Spielplan
  • 92 Bausteine für die Burgen
  • 24 Ritter
  • 4 Wertungssteine für die Punkteleiste
  • 1 König
  • 40 Aktionskarten
  • 8 Meisterkarten
  • 4 Übersichtskarten (Codex)
  • 3 Wertungskarten mit den Grundaufstellungen für 2/3/4 Spieler (Phasen)

 


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Erstellt: 05.07.2006, zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40