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Totentaucher von Wim Vandemaan

Reihe: Atlan:Lepso-Trilogie, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Seit seinem ersten Auftauchen im Perry-Rhodan Heft 50 im Jahre 1962 ist die Figur des Arkoniden Atlan nicht mehr aus der Serie weg zu denken. Er avancierte neben dem Titelhelden schnell zur beliebtesten Person der Serie.

Er verkörperte all das, was der spröde Rhodan nicht sein konnte: Lebemann und Frauenverführer, Abenteurer und abgebrühter Söldner, kurzum der Typus des Helden, wie ihn James Bond in den 1960ger Jahren in seinen Filmen vorlebte.

Atlan, der bereits 10.000 Jahre auf der Erde verbracht hatte und wie auch Perry und seine Freunde vom Geistwesen ES ein Gerät erhalten hatte, was ihn unsterblich machte, blieb auch weiterhin ein treuer Freund der Menschheit, unterstützte diese erst als Imperator des arkonidischen Sternenreiches und dann als Lordadmiral der United Stars Organisation (USO), die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Recht und Gesetz zwischen den Sternen zu verteidigen und die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Auch noch im Jahr 3102 übt die USO diese Funktion aus, und ihre Arbeit wird mehr denn je benötigt. Das solare Imperium der Menschen steht vor dem Zusammenbruch, denn die verschiedensten Machtgruppen arbeiten an ihrem Untergang oder daran selbst mehr Einfluss zu erlangen und immer mehr neue Sternenreiche entstehen aus sich ablösenden Kolonien. Überall lauert das Chaos, und jede noch so harmlose Nachricht kann das Pulverfass Galaxis in die Luft jagen.

 

Deshalb horchen alle auf, als ein Nachrichtensender plötzlich und unvermittelt in der Milchstraße die Neuigkeit verbreitet, dass Lordadmiral Atlan überraschend verstorben sei. Aufzeichnungen scheinen die Wahrheit der Aussagen zu beweisen, zeigen wie der weißhaarige Arkonide überraschend auf den Straßen der Welt Lepso von Unbekannten erschossen wird.

Während vor Ort gleich zwei Agenten aufmerksam werden und erste Maßnahmen ergreifen, beschließt der sich eigentlich quicklebendig fühlende Atlan, selbst nach dem Rechten zu sehen und auf Lepso heraus zu finden, wer diese Nachricht und warum verbreitet hat. In der Maske eines einfachen Prospektors und mit der Hilfe der Piratin Tipa Riordan gelangt er unbemerkt auf die Freihandelswelt.

Zusammen mit seinen Agenten a Schnittke, einem Marsianer, und Chrekt-Chrym, einem Topsider mit der Mutantenfähigkeit des „Totentauchens“, gelingt es ihm die Leiche des vermeintlichen Lordadmirals zu stehlen, doch diese wirft noch mehr Rätsel auf. Es sind eigentlich zwei Tote: der Arkonide Zewayn da Onur trägt einen Symbionten aus der Rasse der Tyarez, die seit Jahrhunderten ausgestorben sein soll. Doch warum hat das Wesen das Leben des Mannes über Jahrhunderte verlängert?

Um das heraus zu finden machen sich Atlan und seine Agenten auf Lepso auf die Suche und merken schnell, dass sie es mit sehr gefährlichen Gegnern zu tun haben, die man nicht unterschätzen sollte. Während a Schnittke an ein mörderisches Mutantenpärchen gerät, wartet auf Atlan jemand, der noch eine Rechnung mit dem Lordadmiral offen hat.

 

Seit den 1960ger Jahren hat es schon mehrere Versuche gegeben, Soloabenteuer des Arkoniden zu erzählen, doch keiner der Reihen und Serien war ein ähnlicher Erfolg beschieden wie der Perry Rhodan Serie. Immerhin erreichte die erste Atlan-Heftserie 850 Ausgaben und auch die „Atlan-Zeitabenteuer“ ist die anteilmäßig größte Subreihe der Perry-Rhodan Taschenbücher, doch keine der Reihen und Zyklen hatte bis heute durchlaufend Erfolg.

Doch man war nicht bereit, klein bei zu geben: Nach dem Scheitern einer zweiten Atlan-Heftserie, die in Form von 12er-Zyklen aufgebaut war, beschloss man in Zusammenarbeit mit Fantasy Productions die Erlebnisse des Arkoniden in Taschenbuchform weiter zu führen, und dabei an die actionreichen und farbenprächtigen Agenten-Abenteuer der ersten Serie anzuknüpfen.

Bewusst hat man dabei die rund 1000 Jahre umfassende Lücke gewählt, die zwischen dem „Zeitpolizisten“- und dem „Cappin“-Zyklus spielt und erlaubt viele Charaktere auftauchen zu lassen, die früher zu kurz gekommen waren.

Oberflächlich gesehen gelingt das Wim Vandemaan auch. „Totentaucher“ liest sich wie ein buntes Potpourri aus Cameo-Auftritten anderer Persönlichkeiten der Serie wie Ronald Tekener und Perry Rhodan selbst, actionreichen Szenen, die sich mit Cliffhangern zu überbieten versuchen, markigen Sprüchen und einem Gagfeuerwerk und nicht zuletzt einem spannend und verwirrenden Fall. Er fängt ein wenig die Atmosphäre der 1960ger Jahre ein, was man vor allem an dem gesellschaftlichen Frauenbild merkt, das für weibliche Leser nicht unbedingt so schmeichelhaft ist, aber das ist es auch schon.

Bei genauerem Hinsehen aber wird deutlich, dass die Figur, über die Wim Vandemaan schreibt nicht viel mit dem eigentlichen Atlan zu tun hat. Sein Arkonide gefällt sich als rolliger Hauskater, der zunächst gar nicht richtig daran interessiert ist, dem Fall nachzugehen, sondern lieber bei seiner nymphomanisch veranlagten Assistentin bleiben möchte.

Und auch später merkt man nichts von dem erfahrenen Taktiker und Zyniker - läuft Atlan doch blauäugig in jede noch so offensichtliche Falle und muss sich erst einmal aus dieser zu befreien versuchen oder ist auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Aber nicht nur darunter leidet massiv die Handlung, der rote Faden durch die ständigen Rückbezüge auf Ereignisse in der Perry Rhodan Serie wird mehrfach verloren und die eigentliche Aufgabe aus den Augen verloren.

Es mag dann zwar auch passen, dass der Humor eher mit dem Holzhammer daher kommt und ziemlich flach bleibt, wirklich retten kann er das Buch nicht.

 

Für Atlan-Fans dürfte „Totentaucher“ ziemlich ernüchternd sein, da sie ihren Helden nicht wiedererkennen. Neueinsteiger werden es schwer haben sich in dem Wust an Anspielungen und Beschreibungen zurecht zu finden, die schon die Kenntnisse der Serie bis in die 600-ter Bände fordert.

Nur wem es nichts ausmacht, das die Handlung ihre Schwächen in Logik und Spannung hat und auch die Gags und der Wortwitz auf einem niedrigen Niveau bleiben, der stellenweise noch unter dem von Heftromanen liegt, wird den Roman wirklich genießen können.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH, www.fanpro.com und www.f-shop.de.

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Totentaucher

Reihe: Atlan: Lepso-Trilogie, Bd. 1

Autor: Wim Vandemaan

Broschiert, Taschenbuch, 328 Seiten

Fantasy Productions, erschienen September 2006

ISBN: 978-3-89064-486-8

Titelbild von Arndt Drechsler

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.07.2007, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 13:51