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Totentöchter – Die dritte Generation von Lauren Destefano

Rezension von Christel Scheja

 

Die in New Haven Connecticut geborene Lauren Destefano schreibt schon ihr ganzes Leben. Deshalb studierte sie auch am Albertus Magnus College kreatives Schreiben und versucht nun als Autorin Fuß zu Fassen. „Totentöchter – Die dritte Generation“ ist nicht nur ihr vielbeachtetes Debüt, sondern auch der Auftakt zu einer Trilogie.

 

Durch ein genetisches Experiment, das eigentlich den Krebs und andere Krankheiten besiegen sollte, steht die Menschheit seit gut fünfzig Jahren vor dem Abgrund. Durch den Virus, der dabei freigesetzt wurden, leben die Menschen der jüngeren Generationen nicht länger, sondern sterben sehr früh, die Männer mit fünfundzwanzig, die Frauen sogar bereits mit zwanzig Jahren.

Aus Panik, dass die Menschheit aussterben könnte, ziehen ständig Sammler umher, die alle vielversprechenden Mädchen einfangen, die alt genug sind, um Kinder zu bekommen, da nur noch wenige Jahre bleiben, in denen sie sich fortpflanzen können.

Auch die sechzehnjährige Rhine, die sich nach dem gewaltsamen Tod der Eltern zusammen mit ihrem Bruder durchs Leben schlägt, wird eines Tages entführt und an ein reiches Haus verschachert. Sie soll zusammen mit zwei anderen Mädchen, der dreizehnjährigen Cecily und der achtzehnjährigen Jenna, nämlich Rose, die zwanzigjährige sterbende Frau des jungen Linden, ersetzen und möglichst bald und schnell Kinder hervorbringen.

Aber Rhine ist nicht bereit dazu, ihr Leben nur noch diesem Ziel zu widmen. Sie spürt, dass vieles in dem Haus nicht so zu sein scheint, wie es ihr und den anderen vorgegaukelt wird und Lindens Vater Vaughn, ein exzentrischer Arzt, sein eigenes Spiel treibt.

So versucht sie immer wieder aus dem ihr bestimmten Schicksal auszubrechen und findet allein in dem Diener Gabriel einen Verbündeten, der bald mehr als nur ein Freund für sie sein wird.

 

„Totentöchter – Die dritte Generation“ zählt zu den dystopischen Jugendromanen, die seit einiger Zeit typische Teenager-Themen mit den Elementen der düsteren Spielart der Science Fiction vermischen.

Dabei greift sie auf ein Thema zurück, das nicht das erste Mal benutzt wird, interpretiert die Geschichte aber neu und mehr auf ihre Zielgruppe ausgerichtet. Die Veränderungen an der Menschheit treffen vor allem die Frauen, die nun mehr oder weniger rechtlos sind, weil von ihrer Gebärfreude das Überleben der Menschheit abhängig ist. Dadurch werden sie quasi wie Sklaven gehalten und man verfügt nach Gutdünken über sie. Das bedeutet auch, dass „unbrauchbares Material“ aussortiert wird und man versucht die Persönlichkeit der Mädchen auf wesentliche Dinge zu reduzieren.

Rhine ist von Anfang an die Rebellin, die einerseits hinter die Kulissen blickt, andererseits aber auch noch nicht resigniert hat. Einfühlsam schildert die Autorin die Welt aus Lügen und dem schönen Schein, aus der sie sich zu befreien versucht und in der sie nur wenigen Menschen wirklich vertrauen kann.

Die Erzählweise ist nüchtern und direkt, so dass eine sehr intensive Atmosphäre entsteht, die mehr als einmal einen kalten Schauer über den Rücken rinnen lässt, da die Autorin darauf verzichtet, den Tod zu beschönigen

Auch einige der Figuren wie Rose und Jenna gewinnen an Tiefe, wenn man zwischen den Zeilen liest und sich ein wenig Gedanken über sie macht. Andere wieder – wie die dreizehnjährige Cecily bleiben eher oberflächlich, was den Kontrast zwischen denen, die das System durchschauen und denen, die sich ihm fügen, noch deutlicher hervor hebt.

Besonders unsympathisch ist der Vater Lindens, der ganz deutlich den Archetypus des „Mad Scientist“ verkörpert, weil er auf der Suche nach einem Gegenmittel dazu bereit ist, selbst über die Leichen Unschuldiger zu gehen und in den Mädchen nur neues Genmaterial sieht und keine intelligenten Wesen.

Alles in allem ist die Geschichte sehr bedrohlich und trotz der ruhigen Erzählweise ohne Längen, da es sich sehr auf die Figuren und ihre persönlichen Erlebnisse konzentriert und diese nicht immer vorherzusehen sind. Die Autorin nimmt sich Zeit, das Szenario und die Personen einzuführen, so dass die Spannung moderat bleibt und nur hin und wieder durch dramatische Momente aufgebrochen wird. Das passt aber zu der Handlung die dadurch Akzente setzt und ein wenig das offene Ende kaschiert.

Ob erfahrene Leser offen genug dazu sind, sich mit den insgesamt sehr jugendlichen Helden anfreunden zu können, bleibt allerdings offen, da in die Geschichte auch wieder eine der allgegenwärtigen Romanzen mit hinein spielt.

 

Alles in allem legt Lauren Destefano mit „Totentöchter – Die dritte Generation“ ein interessantes Debüt hin. Sie schafft es, ein altbekanntes Thema modern zu interpretieren und damit auch für die junge Generation intensiv nachvollziehbar zu machen, auch wenn es natürlich Zugeständnisse an die Gefühle vieler Leser gibt.

 

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Jugendroman:

Totentöchter – Die dritte Generation

Autorin: Lauren Destefano

gebunden, 396 Seiten

cbt, erschienen September 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Catrin Frischer

Titelbildgestaltung von Geviert

ISBN-10: 3570161285

ISBN-13: 978-3570161289

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.04.2012, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54